Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
162
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Die Erinnerungen aus der Kindheit, ergänzte der Baron, wahrſcheinlich um einer neuen ſarkaſtiſchen Bemerkung meines Freundes zuvorzukommen,ſind ein heiliges unverletzbares Eigenthumsrecht des Einzelnen.

Eigenthumsrecht! bemerkte Eiſengarn, indem er ſich zu dem Baron wendete,das iſt das richtige Wort, denn auf dem Eigenthum beruht die ſociale Ordnung, und ſelbſt wenn ich bis zur Grenze der äußerſten Möglichkeiten gehe, ſo weiß ich doch kein Wort, was ich dieſem an gleicher Bedeutung zur Seite ſetzen könnte.

Herr Eiſengarn ſchwieg hier mit ſichtbarer Selbſt⸗ zufriedenheit und ſchoß ſchließlich noch auf Suſanna zwei ſeiner brennendſten Pfeile ab, gleichſam um da⸗ mit den höchſten Begriff, den er über das Eigenthum hege, zu bezeichnen. Der Baron aber wechſelte mit mir einen Blick, als wenn er hätte ſagen wollen: ich werde ſpäter Veranlaſſung nehmen Ihnen über dieſe kleinen Sonderbarkeiten meines Freundes Aufſchluß zu geben. Wirklich fand ſich auch nach aufgehobener Tafel hierzu Gelegenheit, denn es wurde beſchloſſen, bei dem herrlichen Wetter den Kaffee im Park zu trinken. Während die Damen uns voraneilten und ſich, wie es ſchien, unter Lachen und Scherzen ſehr intereſſante Mittheilungen zu machen hatten, während der Doctor und Herr Eiſengarn, den Streit über ihre Wiegen vergeſſend, friedlich nebeneinander gingen, und ſich immer mehr in ein ernſtes Geſpräch vertief⸗ ten, ſchob Herr von Weſtern vertraulich ſeinen Arm unter den meinigen und ſagte:

Sie haben, mein junger Freund, hier an Herrn Eiſengarn abermals den Beweis, daß ſelbſt die beſten Menſchen von Fehlern und Schwächen nicht frei ſind. Herr Eiſengarn genießt wirklich in der geſammten Um⸗ gegend die höchſte Achtung, er iſt ein Mann von trefflichem Herzen und ſorgt väterlich für ſeine Arbei⸗ ter. Aber trotzdem, daß ſeine Wiege am Webſtuhl ſeines Vaters ſtand, hat er doch ſehr ernſte Begriffe über Eigenthumsrechte und über die damit verknüpf⸗ ten Prärogative, und ſeine ſociale Stellung betrachtet er als eine unantaſtbare, unbeſchadet ſeiner Anſichten über die Grenze der äußerſten Möglichkeiten. Uebri⸗ gens hat er ſich durch perſönliches Verdienſt allein bis zu der Hoͤhe emporgeſchwungen, auf welcher er jetzt ſteht; er iſt in jeder Beziehung höchſt achtbar, und ſeine kleinen Schwächen verſchwinden unter ſeinen Tugenden.

Ich begriff das Zarte dieſer Aeußerungen ſehr wohl und ſtellte zu gleicher Zeit im Stillen die Be⸗ trachtung an, wie glücklich eine Familie ſein müßte, welcher der Himmel ein ſolches Oberhaupt wie unſe⸗ ren Wirth geſchenkt hatte.

Novellen⸗Zeitung.

Es war ſchon ſpät, als wir von den Anweſenden Abſchied nahmen und wieder nach unſerem Cantonne⸗ mentsort zurückkehrten. Eine Zeitlang ritten wir ſchweigend nebeneinander, ohne daß zwiſchen mir und dem Doctor ein Wort gewechſelt wurde. Sobald ich ihn anſah, um ein Geſpräch anzuknüpfen, bückte er ſich und machte ſich irgend etwas mit ſeinem Reit⸗ zeug zu ſchaffen, Weiſe, als wolle er abſichtlich meine durch ſein be⸗ harrliches Schweigen hervorgerufene Ungeduld noch mehr reizen.

Nun, rief ich endlich heiter,laſſen Sie die Poſ⸗ ſen, Doctor, und bequemen Sie ſich ſtatt deſſen dazu ein vernünftiges Geſpräch mit mir zu führen.

Worüber? Ueber Fräulein Henriette?

Oder über Fräulein Suſanna; ich vermuthe, dies wäre Ihnen noch angenehmer.

Es ſcheint wirklich eine ausgezeichnet liebens⸗ würdige Familie zu ſein, fuhr Stubenrauch plötzlich ernſthaft werdend fort,und was die Damen anbe⸗ langt, ſo wird es ſchwerlich Jemand wagen dagegen Einſpruch zu thun, wenn ich dieſelben als Muſter der Schönheit und Anmuth hinſtelle.

Iſt das Alles, was Sie entdeckt haben, theu⸗ rer Freund? rief ich laut lachend,in der That, ich bewundere Ihre ſcharfe Beobachtungsgabe, denn ein Anderer würde hierauf gewiß nicht verfallen ſein.

Sie haben Recht, entgegnete Stubenrauch, in mein Gelächter einfallend,diesmal gebe ich mich gefangen, und dies beweiſt nur

Dies beweiſt nur, fiel ich raſch ein,daß Sie auf dem beſten Wege zu ſein ſcheinen, ſich bis über die Ohren zu verlieben, was für einen ſo philoſophi⸗ ſchen Geiſt wie der Ihrige eigentlich gar nicht paßt.

Und woraus ſchließen Sie das? fragte etwas kleinlaut mein Freund.

Weil verliebte Leute in der Regel das ober⸗ flächlichſte Zeug ſchwatzen, während ſie ſich einbilden ſehr geiſtreich zu ſein. Geben Sie acht, morgen wer⸗ den Sie anfangen zu ſeufzen, und übermorgen habe ich vielleicht ſchon das Vergnügen von Ihnen eine Elegie zu leſen.

Ich gebe Ihnen die Möglichkeit zu, nur geſtatten Sie mir dabei einen kleinen Zuſatz.

Und welchen, wenn's beliebt? fragte ich heiter.

Nun, daß mein Freund Mohrenfeld aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach gerade daſſelbe thun wird.

Darin können Sie wohl Recht haben, rief ich.

Wir befinden uns alſo Beide in einem abnor⸗ men Zuſtand, ſagte Stubenrauch,und als Mann der Wiſſenſchaft kommt es mir zu, daraus die Dia⸗ gnoſe zu ziehen.

dabei lächelte er aber in einer

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