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„Nun, das ließe ſich wohl noch ausführen,“ ent⸗ gegnete ich,„wenn Sie ſich nämlich ſtatt der Ananas mit einem Paar Citronen begnügen wollen. Da man aber doch am Ende ſeine Zeit nicht blos ausſchließ⸗ lich mit Punſchtrinken verbringen kann, ſo laſſen Sie uns auf Mittel ſinnen, wie wir es anfangen, um in dieſes einförmige Leben einige Abwechſelung zu bringen.“
„Das iſt eine Frage, mit deren Löſung wir uns ſchon ſeit acht Tagen vergebens beſchäftigen,“ entgeg⸗ nete mein Freund,„und ich habe bereits die Hoff⸗ nung aufgegeben, daß uns dieſelbe glücken wird.“
„Damit ko Sie nicht durch, Doctor. Wenn Sie keinen Ro affen wiſſen, laſſe ich mich auf die Krankenli und es würde doch Ihren Ruf als guter Geſe er ſehr erſchüttern, wenn Sie in Ihrem Rapport ſelbſt ſagen müßten: Lieutenant v. Mohrenfeld vom 6. Huſaren⸗Regiment leidet an Langeweile.“
„Freilich,“ entgegnete der Doctor,„aber eben ſo wenig würde ich Ihnen den Gefallen thun, zur Hebung Ihres Uebels eine Luftveränderung anzuord⸗ nen. Sie verſtehen mich doch?... Ich glaube, die ſchöne Emilie wäre darüber gar nicht böſe, wenn ſie eines Tages den Lieutenant v. Mohrenfeld, an Lange⸗ weile todtkrank, in die Garniſon zurückkehren ſähe, um ſich in ihrer Nähe von ſeinem Uebel wieder zu erholen.“
„Doctor,“ rief ich, mit dem Finger drohend,„keine Herausforderung! Sie wiſſen, daß ich den Damen gegenüber bisher nur zu den leichten Plänklern ge⸗ hörte, und daß ich bis zu dieſer Stunde von ſchönen Augen noch nicht ernſtlich verwundet worden bin. Uebrigens ſollte ich glauben, daß ſeit Ihrem verun⸗ glückten Angriff auf die kleine, dicke Schiffsrheders⸗ witwe...“
„Genug! genug!“ rief Stubenrauch, ſich die Ohren zuhaltend, wobei er ſo ſchnell wie möglich aus dem Bereich meiner Stimme zu kommen ſuchte, „genug, wir wollen Frieden ſchließen! Geben Sie mir Ihre Hand, Mohrenfeld, und nun nichts weiter von dieſer fatalen Geſchichte, die mir Neckereien ge⸗ nug eingetragen hat.“
„Die heimlich Tabak rauchte und wie ein Ma⸗ troſe Grog trank,“ fuhr ich unbarmherzig fort.
„Freilich! freilich!“ rief mein Freund mit einem tragikomiſchen Geſicht,„der Henker hole die Amazone trotz ihres Reichthums, und nun hören Sie auf und bedenken Sie, daß auch der klügſte Mann einmal hinter's Licht geführt werden kann.“
Ich reichte meinem Bekannten die Hand, und wir waren eben im Begriff, in den„goldenen Lachs“,
Novellen⸗Zeitung.
wo wir Quartier erhalten hatten, zurückzukehren und Erkundigungen über unſer Frühſtück einzuziehen, als ein Huſar in den Hof ſprengte und vom Pferde ſprang.
„Das iſt die Ordonnanz vom Stabe,“ rief ich, „laſſen Sie uns ſehen, was ſie Neues bringt. Ich erwarte ſeit mehreren Tagen Briefe; jedenfalls dür⸗ fen wir aber hoffen, einige der neuſten Zeitungsnum⸗ mern zu erhalten.“
Wirklich war das Erſte, was mir der Soldat überreichte, ein Schreiben, an deſſen Aufſchrift ich ſogleich die Hand meines Onkels erkannte. Ich zog mich in eine Fenſterbrüſtung zurück und war bald in den Inhalt des Briefes vertieft, denn ich wußte, ich würde ſo Manches erfahren, was in engem Zuſam⸗ menhang mit der mir ſo theuren Heimath und mit dort zurückgelaſſenen Freunden ſtand, und überdies liebte ich auch meinen Verwandten, welcher ſeit einer Reihe von Jahren Vaterſtelle an mir vertrat, wegen ſeines offenen, biederen Charakters ungemein.
„Nun,“ fragte der Doctor, welcher inzwiſchen in den Zeitungen geblättert hatte,„gute Nachrichten, Mohrenfeld?“
„Vollkommen gute,“ entgegnete ich,„und auch
einen herzlichen Gruß von Onkel Heinrich an Sie.“
„Das freut mich wirklich, daß er mich nicht ver⸗ geſſen hat. Geht er noch immer fleißig auf die Be⸗ caſſinenjagd?“
„Ohne Zweifel, denn er bedauert, uns der Ent⸗
fernung wegen nicht ein Dutzend ſchicken zu können.“
„Und auch der Portwein ſchmeckt ihm noch immer?“
„Ich ſchließe es daraus, weil er mir mittheilt, daß ſein Weinkeller dringend einer Vervollſtändigung bedürfe.“
„Und des Abends— nun natürlich, des Abends ſpielt er vor wie nach ſeine Partie Whiſt oder Pi⸗ quet?“ 4
„Sie wiſſen wohl, ohne die Partie geht es nicht. Aber halt! da kömmt eine Nachricht, die für uns Beide gerade in dieſem Augenblick von großem In⸗ tereſſe iſt.“
„Für uns Beide?“ fragte der Doctor geſpannt.
„Ei freilich, ſo hören Sie nur.“ Und ich be⸗ gann mit lauter Stimme folgende Stelle aus dem Briefe meines Oheims zu leſen:
„Du klagſt über Langeweile, lieber Junge, und ich glaube Dir dies wohl gerne, denn für einen jun⸗ gen, lebensluſtigen Mann, wie Du biſt, iſt ein abge⸗ legenes Dorf gewiß kein angenehmer Aufenthalt. Zum Glück haſt Du den Doctor bei Dir, der, wie ich aus Erfahrung weiß, ein trefflicher Geſellſchafter iſt. Ich habe nun das Regiſter meiner Bekanntſchaften durch⸗
blättert von ech ſtern, ve Stundenn und wel ffenen vorſtellt
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