Jahrgang 
01-25 (1864)
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die Thür, macht einige Schritte in der Straße; dann fängt

er an auf allen Vieren die Vorübergehenden anzu⸗ bellen und den Erdboden zu kratzen, bis ſeine Nägel voller Blut ſind.

Man läßt ihn wieder in's Haus eintreten, dann ent⸗ wiſcht er und verſchwindet. Der Sonntag verging in Nach⸗ forſchungen nach allen Seiten, um den Unglücklichen wieder aufzufinden, und die Beſorgniß war groß, als dies nicht gelang. Am folgenden Tage aber kehrt er ganz allein und von ſelbſt zurück, und es ſtellte ſich heraus, daß er zwanzig Stunden weit gelaufen war, daß er aber auch von dieſer

langen Reiſe ſeine Vernunft wieder zurückbrachte. Der Wahnſinnsanfall war durch die Anſtrengung, die freie Luft C.

und die Einſamkeit glücklich verſchwunden.

Misrellen.

Ueber die Verfertigung der Panamahüte theilt der Cour⸗ rier des Etats⸗Unis Folgendes mit, was noch immer Intereſſe darbietet, wenn der Panamahut auch in Europa nicht mehr ſo ſehr wie früher Mode iſt.

Guayaquil iſt das große Entrepot, das die Welt mit Panamahüten verſorgt. Es werden aus dieſer Stadt jähr⸗ lich für 800,000 Dollars oder 4,000,000 Fr. derſelben aus⸗ geführt.

Das Stroh oder vielmehr das Schilf, wovon dieſe eben ſo elegante wie ſolide Kopfbedeckung gemacht wird, findet ſich vorzüglich in der Nachbarſchaft der Provinz San Criſtoval. Man kann ſie nur des Nachts oder zur frühen Morgenſtunde flechten; die Hitze des Tages würde dem Material ſeine Ge⸗ ſchmeidigkeit benehmen oder es brüchig machen. Ein Einge⸗ borner des Landes braucht drei Monate, um einen feinen Hut zu fabriciren. Die Extra⸗Qualitäten ſind im Lande ſelbſt nicht unter 50 Dollars zu haben. Der Fortſchritt des Preiſes iſt für die höhern Sorten ſchnell; zwiſchen einem Hute zu 50 Dollars und einem ſolchen zu 100 Dollars iſt wenig Unterſchied. C.

Friedrich der Große hatte eine Schnupftabaksdoſe ma⸗ chen laſſen, worauf ein poſſierlicher Affe gemalt war. Dieſe ſchenkte er dem Grafen von Schwerin, um zu hören, was dieſer dazu ſagen würde. Der Graf dankte ehrerbie⸗ tigſt dafür, und ſchien ſich äußerſt zu freuen. Kaum war er

Novellen⸗

Zeitung.

Euch viel Ehre, und mir eine angenehme Schmeichelei. Nach der Tafel rief er den Grafen in ſein Cabinet, ſchenkte ihm eine andere ſehr prächtige Doſe, worauf ſein Bildniß ſtand, mit den Worten:Ich bin auf Eurer Tabatiere nicht ſo recht getroffen. Hier iſt ein ähnlicheres Portrait von mir.

Kleine Kritiken.

Frauen⸗Brevier von H. V. Hamm. Grote'ſche Buchhandlung.

Unſere Gegenwart hat viel Wohlgefallen an ſentenzi⸗ öſen Einzelheiten, Blumenleſen und Spruchſammlungen, gleichviel ob ſie von einem oder von mehreren Schriftſtellern herrühren. Man iſt daher auch ſehr bereitwillig, dieſe Ge⸗ ſchmacksrichtung auszubeuten. Die vorliegende Sammlung, die ſich in ihrem SpecialtitelEine Auswahl der beſten Stellen aus namhaften Schriftſtellern über Frauenleben und Frauenbildung nennt, hat ſchon die zweite Auflage er⸗ lebt und iſt auch nicht ohne Umſicht in den verſchiedenen Ge⸗ bieten und Epochen der proſaiſchen wie poetiſchen Literatur veranſtaltet. Gerade aber weil ſie ſchon die zweite Auflage erlebte, hat man ein doppeltes Recht darauf hinzuweiſen, daß dieſe Erneuerung wohl eine gute Gelegenheit geboten hätte, einestheils mit der neuſten Literatur fortzuſchreiten, andern⸗ theils dasjenige nachzuholen, was ſchon bei der erſten Auf⸗ lage verſäumt wurde; wir meinen nämlich eine ziemliche An⸗ zahl von guten und tüchtigen Schriftſtellernamen, die man bis jetzt vermißt, während doch der Umfang des Buches un die Berückſichtigung unbedeutender Kräfte mehr Vollſtändt keit möglich gemacht haben würde. Jeder, der mit unſe Literatur vertraut iſt, wird dieſen Ausſpruch beſtätigen mi ſen, wenn er das Regiſter dieſes Breviers durchſieht. Eir gerechte Berückſichtigung der Kräfte bildet einen wichtigen Theil der wenigen Verdienſte, welche ſich der Sammler einer Anthologie erwerben kann.

Uebrigens iſt die äußere Ausſtattung des Frauen⸗Bre⸗ viers außerordentlich elegant und der Druck vortheilhaft für die Augen. O. B.

Schwediſche Celebritäten der neuſten Zei von Sturzenbecker. Leipzig, bei Kollmann. 1863.

Bereits bei mehreren früheren Editionen, die in e deutſchen Ueberſetzung von Sturzenbecker oder Orvar⸗O

aber von der königlichen Tafel aufgeſtanden, ſo ſchickte er augenblicklich einen ſchnellreitenden Boten mit der Doſe nach Berlin, ließ den Affen herausnehmen, des Königs Bildniß hineinſetzen, und zwar ſo eilig, Morgen ſchon wieder hatte. Der Graf ſ wieder beim Monarchen. Da der König ſ eine Pri her geſchenkt hatte, ſagte er: fällt Ihm?

Ja, Eure Majeſtät, erwiderte der

Bildniß Eurer Majeſtät ſteht. Der König ſtutzte etwas über die Antwort; die Doſe ge

ſelben ſah, und ſagte:Euer Einfall iſt ſinnreich, und mach

daß er ſie den folgenden peiſte den Mittag ah, daß Schwerin ſe aus der Doſe nahm, die er ihm den Tag vor⸗ Was gilt's, die Doſe ge⸗

Graf,ſie iſt mir um ſo lieber, weil auf derſelben das mir ſo verehrungswerthe

ben, wurde überraſcht, da er die Abänderung der⸗

vorlagen, haben wir die Eigenthümlichkeiten dieſes ſchwet. ſchen Feuilletoniſten, der nicht ohne Humor und Witz iſt, näher beleuchtet. Dies kleine Büchlein enthält den Verſuch,

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Olle Sriedrich Dür in Leipzig. Verlag

aus dem Gebiete der Belletriſtik, Tagespreſſe und Schau⸗ B bühne in leicht ſkizzirten Bildern die weſentlichſten Richtun- A gen und Perſönlichkeiten hervorzuheben, welche in der neue⸗ A. ren ſchwediſchen Literatur aufgetaucht ſind. Bekanntlich iſt 6 nur Weniges, was die ſkandinaviſche Poeſie hervorbrachte, Re in das Ausland hinübergetreten, und ſomit ſind die Special⸗ Belehrungen, die ein Inländer giebt, doppelt beachtenswerth. Anekdoten und biographiſche Notizen erfriſchen denu ohnehin nicht trocken behandelten Stoff, und was der Ver⸗ er ließ ſich faſſer z. B. über Tegner und andere hervorragende Erſchei⸗ nungen ſagt, iſt auch für weitere Kreiſe von Intereſſe. t O. B. der Dirrſchen Buchhandlung in Leipzig. Drudk von n. Edelmann in Leipzig