Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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tor ſeiner Tochter und Fräulein Suſanne Overbeck, ſeinem nicht minder geliebten Herzenskinde, wie er ſich ausdrückte, vorzuſtellen. Dann folgte eine gegen⸗ ſeitige Begrüßung zwiſchen den Herren, und als der guten Sitte ihr Recht geſchehen war, ſtellte ſich bald wieder der heitere ungezwungene Ton ein, der in dieſem gaſtfreien Hauſe den Fremden ſchon nach we⸗ nigen Stunden vergeſſen ließ, daß er ſich in dieſem Kreiſe zum erſten Mal befinde.

Henriette war eine Schönheit, wie ſie nur unter dem Himmel Deutſchlands oder tief im Norden her anreift. Ein edelgeformter Körper, dem es an Fülle und Weiche eeene ohne dabei der Biegſam keit und dem E ihrer Geſtalt irgendwie Ab⸗ bruch zu thun, machte ſie zu einer außerordentlich anziehenden Erſcheinung. Ein Paar große, mild blickende, tiefblaue Augen, in welchen ſich Herzensgüte Verſtand und doch auch wieder Charakterfeſtigkeit ab ſpiegelten, verliehen ihrem Geſichtsausdruck einen Zauber, der durch den keuſchen Schimmer der Weib⸗ lichkeit, der ſich darüber ausbreitete, nur noch erhöht ward; dichtes blondes Haar von der untadelhafteſten Farbe fiel zu beiden Seiten in Scheiteln an ihren Schläfen herab und diente einer Stirn als Ein faſſung, deren feine Wölbung Geiſt und Würde verrieth.

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Suſanna war kleiner als Henriette, und wenn man füglich die Letztere mit einer Diana oder Juno vergleichen durfte, ſo konnte die Erſtere auf den Namen einer Pſyche Anſpruch machen. Eine ätheri⸗ ſche Geſtalt, in allen Theilen fein und ſubtil, fehlte es ihr doch nicht an zarter Rundung und graziöſer Biegſamkeit. Jede ihrer Bewegungen war ſanft, leicht und mit einer Anmuth begleitet, die einen unend⸗ lichen Liebreiz über ſie verbreitete. In ihren ſchönen ſchwarzen Augen ſprach ſich eine Milde aus, die tief⸗ ergreifend hervortrat, wenn ſich ihre langen Wimpern öffneten und dieſe ſeelenvollen Augen in ihrer ganzen Größe als zwei ſanftſtrahlende Sterne hervortraten. Mit einem Wort, ein einziger Blick genügte, um das Herz, welches dieſem Körper Leben gab, in ſeiner gan⸗

zen Milde, in ſeiner keuſchen Empfänglichkeit, in ſeiner reichen Gefühlsfülle zu erkennen.

Unter heiteren Geſprächen war der übrige Theil des Vormittages vergangen, und ſo manche Gelegen⸗ heit hatte ſich mir dargeboten, einzelne Blicke auf die Geiſtesbildung Henriettens zu werfen. Es erfüllte mich mit Genugthuung, bei ihr überall eine richtige, beſcheidene Auffaſſung der Verhältniſſe, viel poſitives Wiſſen und ſtets ein verſöhnendes, mit Herzensgüte gepaartes Urtheil zu bemerken. Der Baron war ſo freundlich geweſen, mir bei Tiſch einen Platz an der

Novellen⸗Zeitung.

Seite ſeiner Tochter anzuweiſen, während der Doctor neben Suſanna ſaß, die ſeinen drolligen Einfällen mit Vergnügen zuzuhören ſchien und von Zeit zu Zeit ihre ſchönen Augen beſcheiden niederſchlug, wenn, wie ich vermuthete, ein etwas zu feuriges Wort über die Lippen meines Freundes geſchlüpft war. Herr von Wittich ſaß mir und Henrietten gegenüber, ſchein⸗ bar ziemlich lebhaft an der Unterhaltung zwiſchen dem Baron und Herrn Eiſengarn theilnehmend, was ihn jedoch nicht verhinderte, von Zeit zu Zeit ſeine Blicke heimlich zu uns herüberſtreifen zu laſſen und mitunter auch einige verbindliche Worte an Fräulein von Weſtern zu richten, die ihm jedoch, wie es mir vorkam, ſtets ſehr zurückhaltend, obgleich mit aller Höflichkeit eines guten und feinen Tones antwortete. Ich weiß nicht wie es kam, aber ich empfand vom erſten Augenblick an eine Abneigung gegen dieſen Herrn. Sein Aeußeres war keinesweges unvortheil⸗ haft, aber ich glaubte auf dem Grund ſeiner Seele Etwas zu leſen, was mir nicht gefiel. Sein Auge zeigte eine Leere, die zurückſtieß, ſein Geſicht eine Kälte, welche durch einen Anflug trotzigen Hochmuths noch unangenehmer berührte.

Der gute Wein unſeres Wirthes hatte auch auf Herrn Eiſengarn ſeine Wirkung nicht verfehlt. Er begann geſprächiger zu werden und aus ſeinen klei⸗ nen runden Augen verſendete er von Zeit zu Zeit einen brennenden Pfeil namentlich nach Suſanna, welche indeſſen nicht im Entfernteten davon berührt zu werden ſchien. Nur der Baron lächelte mitunter unvermerkt und wechſelte dabei einen verſtohlenen Blick mit ſeinem Herzenskinde Nr. 2. Suſanna er⸗ röthete dann und gab dem Doctor eine verwirrte Antwort, was dieſer als einen Triumph ſeiner Red⸗ nergabe, ſeiner ſchönen Nachbarin gegenüber, zu be⸗ trachten ſchien.(Fortſetzung folgt.)

Land und Leute in Holſtein.

Von E. Heuſinger.

Der ſogenannte Friedensſchluß von Berlin hatte im Jahre 1852 dem Scheinkriege in Schleswig⸗Hol⸗ ſtein ein Ende gemacht. Für die Bewohner der Her⸗ zogthümer aber war es nicht beſſer geworden. Deutſch durch und durch in Sitte und Sprache und recht⸗ lich geſtützt auf Geſetz und Einrichtung von Jahr⸗ hunderten waren ſie der Dänen Willkür preisgege⸗ ben, ſchutzlos wie zuvor. Hohn zur Gewalt fügend, ließen die Satelliten der Kopenhagener Regierung

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