Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
190
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genblick, wo er den Laſſo über das Haupt des gejagten Thieres fallen läßt, oder die Dame mit ihren zarten wei⸗ ßen Fingerchen in dem Augenblick, wo ſie in dem heiterſten Liebesgekoſe mit ihrem Freunde iſt, der dann für ſie Feuer ſchlägt und dem ſie voll Zärtlichkeit die angerauchte Cigarre zwiſchen die Lippen ſchiebt, ſelbſtverſtändlich für ſich ſofort eine andere machend.

Die vornehmſten Damen bedienen ſich zum Halten der Cigarren ſehr zierlicher, goldener Zangen, um nicht die Fin⸗ ger durch den Tabak zu verunreinigen, um zu verhindern, daß dieſelben nicht den üblen Geruch annehmen.

Wie ſonderbar! ſelbſt die Spanierinnen finden, daß der Tabaksgeruch an den Fingern ein übler ſei und daß ſie dieſelben damit beſchmutzen aber die Lippen und den Mund was ſchadet das, wenn dieſe übel riechen und be⸗ ſchmutzt ſind!

Das Rauchen iſt aber ſo ſehr an der Tagesordnung, daß es ſelbſt bei Tiſche nicht aufgegeben wird, man raucht während des Eſſens, ja, was wohl noch auffallender iſt, man raucht während des Fandango. Spanier und Spanierinnen ſind überaus vergnügungsſüchtig, und unter den Vergnügungen ſteht der Tanz neben dem Spiele oben an. Mit wahrer Leidenſchaft und man könnte ſagen mit Wildheit tanzt der ernſthafte Prieſter, der reiche Nabob, der Statthalter, der Officier, der Ranchero, der Bettler; mit gleicher Leidenſchaft

tanzt die ehrbare Matrone, das luſtige junge Mädchen, die

vornehme Donna, die Köchin, und ſie ſind ſehr beſcheiden hinſichtlich ihrer Anforderungen an die Muſik; die nämlichen Inſtrumente, mit denen der Kirchengeſang begleitet wird, die Violine und die Guitarre, ſpielen auch zum Tanze auf, und in ungemeiner Fröhlichkeit gleitet Alles durcheinander, und an den üppigen Bewegungen der Männer ſowohl als der Frauen und Mädchen gewahrt man, in welchem Grade der Tanz ſie aufregt; aber die Cigarre darf dabei nicht aus⸗ gehen. Der glimmende Tabaksſtengel im Munde der ſchö⸗ nen Dame, oder im Munde des alten Prieſters oder des jungen Officiers dampft nur um ſo lebhafter, je luſtiger die Theilnehmer ſich im Bolero oder im Trapoli, im Saltado drehen und ſchwingen..

Kleine Kritiken.

Geſchichte des ſiebenjährigen Krieges in Deutſchland. Von J. W. von Archenholz. Berlin, 1864. Haude und Spener'ſche Buchhandlung.

Von den vielen Geſchichtswerken, die über Un denk⸗ würdigen Eroberungskrieg des genialen Friedrich geſchrieben wurden, der von Manchem auch mit ſittlichem Recht ein Raubkrieg genannt iſt, zeichnet ſich die in achter Auflage vor⸗ liegende Darſtellung von Archenholz immer noch als das vollendetſte Werk aus. Der Verfaſſer trat damit 1791 her⸗ vor. Schon durch frühere Werke hatte Archenholz ſich einen vorzüglichen Ruf erworben; er prunkte nicht mit gelehrten Kenntniſſen, die er nicht beſaß, ſondern ſein ungewöhnlicher Beobachtungsgeiſt, verbunden mit einer feinen Welt⸗ und Menſchenkenntniß, und das Talent, lebendig und friſch zu ſchildern, gaben ſeinen Schriften diejenigen Eigenſchaften, welche nöthig ſind, um populär verſtändlich zu wirken. Eine Geſchichte der Königin Eliſabeth und eine des Guſtav Waſa wurden ihrer Zeit vom Publicum verſchlungen, und auch ein anderes WerkEngland und Italien, ſchon 1785 erſchienen, überſetzte man in viele fremde Sprachen. Alle

Novellen⸗Jeitung.

dieſe Editionen ſind jedoch von der Einfachheit, von der geſchmackvollen Darſtellung und der ſpannenden Realität der geſchichtlichen Erzählung des ſiebenjährigen Krieges bei Weitem übertroffen worden.

Auguſt Potthaſt hat die neueſte Herausgabe dieſer Bände

durch einige ſtyliſtiſche, zeitgemäße Abänderungen unterſtützt, und außerdem wird ſie durch ein wohlgetroffenes Portrait des kriegsluſtigen Königs(nach einem Gemälde von Pesne) und durch eine ſehr genaue Karte des Kriegsſchauplatzes dem Publicum angenehm gemacht.

Heutigen Tages, wo man ſich ſo gern wieder in die Zeit der franzöſiſchen Kämpfe durch hiſtoriſche Werke und ſo⸗ gar durch ungründliche Romanbearbeitungen zurückverſetzen läßt, wird man auch mehr Grund finden, ſich wieder den ſo trefflich geſchilderten Schlachtgemälden des ſiebenjährigen Krieges zuzuwenden, wenn es auch freilich leider nicht wie bei dem Befreiungskriege mit der Anſicht geſchehen kann, daß dieſer Kampf zwiſchen Preußen und Oeſterreich in ſeinem tiefinnerſten Grundweſen einen moraliſchen nationalen Cha⸗ rakter an ſich trug. Ein Bruderkrieg, der innerhalb derſelben Nation ſtattfindet, wird immer vom höchſten Stand⸗ punkt aus ein widerwärtiges Schauſpiel bleiben, und man kann ſich wohl für die dabei hervortretenden Feldherrenta⸗ lente und dramatiſchen Spannungen intereſſiren, aber es ſtets nur voll Wehmuth und mit ſittlicher Entrüſtung anſehen, wenn eine deutſche Schaar der andern auf Commando das Schwert in's Herz ſtößt. Der ſiebenjährige Krieg iſt voll Großthaten des Geiſtes wie der Ausdauer phyſiſcher Kraft, er zeigt den Glanz des wahren Ingeniums in den verzwei⸗ feltſten Momenten und gegenüber der größten Uebermacht; aber er bleibt dennoch einer der dunkeln, beſchämenden Blut⸗ flecken im Buche der deutſchen Culturgeſchichte und in den Annalen des Menſchenrechts. O. B.

Thautropfen. Ueberſetzungen aus dem Franzöſi⸗ ſchen und Erzählungen von Alexandra, königl. Prinzeſſin von Bayern. München, 1863. E. A. Fleiſchmann's Buch⸗ handlung(A. Rohſold.).

Wir finden hier zunächſt einige kleine Erzählungen nach dem Franzöſiſchen aus den Horizons-Prochains von Gräfin Gasparin. Es ſind moraliſche Tendenzgeſchichten, die ſich indeß durch eine beſondere Innigkeit und Weichheit in der Betrachtung menſchlicher Verhältniſſe, vorzüglich der der Armuth, auszeichnen. Die freie Bearbeitung dieſer klei⸗ nen Bluetten, ſowie die zweier andern nach Eugenie Foa zei⸗ gen liebevollen Fleiß und Sauberkeit des Styls.

Die gleichen Eigenſchaften findet man auch bei den frei erfundenen Erzählungen der Prinzeß Alexandra, in denen zugleich hin und wieder ein katholiſch märchenhaftes, fromm gläubiges Element mit naiver Einfachheit hervortritt.

Erdenkreuz als Himmelsſtufen;Zwei Schwägerin⸗ nen;Wo die Noth am höchſten, iſt die Hülfe am näch⸗ ſten;Das kranke Akrobaten⸗Mädchen heißen dieſe vier Novellen, undunermüdetes Mitarbeiten an dem Glücke un⸗ ſerer Nebenmenſchen iſt die Deviſe, welche ſich die Verfaſſe⸗ rin geſtellt hat. 1 O. B.

Wiederklänge aus dem Rhone⸗Thal. Gedichte von Leo Lucian von Roten. Augsburg, J. A. Schloſ⸗ ſer's Buch⸗ und Kunſthandlung.

Das Vaterland des Verfaſſers iſt die Schweiz, und es bleibt eine auffällige und für uns lehrreiche Erſcheinung, daß faſt alle Schweizer Schriftſteller und Poeten, groß und gar

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