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Vierte Folge.
ſtiſchen Sphäre faſt ganz enthoben fuühlt. Daher feiern die abenteuerliche Novelle und der ſpannende Roman jetzt ihre Herrſchaft, und viel leichter wird es noch dem modernen Drama als der Lyrik gelingen, das Publicum zu feſſeln. Es iſt natürlich, denn während dieſe ganz auf die bereitwillige weihevolle Stimmung und die nachhelfende Einbildungskraft des Leſers angewieſen iſt, macht ſich die dramatiſche Lei⸗ ſtung ſelbſt eine Stimmung und greift der Phantaſie des Genießenden kraftvoll unter die Arme, denn die⸗ ſer iſt kein Leſer, ſondern ein Zuſchauer, d. h. eine Perſon, die den beſtechlichen Ueberredungen von ſinn⸗ lich wahrnehmbaren Dingen, als da ſind Couliſſen, Coſtüme, lebendige Perſonen, fortwährend ausgeſetzt bleibt. Der Romanſchreiber gebietet zwar nicht über dieſe den figürlichen Effect ſtützenden Requiſiten, aber er legt eben die geiſtigen Effecte ſo grob an und reicht der Phantaſie des Publicums ſo treibende Mittel, daß es weniger eine Arbeit als ein ſinnliches Vergnügen wird, ſich das in ſehr lebendigen realiſti⸗ ſchen Vorſtellungen nachzuconſtruiren, was die Willkür des Dichters vorſchreibt. Und noch eins: dieſe Arbeit wird für die Einbildungskraft des Leſers dadurch erleich— tert, daß es dabei in der Regel auf äſthetiſche Schön— heit, auf Grazie, auf geſchmackvolle Ausführung, auf zarte Farbe und feinen Contour nicht ankommt, wie dies für die phantaſtiſche Auffaſſung und Nachempfin⸗ dung einer wirklich idealen, edeln Lyrik der Fall iſt. Der Romanleſer kommt gewöhnlich damit aus, wenn er ſich von dem Geſchilderten ein Bild in grellen Farben und gewöhnlichen Contouren entwirft, gerade ſo, wie es die gemeine Wirklichkeit täglich darbietet und wie es jeder Gehirnthätigkeit leicht wird zu er⸗— ſchaffen.
Weil es für die ungebildete oder vielbeſchäftigte Maſſe eine harte Aufgabe iſt, ſich zu erhabenen Dich⸗ tern die richtigen Vorſtellungen zu entwerfen, ſo er⸗ klärt es ſich, daß dramatiſche Producte ſo ſehr wenig Leſer haben, ja von Shakeſpeare's Dramen kann man im Verhältniß zu der Popularität, die ſie genießen, annehmen, daß ſie beinahe gar nicht geleſen werden und dem großen Kreiſe nur von der Bühne her in einzelnen Stücken bekannt ſind. Auch die Dichtungen von Leſſing, Goethe und Schiller werden mit Aus— nahme von Fachmännern nur noch von Jünglingen und Jungfrauen geleſen, ſo lange dieſen die Faͤhig— keit idealiſtiſcher Seelenhingabe, wahrer Sentimenta⸗ lität und reproducirender Phantaſie noch nicht durch das praktiſche Leben abhanden gekommen iſt.
Auch für die Lyrik bildet nur noch die Jugend und die Frauenwelt das alleinige Auditorium; doch kann dieſe Dichtungsgattung dadurch nicht vor dem
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Verfall gerettet werden, denn nicht einzelne Claſſen oder Lebensalter, ſondern die geſammte Generation muß ſich für Kunſtleiſtungen erwärmen, wenn dieſe durch den allgemeinen Sammelſtrahl des Zeitintereſſes zu kraftvollem Wachsthum und Größe emporgetrieben werden ſoll. Unſere jetzige Lyrik beſteht aus Mimoſen, Sinnblümchen, Schlingpflanzen von mehr oder weni⸗ ger niedlichem oder abgeſchmacktem Gerank, und das gilt nicht bloß für Deutſchland, ſondern, wie ich ſchon bemerkt habe, auch für England und Frankreich. Die ſchwediſche, däniſche und holländiſche Literatur theilt mit den genannten ſtets dieſelben Zeitkrankheiten, und von einer ſpaniſchen und italieniſchen kann man nicht viel reden. Spanien ſtirbt ſelbſt noch raſcher aus, als der Parnaß der modernen europäiſchen Lyriker, und Italien blüht zwar materiell und pflanzt ſich fort ohne Nachlaß ſinnlicher Zeugungskraft, aber es hat keine ideale literariſche Stimme mehr wie früher, durch welche es in der allgemeinen Völkercultur mit⸗ reden könnte. Sobald es leiblich geeint und erſtarkt iſt, wird ſich ihm die Zunge löſen. Die Literatur Amerikas und weſentlich ſeine poetiſche iſt durchaus das Echo der engliſchen, deſſen Ton nur an den traus⸗ atlantiſchen Felſen und auf den weiten Prairien zu andern Klangwirkungen gebrochen iſt.
Doch ſchließlich zurück zur vorliegenden Samm— lung, über die nach dieſer allgemeinen Betrachtung wenige Andeutungen genügen.
Es iſt auffällig und ganz dem Sündenregiſter der deutſchen Lyrik analog, daß auch die engliſche neue und allerneueſte von einer ungemein weichlichen Sentimentalität und weltſchmerzlichen Verſchrobenheit voll iſt. Bedeutungsvolle Stoffe werden beinahe gar nicht bearbeitet, die Naturſchilderung bewegt ſich in traditionellen Kreiſen, und während die Ballade und Romanze bei ihrem ſpärlichen Anbau mit großen An⸗ ſtrengungen in die Fußſtapfen der altengliſchen und ſchottiſchen Gedichte dieſer Gattung tritt, wie eine kleine kranke Wölfin in die Spuren eines großen ſtarken Wolfes, ſo heftet ſich das Liebeslied, über⸗ haupt das ſubjective kleinere Stimmungsgedicht mit ſehr unheimlicher Manierirtheit an die Vorbilder des lyriſchen Volksliedes und an die von dieſen wieder beeinflußten Geſänge des Burns und Thomas Moore angſtlich und oft mit einem gewiſſen Anflug von hingebender Blödſinnigkeit an.
Es ſei hier nur als Beiſpiel Einiges angeführt. Charles Kingsley ſingt folgendes Lied:
O Mary, geh' und ruf' das Vieh nach Haus, Und ruf' das Vieh nach Haus, Ueber den Sand von Dee.
Der Nachtwind ſchnob, und feucht war ſein Geſaus, Und ganz allein ging ſie.


