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ſitzt, dem gehört Europa, ſo würde man nicht ſagen können, die Gebieter von Mexico beſitzen den Schlüſſel zur ganzen Erde. Es verſteht ſich, daß dieſer Ausſpruch ein ideal⸗theore⸗ tiſcher iſt und ſich auf die Vorbedingungen ſtützt, die in einem Lande dazu gehören, um deſſen Bewohner zur höchſten geiſti⸗ gen und materiellen Machtentwicklung zu führen, wie ſich ähnliche Unterſtützungsmittel dereinſt für die Griechen und Römer ergaben. Natürlich darf nicht überſehen werden, daß, wenn dieſe Berechnung nicht zu Schanden werden ſoll, vor Allem der richtig befähigte Volksſtamm zu deren Erfüllung gehört. England und Deutſchland beweiſen in politiſcher und culturhiſtoriſcher Beziehung, welcher Grad von materiel⸗ ler und geiſtiger Weltgröße auch unter ungünſtigen Verhält⸗ niſſen zu erſtreben iſt.
Uebrigens haben die Franzoſen einen ſcharfen Blick für dieſen paradieſiſch begünſtigten Theil der Erde gehabt, indem ſie darin Anker zu werfen ſuchen.
Als Thatſache muß anerkannt werden, daß die jetzige mexicaniſche Bevölkerung jene richtige nicht iſt, welche irgend eine große völkerſtaatliche Zukunft erreichen könnte. Ja ſie ſteht mit dem Bilde, das man ſich von einer derartigen ent⸗ werfen würde, in dem ſchmerzlich lächerlichſten Mißverhält⸗ niß. Es wird feſſelnd ſein, hier einiges von den Sitten oder vielmehr Unſitten jenes ſchönen zerrütteten Landes zuſammen⸗ geſtellt zu finden.
Vor allen Dingen iſt das Betteln dort keine Schande, der Bettler wird immer den Caballero aufrecht erhalten, und er wird demjenigen, der ihm einen Real geſchenkt hat, eine Priſe aus goldener Doſe anbieten. Der Einheimiſche wun⸗ dert ſich hierüber nicht, er kennt das; wenn aber ein Fremder verwundert fragen wollte, wie der Bettler im Beſitze einer goldenen Doſe betteln und nicht lieber dieſe verkaufen möge, ſo wird eben dieſer Bettler höchſt entrüſtet fragen, ob der Sefor nicht wiſſe, daß er ein Edelmann ſei, und ob ein Edelmann etwa aus einer Kokosnuß oder einer Klappmuſchel ſchnupfen ſolle. Da übrigens die Leute ſehr bereit ſind ihre kleine Münze herzugeben, ſo iſt das Bettlergewerbe ein ziem⸗ lich einträgliches, ja vernünftige Eltern, welche ihren Kindern nicht nur ein gutes Auskommen, ſondern ſich ſelbſt auch ein ſorgenfreies Alter ſichern wollen, verſtümmeln ihre Kinder ſchon in der Wiege, indem ſie ihnen die linke Hand oder ein Bein abhauen und ſie dann frühzeitig in dem noblen Metier, auf die Barmherzigkeit der jungen Herren oder Damen zu ſpeculiren, abrichten. Wo nicht ein Arm oder ein Bein wirklich fehlt, ſondern nur Lähmung vorhanden iſt oder Blindheit oder Taubheit, kann man ſich darauf verlaſſen, daß die Gebrechen nur ſimulirt ſind, und daß der Blinde die Gefahr ſieht und der Taube ſie hört ſo gut wie ein Anderer, der nicht blind oder taub iſt, und wenn etwa ein wilder Stier durch die Gaſſen rennt, ſo wird der gelähmte Bettler gewiß am ſchnellſten von allen Andern aufſpringen und das Weite ſuchen; warum ſollte er auch nicht? ſeine Beine ſind ja nicht ermüdet, ſind ja mehr geſchont als die eines Anderen. Aber außer dieſer Bettlerinduſtrie findet man wenig Gewerb⸗ thätigkeit im Lande, d. h. unter den Abkömmlingen der Spanier, denn die Eingebornen ſind keineswegs ganz ſo faul, noch ganz ſo frei von Geſchick. Dagegen überwiegen die Ta⸗ lente der Spanier die der Eingebornen weit, ſobald es ſich um Stehlen oder Betrügen handelt, und hierin leiſten dieſel⸗ ben mehr, als man billig erwarten kann.
Am allerſchlimmſten iſt der Schuldner daran, denn falls er nicht bezahlen kann, wartet ſeiner das Gefängniß, man
könnte faſt ſagen für ewige Zeiten, es ſei denn, daß der
Rovellen⸗Jeitung,
V Gläubiger zur Tilgung der Schuld den Schuldner als Die⸗
ner annehmen wolle. Wehe dem Unglücklichen, dem ein ſolches Loos geboten wird, er iſt ſicher, niemals aus den Sclavenbanden zu kommen. Der Lohn iſt äußerſt gering, dieſen Lohn behält der Herr zur Tilgung der Schuld ein; nun muß der Diener aber Kleidung haben, welche er ſich von ſeinem Lohne beſchaffen ſoll, und welche ihm, da er kei⸗ nen Lohn hat, ſein Herr beſchafft; dadurch kommt er wieder tiefer in die Schuld ſeines Gläubigers, und ſo ſchließt ſich Verringerung und Vergrößerung der Schuld wie eine unzer⸗ reißbare Kette immer feſter um den Unglücklichen, bis er nach einer Reihe von Jahren, altersſchwach und unfähig geworden, von ſeinem großmüthigen Gläubiger, der noch immer nicht befriedigt iſt, entlaſſen wird.
Das Stehlen iſt hier ſo durchaus alltäglich, daß Nie⸗ mand irgend etwas unbewacht ſtehen oder liegen läßt; das Werkzeug wird vom Felde fortgeholt, das Eiſen vom Wagen geſtohlen, ja es werden die Räder heruntergenommen, die Deichſel herausgezogen, und wenn Jemand während des Diebſtahls vorbeikäme, würde er es nicht hindern, würde er nicht zu bewegen ſein, gegen den Schuldigen als Zeuge auf⸗ zutreten, denn— er mag den Armen nicht in Verlegenheit ſetzen. Den Ruf„haltet den Dieb!“ hört man nirgends, denn es wäre ganz vergeblich, Niemand würde ſich ſeine Sporen an dem Diebe verdienen wollen. Wehe dagegen dem Fremden, der ein Pferd kauft oder ein Maulthier von einem Manne, der nicht anſäſſig in der Stadt iſt; alsbald iſt ein vorgeblicher Eigenthümer da, und der Käufer iſt der Dieb; es hilft ihm nichts, daß er, die vortrefflichen Geſetze des Landes kennend, das von ihm gekaufte Gut als geſtohle⸗ nes ohne alle Entſchädigung herausgeben will, er muß noch den Beſitzer entſchädigen, dem das Thier niemals gehört hat, er muß aber auch noch der Gerechtigkeit ſein Opfer bringen, was nicht ſelten eine viel höhere Summe iſt, als ihm das gekaufte Thier ſelbſt gekoſtet hat.
Man glaubt, daß die Spielwuth die ausſchließliche Ur⸗ ſache der großen wiederkehrenden Spitzbübereien in Mexico ſei, und es iſt völlig wunderbar, bis zu welchem Grade von Wuth dieſe Leidenſchaft geht. Alle Stände vereinigen ſich unter der Aegide des furchtbaren Haſardſpieles, eine Neigung, welche ſchon dem Kinde angeboren zu ſein ſcheint, und welche ſich ſo gut bei der feinſten Dame wie bei dem ärmſten Die⸗ ner, welche ſich ſo gut bei dem Geiſtlichen, dem die Religion, bei dem Beamten, dem das Geſetz, und bei der feinſten Dame, der die gute Sitte es verbietet, vorfindet..
Die Hahnenkämpfe ziehen zwar auch das Publicum mächtig an. Wie bei allen rohen Völkern, ſo auch bei den Spaniern, ſind Gefechte zwiſchen Thieren etwas höchſt Auf⸗ regendes, ſie beſchäftigen die Phantaſie, ſtacheln die Leiden⸗ ſchaften auf, und es wird dadurch, daß eben dieſe Menſchen aller feineren Bildung, aller geiſtigen Hülfsmittel, ſich zu unterhalten, baar ſind, begreiflich, daß ſie ſich mit großem Intereſſe der Anſchauung eines Kampfes hingeben, welcher iyre Leidenſchaften in verſchiedener Weiſe beſchäftigt, theils dadurch, daß ſie Streit und Blutvergießen ſehen, theils daß ſie Wetten machen, wer von den Kämpfern wohl der Sieger werden mag. Daher gab es bei den Römern Gefechte zwi⸗ ſchen Thieren und Menſchen, blutige Gefechte zwiſchen Men⸗ ſchen allein(Gladiatoren⸗Spiele), welche die ſehr viel feinern Griechen ſchon nicht kannten, daher giebt es noch bis auf dieſe Stunde bei den rohen Spaniern Stiergefechte, bei den noch viel roheren Engländern Thierhetzen und Fauſtkämpfe Gopxereien), wobei die Kämpfenden ſich beinahe gegenſeitig
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