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„Und ich ſage Ihnen,“ rief ich, indem ich trotz meines eigenen Kummers mitleidig meinen Freund betrachtete,„daß zwiſchen mir und Henriette gleich⸗ falls Alles aus iſt.“
Der Doctor ſah mich mit weitgeöffneten Augen an, und nachdem er mich einige Secunden ſtumm be⸗ trachtet, ſagte er mit dem ihm eigenthümlichen komi⸗ ſchen Pathos:„So können wir alſo mit Don Carlos ausrufen:«Leb wohl, Madrid, und nie ſiehſt Du mich wieder!*“
„Wenn Sie unter Madrid dieſes Schloß verſtehen, dann allerdings.“
„Nun gut,“ rief er aufſpringend,„ich nehme doch wenigſtens ein tragiſches Ende, ich trete vom Schauplatz ab als das Opfer meiner eigenen heroiſchen Handlungen. Aber Sie—“
„Ich? Nun ich bin der Held. des bürgerlichen Trauerſpiels. Verrath und Untreue von Seiten der Geliebten...“
„Nicht möglich,“ rief Stubenrauch,„Henriette iſt weder des Einen noch des Andern fähig.“
„Ich werde Ihnen das gleich erklären,“ ant— wortete ich mit Eiſeskälte,„und dann werden Sie Ihr nicht möglich⸗ nicht noch einmal wiederholen. Doch zunächſt ſagen Sie mir, was Ihnen begeg⸗ net iſt.“
„Ha, ha!“ lachte ingrimmig der Doctor,„die gute Suſanne, wenn ſie uns jetzt hören könnte, wie ſehr würde ſie ſich wundern! Sie kennen doch die Matroſeninſel?“
„Ei freilich, und die hübſche Margarethe, des Mats Tochter.“
„Nun ſehen Sie, um die handelt es ſich gerade.“
Jetzt war an mir die Reihe, Stubenrauch mit großen Augen anzuſehen.
„Sie erinnern ſich doch des Herrn v. Wittich?“ fuhr Stubenrauch fort.
„Allerdings. Ein Menſch ohne Moral, der die Sittlichkeit mit Füßen tritt und der Tugend in's Geſicht lacht, wenn er an ihr vorübergeht.“
„Nun ſehen Sie, dieſer Herr von Wittich hatte ſeine Netze nach der armen Margarethe ausgeworfen. Den plumpen Schiffsmat hatte er bald beim Kopfe, der ließ ſich durch die gnädigen Worte des Herrn Baron und durch ein Fäßchen guten Wachholderbrannt⸗ wein wie Petz durch einige ſchöne Honigſcheiben fan⸗ gen, das Mädchen aber, dem die Eitelkeit etwas das Köpfchen verkehrt hat, beſtach er durch ſeine Geſtalt, durch ſeine feinen Manieren und durch glänzende Ver⸗ ſprechungen, die auf nichts Anderes binaus liefen, als ſie zur Frau Baronin zu machen, was das thö⸗ richte Kind auch glaubte. Margarethe ſchwebte am
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Novellen.⸗Zeitung.
Rande eines Abgrundes, und kein Warnungsruf er⸗ ſchallte, keine Hand war da, die ſich bereit gezeigt hätte, ſie zurückzuhalten. Mit vieler Mühe gelang es mir, von Suſanne einige Andeutungen über die Gefahr, in welcher Margarethe ſich befand, zu erhalten, das eigentliche Material mußte ich mir aber erſt müh⸗ ſam anderwärts zuſammentragen. Die Arme dauerte mich, und ich beſchloß mein Möglichſtes zu thun, um ſie zu retten. Einige Mal gelang es mir durch meine unerwartete Dazwiſchenkunft, den Raubvogel, der ſeine Klauen nach dem Täubchen ausſtreckte, zu vertreiben, aber ich wußte wohl, wenn es mir nicht glückte ihn ganz unſchädlich zu machen, ſo würde er wiederkom⸗ men. So begab ich mich denn heute ſchon ſehr früh auf den Weg und traf auch richtig, wie ich es ge⸗ wünſcht hatte, Margarethe allein. Ich ſetzte mich mit ihr vor die Hütte, dicht an das Ufer des See's, und da ließ ich ſie beichten und ſprach ihr ſo eindringlich
ins Herz und ließ ſie die Gefahr, in welcher ſie ſchwebte, ſo deutlich erblicken und zeigte ihr das ſchmachvolle Ende, welches ihr bevorſtand, in ſo hellem Lichte und erinnerte ſie mit ſo ſanften Worten an ihre dahinge⸗ ſchiedene brave rechtſchaffene Mutter und bat ſie ſo flehentlich ihres alten Vaters und ihrer ſelbſt zu ge— denken, daß ſie zuletzt in die bitterſten Thränen aus⸗ brach, ſtürmiſch meine Hand an ihr Herz preßte und mir hoch und theuer ſchwur, jeden Umgang mit dem Baron abzubrechen. Hingeriſſen von den Thränen des Mädchens und von ihrer wahrhaft aufrichtigen Reue glaubte ich in dieſem Augenblick eine liebe theure Schweſter vor mir zu haben und hauchte einen Kuß auf ihre Stirn und trocknete mir ſelbſt die feuchten Augen; denken Sie ſich aber meinen Schreck, als ich aufblickte und etwa zwanzig Schritte von uns entfernt Suſanne mit eingelegten Rudern im Kahne ſitzen ſehe! O, ich werde den Blick niemals vergeſſen, wel⸗ chen die kleine Suſanne mir zuſchleuderte; niemals hätte ich geglaubt, daß ihr hübſcher ſanfter Mund ſich ſo höhniſch verziehen könnte!... Ich wollte auf⸗ ſpringen und ihr entgegeneilen, aber wie der Zlitz hatte ſie den Kahn gewendet, und fort glitt er wie ein Pfeil über die Wogen, während ich händeringend meiner Hero nachſah.“
Es lag ſo viel Edeles in der Handlungsweiſe des Doctors, daß, ſelbſt wenn ich mit meinem eigenen Schmerz nicht beſchäftigt geweſen wäre, ich es nicht gewagt haben würde eine ſcherzhafte Bemerkung an ſeine Erzählung zu knüpfen. So aber war mein eige⸗ nes Herz zu verwundet, um hieran nur im Entfern⸗ teſten zu denken. Ich theilte ihm das, was ich dieſe Nacht erlebt hatte, d hierbei zeigte ſich wieder recht deutlich ſein uehaft ſchönes Gemüth, indem
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