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Auf einem kleinen Tiſche vor dem Stuhle lag eine große Hausbibel mit ſilbernen Schlöſſern. Man findet ſie faſt überall in den Wohnungen der Land⸗ bewohner. Das Volk hält feſt am althergebrachten Recht, aber es iſt auch fromm im wahren Sinne und hält feſt an Gottes Geboten. Ein geſticktes Zeichen lag in der Bibel, und als ich ſie öffnete, da zeigte Meta auf die Stelle: Selig ſind die in dem Herrn ſterben u. ſ. w.„Die letzten Worte, die ich der Mutter am Morgen oft wiederholt vorleſen mußte,“ flüſterte Dirxen's ſchöne Tochter. Und wie ich ihr da in das geſenkte thränende Auge blickte, war es nicht anders als ſähe ich in das Geſicht einer der heiligen Jungfrauen, wie ſie uns als Ideal von Italiens Meiſtern hinterlaſſen ſind. Wer in Holſtein längere Zeit verweilt hat, der weiß auch, daß edele weibliche Geſtalten mit Madonnageſichtern zu den ſchönſten Eigentbümlichkeiten des Landes gehören.
Faſt noch ſchwerer als vom Vater wurde mir der Abſchied von der Tochter. Ich dachte im letz⸗ ten Augenblick daran, wie bald ſich Meta's treu blaue Augen mit Thränen füllen würden bei dem Scheiden von ihren blumigen Wieſenmatten, von ihren Herden und vom Blumengarten unter den Fen⸗ ſtern, in deren Pflege ſie vom Kinde zur blühenden Jungfrau geworden. Doch auch ich mußte ja jetzt ſcheiden; mein Geſchäft war vollbracht, ein letzter Händedruck, und ich beſtieg mein hohes Gefährt. Wilm hatte ſchon Poſto gefaßt. Mein Adjunct aber folgte mir erſt, als er in Anerkennung der auch ihm zu Theil gewordenen guten Dinge von den ihm be⸗ willigten Reiſeſpeſen, unbemerkt von mir, wie er glaubte, der Großmagd einen großen Silberling in die Hand gedrückt hatte.
Heide war mir aus alter und wieder aus der neueſten Zeit ein zu lieber Ort geworden, als daß ich irgend wo anders hätte Station machen können, als im deutſchen Hauſe. Was ich dort über Dir⸗ xen vernahm, beſtärkte mich in der guten Meinung, die ich von ihm gefaßt hatte. Es war Markt gewe⸗ ſen, und die Geſellſchaft ungewöhnlich zahlreich. Als ich erzählte, was er noch mit der ſchwarzen Stute zu thun gedenke, ſagte ein mir gegenüberſitzender Grund⸗ beſitzer:„Das ſieht unſerem Dirxen ganz ähnlich, und vorkommenden Falles wird er Wort halten, auch wenn er im Budjadinger Lande feſt ſitzt. Er gehörte zu unſe⸗ ren treueſten Männern und hat viel für das Land gethan in den Zeiten der Noth. Vier ſeiner beſten Pferde hat er bei Ausbruch des Krieges zu den Dra⸗ gonern geſtellt; dann legte er 1000 Bankthaler in die Hülfscaſſe ein, und als nichts mehr helfen wollte, und zuletzt noch die Verwundeten und Kranken in
Novellen⸗Jeitung.
(Rendsburg Noth litten, da ſchickte er wöchentlich einen Wagen mit allen möglichen guten Dingen be⸗ laden. Aber was konnten ſeine, was die von uns allen gebrachten Opfer noch wirken, wo unſere gerechte Sache ſchon von Anfang verrathen, unſer Land wieder an die Dänen verhandelt war!“
„So war es,“ ſagte ein würdiger Prediger aus der Nachbarſchaft;„wäre es nicht ſo geweſen, wie hätte dann wohl der biedere Oberſtabsarzt Schwarz einem der Höchſtcommandirenden im Heere einer deutſchen Großmacht, als er eine Inſpection der Hospitäler ab⸗ halten wollte, in's Geſicht ſagen können: Beſſer, Sie unterlaſſen es, Herr General! Der Anblick Ihrer Uni⸗ form würde auf meine Schwerkranken einen zu übelen Eindruck machen.⸗ Aus den Worten des braven Mannes erkannten damals ſchon die Umſtehenden, welche Wendung das Schickſal in Holſtein genommen.“
„Und doch, Herr Paſtor!“ nahm ein Anderer das Wort, dem die ganze Tafelrunde ſich anſchloß,„wollen wir feſt daran halten: nur Holſtein mit Schleswig, kein deutſches Stück Erde unter däniſchem Scepter!“
„Es iſt mein Spruch, und der aller meiner Amts⸗ brüder im Lande,“ entgegnete der Paſtor;„halten wir feſt daran, Gott wird ſchon helfen!“
Und es waren Männer, die vor zwei Jahren in Heide ſo ſprachen, nicht phantaſiebenebelte Reformer, die oft den Wald vor Bäumen nicht ſehen. Auch in Unterſen, einem Städtchen in der ſogenannten Propſtei, einem der reichſten Landſtriche von Holſtein, habe ich auf meiner Reiſe in dem dortigen erſten Geiſtlichen, dem Paſtor Bröker, einen Diener Gottes kennen ge⸗ lernt, der von ganz ähnlichen Geſinnungen beſeelt war. Vielſeitig gebildet und in der Geſchichte des Landes ſo bewandert wie faſt alle ſeines Amtsbrüder im Herzogthume, hatte er mich in einer halben Stunde vermittelſt ſeines klaren Vortrages auf den Stand⸗ punkt geſtellt, von dem ich jetzt nach zwei Jahren ohne viele andere Beweisgründe die Erbſchaftsange⸗ legenheit des Herzogs Friedrich nicht anders als zu deſſen Gunſten zu beurtheilen vermag. So klar wie ſein geſchichtlicher Vortrag, ſo unbefangen war ſein urtheil über das Verhältniß der Kirche zum Staate. „Volkslehrer zu ſein, wie die Apoſtel es waren, iſt unſre Aufgabe, die Aufgabe welche wir loͤſen müſſen, um das Volk frei zu machen nach alten Geſetzen.“ So ſprach Paſtor Bröker in Unterſen, ein Mann ſtark im Kampf für Wahrheit und Recht, weil fromm in wahrhaft chriſtlichem Sinne. Ich glaube, im ganzen Herzogthum Holſtein iſt kein Geiſtlicher zu finden, der unter der Maske eines frömmelnden Myſticismus ſeiner Gemeinde den Götzen der Erde zu dienen als den eigentlichen Gottesdienſt anpreiſt!
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