Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
169
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Junkerhofe

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Hand das Brod entnahmen und auf ſein Händeklat⸗ ſchen wieder davon ſtoben wie Steppenroſſe, die noch nie einen Sattel getragen. Die Roſſe waren faſt alle ſchön; von allen am beſten gefiel mir ein engli⸗ ſches Halbblut, kohlſchwarz mit großen feurigen Augen. Es war Dirxen's Stolz, und mit Recht konnte er ſagen: Wenn's ſtirbt über Nacht, ſind 200 Piſtolen dahin!

Als das edle Thier ſchwebend, kaum den Boden berührend, einher trabte, ſchnaubend, den Kopf ſtolz gehoben, mit weit geöffneten Nüſtern, mußte ich un⸗ willkürlich an Shakeſpeare's König Richard denken, an ſeinen Ruf in der Noth:ein Königreich für ein Pferd! Ja, wäre ein Roß im Stande, einem gefal⸗ lenen König aus der Patſche zu helfen, ſo wäre es gewiß Herrn Dirxen's kohlſchwarze Stute! Wohl eine halbe Stunde ſchlenderten wir dann auf erhöhten Stegen weiter durch die Weiden, wo die ſchweren glatten Kühe noch reichliche Nahrung um die ſpäte Jahreszeit fanden. Rothwangige Dirnen, den blanken Milchzuber auf dem Kopf, ſchritten, das Strickzeug in der Hand, ein plattdeutſches Lied ſummend, die Wieſenpfade entlang. Die Thiere naheten ſich ihnen auf eigenen Antrieb zum Melkenlaſſen; dann thaten ſie einige Schritte weiter, um in aller Behaglichkeit ſich zur Ruhe niederzuthun. Noch eine kurze Weile blieb die grüne, vom ſchönſten Vieh belebte Land⸗ ſchaft dieſelbe. Mein Begleiter öffnete ein Heck. Eine kleine Zugbrücke führte hinter demſelben über einen brei⸗ ten, mit dunkelem Waſſer gefüllten Canal. Drüben erhob ſich ein mit Föhren und Birken bewachſenes Hügel⸗ land. Hin und wieder aufragende Steinhaufen wur⸗ den von Dirxen Hünengräber genannt. Wohl mög⸗ lich, daß die alten ditmarſiſchen Republikaner und die Stormarn in dieſen Gegenden ihre blutigen Kämpfe gegen die Schauenburger Grafen lange ſiegreich ge⸗ fochten, ehe ſie unterlagen.

Der Hügelrücken war ganz geeignet zu einer die Schlachten entſcheidenden Stellung. Es bleibt mehr als wahrſcheinlich, daß die Sieger auf dem erhöhten Bo⸗ den ihren Todten die Gräber bereiteten. Der ſchwarze Fluß wandte ſich zur Rechten, das Gebüſch wurde lichter, und vor uns lag ein beträchtliches Stück roth⸗ blühender Haide. Wie Silberglöckchen tönte es aus der Ferne. Es kam von den gehörnten ſchwarzhaari⸗ gen Schäfchen Haidſchnucken die, über die braune Fläche zerſtreut, die ihnen zuſagende Aeßung fanden. Nebelartig zog an einzelnen Stellen der Rauch aus dem angebrannten Torfmoore dicht über den Boden. Kaum war dahinter das breite flache Fahrzeug zu er⸗ kennen, welches eine Ladung Torf, ſymmetriſch geordnet, als wären es gebrannte Steine, den Canal herauf⸗ führte. Hoch über dem Rauch zogen Schwärme von

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Bienen, die ihre letzte Ernte aus der duftenden Haide eintrugen. Die Stände, mit zahlreichen Körben gefüllt, waren in der Ferne ſichtbar.

Das war Dirxen's Buchweizenland, die ſogenannte Geeſt. Das Revier war nicht eben ſehr umfangreich, aber groß genug, um neben dem Brennmaterial die dem Holſteiner unentbehrliche Zukoſt, die Grütze, nebenbei Honig und Wachs zu liefern. Das letztere darf in keiner bäuerlichen Haushaltung fehlen, ſchon um das alljährlich ſich vermehrende Bettzeug feder⸗ dicht zu machen.

Wie an den Elb⸗ und Weſerufern nahe den Küſten, hat der Himmel auch in den Niederungen der Eider bei Austheilung ſeiner Gaben ſich gerecht und billig erwieſen. Etwas Marſchland hat gewöhnlich auch der kleine Höfner als Zubehör ſeines Beſitz⸗ thums. Und damit die Intereſſen nicht allzuweit auseinander gehen, darf auch dem Großhöfner die Geeſt bei ſeinen Hufen nicht fehlen!

Die Gegend um Schalksholz hat außer bedeuten⸗ den Lieferungen an die holſteiniſchen und die ihnen verbündeten(2) Reichstruppen von dem erfolgloſen Kriege in den Jahren 1848 50 nur wenig erfahren. Jedenfalls iſt ſie in ſtrategiſcher Hinſicht, vom Eider⸗ winkel bei Bokelhoop bis zu dem in die Niederungen bei Delve ſich dehnenden Bogen, mit Schalksholz als Stützpunkt, ganz geeignet, als Vertheidigungslinie gegen einen Uebergang des Feindes auf das linke Eiderufer zu dienen. Vor funfzig Jahren, im Decem⸗ ber 1813, hatte Tettenborn während ſeiner Jagd auf die Franzoſen und Dänen in Schalksholz ſein Haupt⸗ quartier. Am 10., 11. und 12. drangen ſeine Koſa⸗ ken bis nach Friedrichsſtadt vor und erbeuteten die dortigen Magazine. In Huſum und Toͤnning erober⸗ ten ſie zwölf Geſchütze mit den dazu gehörigen Pul⸗ verwagen, und führten die Douaniers als Gefangene mit ſich fort.

Der Hügelrücken, auf dem wir unſeren Stand⸗ punkt genommen, bot gen Nordweſten eine Fernſicht faſt bis nach Friedrichsſtadt. Ringsum lag Dirxen's Beſitzthum, ſo daß meinem Blick nichts davon ent⸗ ging. Lange genug glaubte ich geſchaut zu haben, ein Bild davon in mich aufzunehmen, um dem Onkel das Object meiner Sendung deutlich vor Augen zu ſtellen. Wir machten uns auf den Rückweg. Nach dem wir die Brücke paſſirt waren, ſchloß Dirxen hinter uns das Heck, und wir ſtanden wieder auf der Kuh⸗ weide. Es war nahe an Mitag; ringsum ſchlummer⸗ ten im hellen Sonnenſchein Kühe und Rinder in ſüßer Ruhe. Keine Sorge um Nahrung ſtoͤrte ihren Schlaf. Wer ſich auf die Träume der Thiere ver⸗ ſtand, würde aus dem behaglichen Schnarchen, aus