Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
151
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der Doctor

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Vierte Folge.

kein Mittel unverſucht, das brave Volk mürbe zu machen in ſeiner Anhänglichkeit an das deutſche Va⸗ terland. Aller Welt ſind die Leiden bekannt, die es ſeit dreizehn Jahren erduldet hat. Aber die Ausdauer, mit der die Holſten trotzdem getragen und geduldet, hat ſie auch als die würdigen Nachkommen der deut⸗ ſchen Volksſtämme gekennzeichnet, welche während vie⸗ ler Jahrhunderte zu Land und auf dem Meere die Herren waren in den nordalbingiſchen Landen.

Wenn es jedoch Einzelnen ob der maßloſen Vexa⸗ tionen zu arg wurde, zumal den Beſitzern nahe der Grenzlinie, welche die beiden Herzogthümer trennt, ſo daß ſie nicht frei mit ihren Gütern in dem einen wie in dem andern ſchalten konnten, wer hätte es ihnen verargen wollen? Wer hätte es ihnen verdacht, wenn ſie ſich bemühten ihren Grundbeſitz zu verwer then, um ſich mit dem Erlöſe irgendwo anzuſiedeln, wo deutſches Recht und Geſetz bis dahin noch Beſtand hatten?

Man wird ſich der Anzeigen in Hamburger, Al⸗ tonaer und anderen Blättern erinnern, durch welche Mittelgüter in Schleswig⸗Holſtein unter verhältniß⸗ mäßig billiger Forderung zum Verkauf geſtellt wurden. Die ſich dazu findenden Liebhaber waren meiſt Land⸗ wirthe aus dem inneren Deutſchland, die in Ausſicht auf einen guten Kauf die Regierung überſahen, deren Unterthanen ſie wurden. Vielfach, ſo unter der Hand, aber auch von Hamburger Kaufleuten auf Güter ſpeculirt, die geeignet waren ein gut Stück lebendigen Fleiſches für den Handel mit England zu erzielen, wo Beef täglich rarer wird mit der zuneh⸗ menden Humanität. Hamburg, das große europäiſche Handelscomptoir, machte in Allem mit Allen Geſchäfte. Seine Sympathien gehen mit dem politiſchen Winde, bis er feſt ſteht zum ſichren Gewinn. Der Hambur⸗ ger betrachtete ſolch ein Gut als eine Commandite, bezahlte dem König⸗Herzoge die Abgaben, und ſchickte unbeirrt durch patriotiſche Phantaſieen die fetten Ochſen über Tönning und Huſum nach den britiſchen Häfen.

Auch mein Onkel, ein ruhiger Geſchäftsmann, der hochfliegenden Speculationen nie Raum gab, hatte ſchon längere Zeit einen derartigen Plan mit ſich herumgetragen, als ich ihn vor zwei Jahren nach längerer Zeit einmal wieder beſuchte. Ich fand die Ide nach ſeiner Auffaſſung nicht uneben. Machte erieinen guten Handel, ſo konnte ihm auch in Holſteins beſſerer Zukunft ein glattes Geſchäft aus dem Beſitz tines Landgutes an der Eider erwachſen.

Bei mir zu Hauſe war die Ernte ſchon einge⸗ bracht. Ohne meine Wirthſchaft zu vernachläſſigen, klieben mir einige Wochen zur freien Verfügung.

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Der Gedanke, noch einmal ein Stück des von Gott ſo reich bedachten Landes wieder zu ſehen, für deſſen Freiheit ich ſelbſt mit einer rüſtigen, boffnungsbe⸗ geiſterten Schaar, leider vergebeus, gekämpft, machte es mir leicht auf den Vorſchlag des Onkels einzu⸗ gehen, d. h. mich nach einem Gute in den Marſchen umzuſehen, wie er es wünſchte.

Das wurde abgemacht kurz vor der Börſenzeit. Bei ſeiner Rückkehr behändigte mir der vorſichtige Geſchäftsmann einige dem Altonaer Mercur entnom⸗ mene neue Verkaufsanzeigen, die von ſeinem Makler dazu erhaltenen Notizen und die zu meiner Legiti⸗ mation erforderlichen Papiere. Die bezeichneten Gü⸗ ter lagen nicht an den Heerſtraßen, ſondern bis in die Nähe der Stadt Heide über das Land zerſtreut. Schon am anderen Morgen beſtieg ich eines jener langen, auf hohen Rädern ruhenden, aus Korbgeflecht beſtehenden Gefährte, die, nach Bedürfniß zu 4 und zu 14 Perſonen eingerichtet, unter dem NamenHol⸗ ſteinerwagen dem Reiſen auf den oft zweifelhaften Wegen im Holſteiner Land am beſten entſprechen. Die geräumigen Sitzkaſten waren fürſorglich vom alten Herrn mit einem Flaſchenkeller und Speiſekober verſehen. Statt eines Reiſeſtallmeiſters befand ſich in meiner Begleitung ein junger, kühn ausſehender, der ehrbaren Hamburger Schlächtergenoſſenſchaft an⸗ gehöͤrender Geſelle, der mir in der doppelten Eigen⸗ ſchaft eines Viehtaxators und für vorkommende Fälle als Diener und Schutzmann als unerlaßlich vom Onkel beigegeben war.

Sobald der Mann vorläufig neben dem Kutſcher Poſto gefaßt, ließ dieſer ſeinFix! erſchallen. Ani⸗ mirt durch den Ruf zogen die Roſſe an, und wir fuhren in einen ſo dichten Nebel hinein, daß es kaum möglich war, von den einzelnen Paläſten einen Blick zu erhaſchen, in denen die Nabobs im großen Burſtah*) ihre Reſidenzen aufgeſchlagen haben.

Schon am Abend unſerer erſten Tagereiſe waren wir aus dem Bereich des bilderreichen Lebens', wel⸗ ches anfänglich die Elbufer und mehrere Meilen um Hamburg, in geringer Entfernung einander folgend, die prachtvollen Landhäuſer darbieten, deren Erbauer ſich in den Gebilden ihrer Phantaſie faſt erſchöpſt zu haben ſcheinen. Die menſchlichen Wohnungen werden ſeltener, wenn man Pinneberg hinter ſich hat. Die mir vorgezeichnete Reiſeroute führte von da mit⸗ ten durch das Land, d. h. durch die holſteiniſche Campagna, wo die Wege ſchwieriger werden. Nur in kurzen Zwiſchenräumen berührten wir die Chauſſee; ein Dunſtmeer wie in den Schluchten der ſchottiſchen Hochlande wallte weißgrau um Bäume und Hecken

*) Eine der älteſten Straßen in Hamburg.