Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
187
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Mit Unrecht hat man hin und wieder namentlich die Landleute im Herzogthum Holſtein bei Erwähnung ihrer ſonſtigen guten Eigenſchaften einer an Phlegma grenzenden Ruhe beſchuldigt. Wer längere Zeit mit ihnen gelebt und verkehrt hat, wird in der ſie be⸗ herrſchenden Seelenruhe den Urquell aller Tugenden erkennen, welche die Holſteiner ſo achtungswerth machen. Sieht man, wie die Hausfrau mit klarem, ru⸗ higem Sinne unabläſſig bemüht iſt, das große Triebrad in Bewegung zu erhalten, wodurch die ſo bedeutende innere Wirthſchaft geregelt wird; wie ſie fortwährend auf Erhalten und Vermehrung des Hausſchatzes be⸗ dacht iſt; wie der Bauer ſelbſt mit eiſerner Beharr⸗ lichkeit nicht ermüdet im Wiederaufbau der durch die Sturmfluthen oft gebrochenen Deiche; wie der Schiffs⸗ capitain beſonnen und kräftig ſein Fahrzeug über

die gährenden Fluthen ſteuert: dann wird man die

Ueberzeugung gewinnen, daß eben in der Ruhe des

Holſteiners die Kraft liegt, das Schwerſte zu voll⸗ bringen.

Der Onkel war bei meiner Rückkehr zufrieden

mit den Reſultaten der Miſſion. Auch beſtärkten ihn die Ausſagen meines Adjuncten in der Meinung, daß er bei dem Kaufe von Dirxen's Landweſen kein übeles Geſchäft machte. Als er am anderen Tage ſein Cal⸗ cül gezogen, ſagte ich ſcherzend:Schade, lieber Onkel! daß Sie kein Jäger ſind! die Gewäſſer um Schalks⸗ holz ſind dicht mit Enten bedeckt; Schnepfen, Becaſ⸗ ſinen und Strandläufer flattern in Schaaren durch das Schilfrohr längs der Canäle. Die reiche Jagd würde die Revenuen des Gutes noch etwas erhöhen.

Soll Deine jährliche Accidenz ſein, wenn Du Dir künftig einige Wochen abmüßigen willſt, um in Schalksholz nach dem Rechten zu ſehen.

Dankbar nahm ich des Onkels Vorſchlag an. Eine ergiebige Waſſerjagd war immer meine Freude.

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Waren die freundlichen Menſchen auch ſelbſt weit ent⸗ fernt, ſo waren doch die Räumlichkeiten im Hauſe dieſelben. Jedes Zimmer erinnerte an die früheren Bewohner. Ich kannte den Onkel zu gut, als daß eine Veränderung im Hauſe zu befürchten war. Er tadelte jede Neuerung ſelbſt in einer fremden Woh⸗ nung, die ſüße Gewohnheit des Althergebrachten ging ihm über Alles.

Nach wenigen Tagen war die Kaufangelegenheit ſo weit nach meinen Notizen geordnet, daß der Rechts⸗ anwalt des Handelsherrn ſie zum formellen Abſchluß bringen konnte. An dem Tage, als Doctor Walker ſich zu dieſem Zweck in das Land an der Eider be gab, ging ich über die Elbe nach Harburg. Der nächſte Bahnzug förderte mich noch am ſelben Tage bis nach Harzburg, dem bekannten Badeorte am Fuße des Brockens.

In Amsbergs reizendem Berggarten, in den Baumgängen bis hinaus zum brauſenden Falle der Radau, promenirte noch ein Reſt vornehmer Bade⸗ gäſte, die ſich von den letzten ſchönen Septembertagen Erſatz holten für den ſchlechten Sommer. Vor dem Lindenhofe jodelte ein Quartett ſogenannter Tyro⸗ ler. Aus dem Gebirge tonten die melodiſch geſtimm⸗ ten Glocken der heimwärts kehrenden Viehherden. Welch ein Unterſchied zwiſchen heute und dem Abend vor wenigen Tagen, als Meta in der ſtillen Holſteiner Marſch das Lied vom Seekönige ſang!

Es fehlt mir zu Hauſe nicht an Gelsgenbeiten

zur öfteren Erinnerung an die in Schalksholz und in der Stadt Heide verlebten Tage. Das Schickſal der Holſteiner hatte ſich ja in den beiden letzten Jahren eher verſchlimmert als gebeſſert. Aber unverhofft kommt oft! Ein Extrablatt unſerer Zeitung brachte am Weih⸗ nachtsfeſte die zunehmende Bewegung in Holſtein für den rechtmäßigen Fürſten. Am anderen Tage ging

Dabei konnte ich während meines Aufenthaltes an mein Brief ab an Dirxen mit der Mahnung an ſein dem mir lieb gewordenen Orte beſſer als anderswo Wort:Die ſchwarze Stute für den deutſchen Gene⸗ Dirxen's und ſeiner lieblichen Tochter gedenken. ral, der den Dänen auf's Haupt ſchlägt!

Feuilleton.

Bur Charakteriſtik des mexiraniſchen Lebens.

. Der große langwierige Krieg der Franzoſen auf dem mexicaniſchen Terrain hat das Intereſſe der allgemeinen In⸗ telligenz augenblicklich ſehr nach jenen Gegenden hingerichtet. Humboldt, Bonpland und der berühmte Geograph Ritter

ſprachen bekanntlich aus, daß Mexico wegen des ſich nirgend auf der Erde wiederfindenden glücklichen Enſembles von Bo⸗ den, Klima, Productionsreichthum und Meereslage beſtimmt zu ſein ſchien, dereinſt das blühendſte Land zu werden und für den Welthandel, ja für die Cultux die herrſchende Spitze zu bilden. Wenn man ſagen kann, wer Conſtantinopel be⸗

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