Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
142
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Katze, welche nur jemals meinen Weg gekreuzt hat. Als ſie noch ſehr jung war, wurde ich am Nervenfieber krank. Sie vermißte mich augenblicklich, ſuchte mich und ſetzte ſich ſo lange an die Thür des Krankenzimmers, bis ſie Gelegenheit fand, durch die Thür zu ſchlüpfen. Hier that ſie nun ihr Beſtes, um mich nach Kräften zu unterhalten und zu erhei⸗ tern. Da ſie jedoch fand, daß ich zu krank war, als daß ich mit ihr hätte ſpielen können, ſetzte ſie ſich an meine Seite und ſchwang ſich förmlich zu meiner Krankenwärterin auf. Wenig Menſchen dürften im Stande geweſen ſein, es ihr in ihrer Wachſamkeit gleich zu thun, oder eine zärtlichere Sorg⸗ falt für mich an den Tag zu legen. Es war wirklich wunder⸗ bar, zu bemerken, wie ſchnell ſie die verſchiedenen Stunden kennen lernte, zu welchen ich Arznei oder Nahrung nehmen mußte, und während der Nacht weckte ſie meine Wärterin, welche zuweilen in den Schlaf fiel, regelmäßig zur beſtimm⸗ ten Zeit dadurch auf g ſie dieſelbe ſanft in die Naſe biß. Auf Alles, was mir geſchah, gab ſie genau Achtung, und ſo⸗ bald ich mich nach ihr umſah, erſchien ſie augenblicklich mit freundlichem Schnurren bei mir. Das Allerwunderbarſte war unbedingt der Umſtand, daß ſie ſich kaum um fünf Mi⸗ nuten in ihren Berechnungen irrte, es mochte Tag oder Nacht ſein. In dem Zimmer, in welchem ich lag, war keine ſchla⸗ gende Uhr, und gleichwohl wußte ſie ganz genau, in welcher Zeit wir lebten.

Es iſt unglaublich, was eine Katze leiſten mag in der Vertilgung der Ratten und Mäuſe. Zahlen beweiſen, des⸗ halb will ich das Ergebniß der Lenz'ſchen Unterſuchungen und Beobachtungen hier mittheilen:Um zu wiſſen, wie viel denn eigentlich eine Katze in ihrem Mäuſevertilgungsgeſchäfte leiſten kann, habe ich das äußerſt mäuſereiche Jahr 1857 be⸗ nutzt. dunkler getigerte Halbangorakätzchen, als ſie 48 Tage alt wa⸗ ren, in einen kleinen, zu ſolchen Verſuchen eingerichteten Stall, gab ihnen täglich Milch und Brod, und daneben jeder vier bis zehn Mäuſe, die ſie jedesmal rein auffraßen. Als ſie genau 56 Tage alt waren, gab ich jeder nur Milch und dazwiſchen vierzehn ausgewachſene oder zum Theil doch we⸗ nigſtens halbwüchſige Mäuſe. Die Kätzchen fraßen alle auf, befanden ſich vortrefflich und hatten am folgenden Tag ihren gewöhnlichen Appetit..... Kurz darauf ſperrte ich, als die bewußten Mäuſefreſſer entlaſſen waren, in denſelben Stall Abends 9 Uhr ein dreifarbiges 5 ½ Monate altes Halbangora⸗ kätzchen, und gab ihm für die Nacht kein Futter. Das Thier⸗ chen war, weil es ſich eingeſperrt und von den Geſpielen ſei⸗ ner Jugend getrennt ſah, traurig. Am nächſten Morgen ſetzte ich ihm eine Miſchung von halb Milch halb Waſſer für den ganzen Tag vor. Ich hatte einen Vorrath von vierzig friſch erlegten Feldmäuſen und gab ihm davon in Zwiſchenräumen eine Anzahl. Als Abends die Glocke 9 Uhr ſchlug, alſo während der 24 Stunden ihrer Gefangen⸗ ſchaft, hatte ſie 22 Mäuſe gefreſſen, wovon 11 ganz erwach⸗ ſen, 11 wenigſtens halbwüchſig waren. In jenem Jahre waren meine Katzen Tag und Nacht mit Mäuſefang und Mäuſefraß beſchäftigt, und dennoch fraß am 27. September noch jede in Zeit von einer halben Stunde acht Mäuſe, die ich ihr extra vorwarf..... Nach ſolchen Erfahrungen nehme ich beſtimmt an, daß in reichen Mäuſejahren jede mehr als halbwüchſige Katze im Durchſchnitt täglich zwanzig Mäuſe, alſo im Jahre 7300 Mäuſe verzehrt. Für mittel⸗ mäßige Mäuſejahre rechne ich 3650 oder ſtatt der Mäuſe ein Aequivalent an Ratten.

Ich ſperrte am 20. September zwei ſemmelgelbe,

Novellen⸗ZJeitung.

Misrellen.

Ein Rathsſchäferei-Pächter ohnweit Brandenburg an der Havel ſuchte um den Kriegsrathscharakter an, und zwar im Jahr 1756, eben als der Monarch ſich zum Kriege rüſtete. Der Mann war ein bloßer Bauernſchäfer geweſen, und hatte ſich blos nach und nach einiges Vermögen erworben, ging und betrug ſich auch noch wie ein bloßer Bauer. Auf die erſte Bittſchrift ward ihm nicht geantwortet; da er aber wußte, daß viele den Kriegsrathstitel bekleideten, ohne je ſtudirt oder mehr gelernt zu haben, als er(was doch eigentlich mit dieſem ſchönen Charakter zuſammenhängt), ſo kam er zum zweitenmal ein. Der Monarch ſchrieb auf die Bittſchrift Folgendes: Im und zum Kriege ſind nur muntere Leute tauglich, die Schäfer ſind zu verſchlafen. Will Er aber durchaus Rath⸗ ſchläge geben, ſo rathe Er ein Mittel an, wie die Wolle ver⸗ beſſert, und im Frühjahr das Schafſterben verhütet werden könne. f

Kleine Kritiken.

Gedichte von Hilſcher. Leitmeritz, Mercy und Blömer. 1863. Gedichte von Freimuth. Leipzig, Wengler 1863. Aus vergangener Zeit, von Ma⸗ thilde Raven. Celle, Schulze. 1863. Gedichte von Wohlmuth. Augsburg und München, Rieger'ſche Buch⸗ handlung. Jugendlieder von Wegener. Berlin, Heinrich Schindler. 1864. Die Schlacht von Leip⸗ zig, von Herrmann Frey. München, Fleiſchmann's Buchhandlung. 1863.

Joſef Hilſcher gehört den öſterreichiſchen, eigentlich böh⸗ miſchen Dichtern an und muß jener großen Zahl von war⸗ men jugendlichen Talenten zugezählt werden, die in dem Kampf zwiſchen der äußern Wirklichkeit und ihrem innern idealen Drang unbefriedigt zu Grunde gingen. Erſt eine ſpätere Zeit hat die Gerechtigkeit geübt, durch Anerkennung dem Verblichenen in ſeiner Vaterſtadt Leitmeritz ein Denkmal zu ſetzen, welches auch am 29. Juni 1863 feierlich enthüllt wurde und erfreulich für die patriotiſche Bildung und allge⸗ meine Intelligenz dieſer angenehmen Provinzialſtadt ſpricht.

Zu gleicher Zeit bildete ſich bei dieſer Gelegenheit auch ein Comité, das Sorge trug auf Subſcription die Dichtun⸗ gen Hilſcher's zu veröffentlichen, die uns hier vorliegen.

Hilſcher wurde 1806 geboren, und da ſein Vater dem Militärſtande angehörte, ward er gleichfalls für denſelben beſtimmt und in das Regimentserziehungshaus zu Jungbunz⸗ lau gebracht. Später kam das Regiment nach Laibach, und angeregt durch einige gute Lectüre und ein paar empfäng⸗ liche Mitſchüler und tüchtige Lehrer, entwickelte ſich ſehr bald in dem jungen Mann die Neigung für Dichtkunſt. Schon ſehr früh bedrückte ihn das Dilemma mit ſeiner Stellung. Er fühlte wie jeder höher Befähigte im Militär den Gott im Buſen, aber auch die Montur am Leib. Apoll's Geſang wurde von dem Schlage der Trommeln übertönt, denn die Muſen und Geazien fliehen den gemeinen Soldaten. Hil⸗ ſcher bemerkte die Flügel an ſeinen Schultern und ſah zu gleicher Zeit die Gamaſchen an ſeinen Füßen. Trübſinn beſchlich ſeinen Geiſt, verdüſterte ſein Gemürh und füllte ihn mit Mißmuth. Am Heerde der Werktagsthätigkeit, beim Brande von Mißverſtändniſſen und Unglimpf gerieth ſein Blut in's Kochen und ging über in Spott und Verhöhnung. Ironie ſprudelte brennend heiß aus ſeinen Reden, man ver⸗ mied den Tropf und nannte ihn einen Narren; Einige er⸗ götzten ſich daran, wenn er Andere durchhechelte, wolllten aber

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