Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
198
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bei der Compagnie abhalten, und dann, müde von des Tages Laſt und Kälte, wandert Herr von Roſen⸗ kranz wieder nach der ſtädtiſchen Reſſource, und nun beginnt erſt der Glanzpunkt ſeiner Thätigkeit.

Jetzt bewundere man Herrn von Roſenkranz, wie er ſich den Ueberrock abſtreift und in einen unbe⸗ ſchreiblichen kurzen Leinwandrock fährt, der alle Farben, d. h. in unregelmäßigen Kleckſen und Sprenkeln, auf ſich trägt. Der Saal iſt inzwiſchen geheizt worden; auf dem Boden liegen ausgebreitet lange und ſchmale Couliſſen, ganze Hintergründe, eben ſolche hängen an den Wänden. Rings umher ſtehen große und kleine Farbentöpfe. Die alten Couliſſen müſſen wieder aufgefriſcht werden; der Premier iſt der Künſtler, ſein Burſche der Handlanger, der regelmäßig Grün mit Blau verwechſelt, was bei Licht übrigens auch anderen Leuten paſſiren kann als einem Musketier, der die Ehre hat Officierburſch zu ſein.

Der Premier nimmt nun einen langen Stock, an deſſen Ende ein Pinſel ſteckt; er el ſich mit ge⸗ ſpreizten Beinen über die Couliſſe und ſtreicht nach Herzensluſt an; bei den feineren Arbeiten kniet er nieder und ſtöhnt gewaltig über die Schmerzen in ſeinem Rückgrate.

Nun kommt auch noch Beſuch, entweder einer der Reſſourcenvorſteher vom Civil, oder ein Paar Cameraden. Der Erſtere iſt immer entzückt von der Arbeit des Lieutenants und kann ſich der Ausdrücke ſeines Dankgefühls gar nicht genügend entledigen, aber die Cameraden, o die ſind ſtrenge Richter!

Roſenkranz, ſagte der ſarkaſtiſche Lieutenant, der auf einem Tiſche ſitzt, mit den Beinen baumelt und gemächlich ſeine Cigarre dampft,bringen Sie doch ein bischen friſches Grün in den Eichbaum; das Ding ſieht aus, als wenn er die Raupen gehabt hätte; wenn das die Polizei merkt, werden Sie in Strafe genommen, weil Sie im Frühjahr nicht haben raupen laſſen.

Der geduldige Premier ſieht ſich ſeinen Eichbaum an, ſteht auf und betrachtet ihn von allen Seiten, ſchüttelt den Kopf und ſagt dann:

Sie haben Recht; wir können ein wenig Hell⸗ grün aufſetzen. Käſemeyer, das Grünſpangrün!

Käſemeyer, der Burſche, fliegt in eine Ecke, ſo gut wie ein Musketier fliegen kann, und ſchleppt einen großen Topf herbei. Der Premier taucht ſeinen Pinſel am Stock hinein, wobei er ſich mit den Augen die geeignetſten Stellen an der Eiche, die Licht brau⸗ chen, ausſucht, und ſtreicht nun darauf los. Plötzlich ſchrickt er zuſammen, wird blutroth im Geſichte, wendet ſich zu Käſemeyer und bricht zornig in die Worte aus:

Novellen⸗Zeitung.

Menſch! Du Eſel! Siehſt Du denn nicht, daß das wieder Himmelblau iſt?

Der Burſche ſteht ganz verdonnert da und ſtarrt bald auf die Eiche, bald auf den Topf. Der ſarkaſtiſche Lieutenant will vor Lachen vom Tiſche fallen.

Käſemeyer, mein Sohn, Du biſt ein Ochſe! Du wirſt mich mit Deiner Mondblindheit noch zur Verzweiflung bringen. Aber warte, Kerl, ich will Dir die Augen aus dem Kopfe bringen, daß Du ſie mit der Knopfgabel putzen kannſt! Grünſpangrün habe ich geſagt, Schwerenoth!

Der Premier ſtampft wild mit dem Fuße auf und tritt ein Loch in die Couliſſe.

Eine Weile ſteht er ganz erſtarrt vor Schreck, dann hebt er wüthend den Pinſel an dem langen Stocke auf und ſchlägt damit nach ſeinem verdonner⸗ ten Burſchen; dieſer weicht zurück, der weiche Pinſel fährt ihm um die Naſe, und Käſemeyer, der es mit richtigem Takte für ganz ſubordinationswidrig hält, daß er zurückgetreten iſt, wenn ſein Lieutenant etwas von ihm wünſcht, ſteht kerzengerade mit beiden Hän⸗ den hinter der rothen Hoſenbieſe ſtill und präſen⸗ tirt ſeine himmelblaue Naſe und eine ebenſo ge⸗ färbte Backe.

Unſere Leſer mögen nun nicht aufſchreien:Nein, dieſer Lieutenant von Roſenkranz! Er ſchlägt ſeinen Burſchen? er iſt ja ein Tyrann, ein roher ꝛc. ꝛc. Die königlichen Beſtimmungen verbieten auf das Strengſte

Stopp! Ein bischen-weniger Dampf, wenn wir bitten dürfen! Der Lieutenant von Roſenkranz iſt eine Seele von Menſch, und ſein Käſemeyer weiß das beſſer als jeder Andere, er ginge für ſeinen Lieutenant durch das Feuer. Als Käſemeyer eines Morgens, als er die Stiefel und übrigen Kleider ſeines Herren zum Reinigen holté, Thränen in den Augen hatte, fragte der Lieutenant er lag noch im Bette:

Käſemeyer, mein Sohn, was fehlt Dir?

Nichts, Herr Lieutenant.

Mein Sohn, Du biſt ein Ochſe! Man weint nicht, wenn Einem Nichts fehlt.

Herr Lieutenant*

Käſemeyer begann zu ſchluchzen.

Heraus mit der Sprache! Ein Soldat weint nicht wie ein altes Weib. Ich kann das nicht leiden.

Zu Befehlen, Herr Lieutenant, und Käſemeyer

wiſchte ſich die Augen mit dem Aermel der ſchmutzigen

Diillichjacke. Was iſt's alſo, Käſemeyer?

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