zuſtürzen, um die Falſche zu entlarven, aber die Ver⸗ nunft hält mich zurück, ich halte es unter meiner Würde einen öffentlichen Scandal herbeizuführen, ich beſchließe, morgen das Schloß für immer zu verlaſſen und mich verächtlich von dem verrätheriſchen Herzen abzuwenden, welches eine ſo ſchöne Hülle deckt. Jetzt wird mir auch das ſonderbare Benehmen des Barons und der flehende Blick, welchen Henriette auf ihn hef⸗ tete, klar. Es iſt eines jener traurigen Familienge⸗ heimniſſe, welche das Herz eines Vaters oder einer Mutter brechen; irgend eine jener unglücklichen Leiden⸗ ſchaften, die hinter dem Rücken der Eltern noch immer heimlich genährt werden, während dieſe das dem Abgrund zutaumelnde Kind durch ihre Bitten, durch ihre Vorſtellungen, durch ihre ſtrengen Vorſichtsmaß⸗ regeln längſt geheilt glauben..
Henriette erhebt ſich endlich, und abermals er⸗ greift der Fremde ihre Hand, drückt ſie mit Un⸗ geſtüm an ſein Herz und ruft, Alles um ſich her vergeſſend:
„Du biſt eine Heilige, Du biſt ein Engel an Güte! ewig, ewig werde ich Dein Bild in meinem Herzen tragen!.. Verfluche mich, wenn ich dem Dir geleiſteten Schwur untreu werde!“
„Unglückſeliger!“ antwortete Henriette,„wenn Du ſo fortfährſt, wirſt Du das ganze Haus wach rufen!.. Bedenke, welcher Gefahr Du mich ausſetzeſt!.. Niemand weiß, daß ich dieſe Zuſammenkunft bewilligt habe!.. Und nun fort, möge Gott Dich beſchützen, wie mein Gebet Dich begleitet!“
Der Fremde verſchwindet, und Henriette eilt, ſich mehrere Mal ſcheu umſehend, in das Haus zurück. Starr, einer Bildſäule gleich, ſitze ich da und ſehe ihr nach. Meine Kraft iſt gebrochen, in dieſem Augenblicke, wo ich ſie verlo⸗ ren habe, fühle ich erſt, wie innig ich ſie liebe. Endlich erhebe ich mich langſam und trete ebenfalls wankend den Rückzug an. Ich werfe mich auf mein Bett und ſtarre bitter lächelnd vor mich hin, dann fühle ich, wie meine Augen feucht werden, eine ſanfte Reſignation bemächtigt ſich meiner, mein männlicher Stolz kehrt zurück, ich fange an dieſes Weib, welches ich ſo rein und innig geliebt habe, mehr als mich ſelbſt zu beklagen, ich beſchließe edel zu handeln und das Schloß unter einem paſſenden Vorwand nicht mehr zu betreten, und unter dieſem Gewirr von Gedanken und Vorſätzen, unter dieſen Zuckungen eines ſchwerver⸗
wundeten Herzens und dem Beſtreben den vergifteten Pfeil, der mich getroffen, von mir abzuſchütteln, ſchließe ich endlich ermüdet die Augen und vollbringe eine fieberhaft durchträumte, von geiſtigen und körperlichen Leiden heimgeſuchte Nacht.(Schluß folgt.)
Novellen⸗Zeitung.
Land und Leute in Holſtein.
Von E. Heuſinger.
. (Fortſetzung.)
Mit dem Neigen der Sonne traten die Umriſſe der Landſchaft ſchärfer hervor. Der Nebel hatte ſich als ein langer weißer Streif bis zum äußerſten Rande des Horizonts hinab gezogen. Einzelne Thürme rag⸗ ten gleich ſchlanken Maſten über denſelben empor. Ganz hinten glitzerten die Wellen des Meeres wie ein ſchmaler wallender Goldſtreif. Als die Sonne aber noch tiefer ſank, waren die Theile des Landes, in denen die Gewäſſer in Folge des Regens über die Ufer getreten, mit purpurnem Schimmer über⸗ goſſen.—
Reiher und wilde Gänſe zogen mit heiſerem Ge⸗ ſchrei über die funkelnden Landſeen. Aus grauer Ferne ſchimmerte ein Stück Baſtion von der Dane⸗ wirke herüber, die man zur Schmach Deutſchlands den Dänen neuerdings wieder zu bauen geſtattet.
Schaaren von kleinen Zugvögeln zogen von dort her über unſern Köpfen gegen Süden. Der Som⸗ mer ſchien ihnen zu früh entflohen. Oder mochten ſie nicht länger da weilen, wo der Däne ſein Kriegs⸗ lied ſingt?
Der Abend war gekommen, als ein Pfahl mit deutſch⸗däniſcher Inſchrift die Stelle bezeichnete, wo ein Weg zu einem Außenhofe des Dorfes Schalksholz führte. Es war das Gut, auf welches ich ſchon wegen der Nähe von Tönning, als ein den Wünſchen des Onkels entſprechendes Beſitzthum, mein beſonderes
ein ſachverſtändiger Mann, der auf den Höfen in der Umgegend ſo genau bekannt war als im eigenen Hauſe, hatte es gelobt, und es fing an mir ſelbſt jetzt Alles viel beſſer in's Auge zu leuchten, weil die letzte Wegſtrecke ſchön planirt und mit kleinen Flußkieſeln überfahren war.
Wilm wollte ſeine Pferde in einen raſchen Trab ſetzen, und ich belobte ihn wegen des guten Willens, aber ich ließ ihn in ſtarkem Schritt weiter fahren, da bei der Nähe des Quartieres, wo ich einen Raſt⸗ tag zu machen gedachte, nichts verſäumt wurde. Das Brüllen der Rohrdommel und das Meckern hoch vor⸗ überſtreichender Himmelsziegen waren die einzigen Laute, die außer dem Schnauben unſerer Pferde die Stille der Nacht unterbrachen. Sternſchnuppen ſchoſ⸗ ſen nieder, und auf den Wieſen begannen die Irrwiſche ihr neckiſches Spiel. Es lag etwas Feierliches in dem
Frieden der ſinkenden Nacht. Wer den bewältigenden
Augenmerk gerichtet hatte. Auch der Wirth in Heide,
Jaube unter wei du der kon
inden, der Ei Lande theuh deutſ die Olea
und geha
Kraf
nicht
aher
gelhen ſie zum von ihr 8
5 lichen Wegw den i
n den
wie allerne Neapel unter ter de in ſei der I ſprech verfap man Pferd nordde ſes an
T führen


