Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
168
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Holſteiner ſagt erhöht wird durch Rum und Waſ ſer, den landesüblichen Nachttrunk, wurde der Reſt des Abends verplaudert. Doch hatte Meta, ehe ſie uns verließ, noch auf den Wunſch des Vaters das Piano geöffnet, um uns das Lied vomSeekönige zu geben. Die Worte von Claus Grooth, dem nord⸗ deutſchen Barden, gehoben durch Meta's klangvolle Stimme, verſetzten mich in Gedanken zwei Meilen weiter an die Küſten des Meeres.

Wie die ſchöne Holſteinerin ſang, bald in ſtei⸗ gender Erregung, bald verſchwebend wie die zurück⸗ weichende Meereswoge, ſo kann nur ſingen, wer das Element unter öfterer Anſchau in der Nähe kennt, mit ſeinem Kämpfen und Ringen zur Zeit der Stürme, und das leiſe Flüſtern, wenn in ſtillen Sommernäch⸗ ten die kleinen Wellchen koſend zur Küſte ſchleichen.

Auch Heinrich Heine hat in ſeinen beſſeren Ta⸗ gen ein ſchönes Lied am Nordſeeſtrande geſungen, doch hätte Meta Dirxen gewiß ſchwerlich erkannt, was Thalatta und Meeresbrandung mit einander gemein haben. Aber wenn ſich ihre Stimme in rührender Weichheit zu den höheren Tönen erhob, dann erkannte der Zuhörer, der um ihres Herzens Geheimniß wußte, daß ſie des weitfernen Liebſten gedachte. Capitain Janſen, der zum erſten Mal als Capitain ſein Schiff über den Ocean führte, war Meta's Seekönig; ihm galt ihr Geſang.

Mitternacht war vorüber. Leiſes Rauſchen klang draußen durch die Kronen uralter Eichen. In den Räumen des weiten Hauſes herrſchte lange die Ruhe des Schlafes, als Dirxen mir zu meinem Schlafge⸗ mache vorleuchtete. Einladend winkte mir im trau⸗ lichen Zimmer aus einer Wandöffnung das hochbau⸗ ſchende Bett. Die ſchneeweißen Kiſſen, mit rothſeide⸗ nen Bändern geſchnürt, waren das Abbild von einem Holſteiner Brautwagen. Gewiß kein Wunder, wenn ich ſüß träumte und den neuen ſonnigen Morgen faſt ſo glückſelig wie ein junger Ehemann begrüßte!

Als ich nach holſteiniſchem Sprachgebrauch zu Gange gekommen, war Alles ſpiegelblank im Hauſe von oben bis unten; die Fußböden, in ſämmtlichen Zimmern braun gefirnißt, im beſten glänzend gebohnt, prangten wie neu. Die meſſingnen Thür⸗ und Fenſter⸗ beſchläge waren hell polirt. In der Küche ſchimmer⸗ ten, wohlgeordnet auf den Börten, zahlreiche Koch⸗ geſchirre von Kupfer und Meſſing, als wären ſie eben erſt aus den Händen der Fabrikanten gekommen. So ſtand es mit dem Mobiliar in allen Gemächern, das weniger prachtvoll als bequem, dem Gebrauch ange⸗ paßt war. Von eigentlichem Luxus, wie er wohl von Touriſten geſchildert wird, die in die eigentlichen Bauernverhältniſſe nicht tiefer eingedrungen ſind, war

Rovellen⸗Zeilung.

auf Dirxen's Hofe nichts zu ſehen, obgleich er den Vergleich mit manchem binnenländiſchen Junkerhofe wohl aushielt.

Der holſteiniſche Bauer verſteht zu gut zu rech⸗ nen, als daß er über eine behäbige Hauseinrichtung eher hinausgehen ſollte, als die Zinſen ſeines in der Hamburger Bank belegten Capitales die glänzendere Ausſtattung zulaſſen. Daß aber auf den holſteini⸗ ſchen Bauerhöfen Alles bis zur geringſten Kleinigkeit reinlich und blank gehalten wird, hat ſeinen Grund in den klimatiſchen Verhältniſſen. Seit Jahrhunder⸗ ten iſt Sauberkeit zur Gewohnheit geworden. Die in den Niederungen vorherrſchende feuchte Luft macht oft erneuerten Oelanſtrich im Inneren und am Aeußeren der Gebäude nothwendig. Um dem Roſt zu begegnen, wird Meſſing als Material bei den Beſchlägen verwendet. Das bei dem Nebel eintre⸗ tende Düſter erheiſcht Spiegelſcheiben in den Feu⸗ ſtern, deren Putzen zu den täglichen Arbeiten der Hausmagd gehört. Als die Reichstruppen vor Jahren zum erſten Male den holſteiniſchen Boden betraten, betrachteten ſie verwundert all das Blinken und Glän⸗ zen. Hätte nicht auf dem langen Strohdache der Storch ſeine Promenade gemacht, wäre nicht zuweilen ein Pferdekopf ſichtbar geworden in der oberen Hälfte der Stallthür nahe dem großen Hausthore: die ehr⸗ lichen Märker, die Bayern und Badenſer würden eher geglaubt haben, auf dem Schloßhofe eines ihrer adeli⸗ gen Herren zu ſtehen, als auf der Hofraite eines nordalbingiſchen Bauern.

Ueber den Viehſtand, über die Ausfuhr an But⸗ ter, Raps und Weizen hatte mir Dirxen am Abend ſchon Bericht erſtattet. Daß es, wie überhaupt in

der Gegend, auch in der Umgebung von Dirxen's

Gehöft, an Baumgruppen, an Knicken und Buſch⸗ werk, an Gräben, langen Stegen, ſelbſt an verſchie⸗ denen kleinen Zugbrücken nicht fehlte, hatte ich auf der Herfahrt ſchon bemerkt. Das ganze Terrain war wie gemacht deutſchen Schützen gute Stellung gegen ihre Feinde zu gewähren, wenn einmal nach langem Harren Schleswig⸗Holſteins Sache zu einem ehren⸗ vollen Austrag gebracht wird.

Nach einem herzhaften Frühſtück begaben wir

uns auf den Weg, um das Vieh in den Weiden zu

beſichtigen. Die noch mit üppigem Graswuchs be⸗ deckten Flächen waren durch hohe Hürden, außerdem noch durch breite Gräben von der Ackerländerei ge⸗ ſondert.

Als vormaliger Reitersmann nahm ich zuerſt die Pferde und Fohlen in Augenſchein. Sie waren ſo vertraut mit Dirxen's Stimme, daß ſie auf ſeinen Ruf bis dicht an die Barrière heranbrauſten, ſeiner

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