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Und ſinnend denkt die Jungfrau jener Zeiten, Wo ſtark und groß das deutſche Reich Im Kampfe kühn mit jedem mochte ſtreiten, Und keines ihm an Ehren gleich.
In ihrem Aug' ſtrahlt noch die alte Treue— Wenn auch von ſtillem Schmerz umflort— Und eine höh're gottgeſchenkte Weihe Im Blick, der Lug und Trug durchbohrt.
Es iſt Germania, in Kunſt und Sitte Und edlem Wiſſen unerreicht, Einſt Königin in großer Völker Mitte, Doch jetzt in Trauer tief gebeugt.———
** Und ſieh'! wie plötzlich ſie das Haupt erhebet, Aufflammt der alte Heldenſinn! Wie dröhnend unter ihr der Boden bebet, Und raſchen Flugs ſie eilt dahin!
Schon weht frohlockend, hoch von ihr getragen, Das deutſche Banner, und das Schwert Zuckt flammend aus der Scheid' und jauchzt zum Schlagen, In manchem Strauße ſchon bewährt.
Und donnernd ruft Germania ihren Söhnen: „Steh' auf, mein Volk, und werde wach! Wie lange ſoll der Feind dich frech verhöhnen? Wie lange trägſt du deine Schmach?“
Und rings in allen Gau'n jauchzt's ihr entgegen, Und muthig ſchaart ſich Mann an Mann; Und nimmer will des Volkes Sturm ſich legen, Bis Recht und Freiheit es gewann.—
Doch hoch in Lüften läßt die Jungfrau fliegen Das Banner und erhebt das Schwert: „Auf! folget mir zu kämpfen und zu ſiegen, Wer meines Volkes noch iſt werth!
Im Süd und Norden drohn des Feindes Heere: Und Zwieſpalt herrſcht im eignen Haus? Auf! ſtellet euch den Feinden rings zur Wehre, Und löſcht des Aufruhrs Flamme aus!
Nur durch der Einheit kühnes freies Walten Kann alte Größe euch erſtehn; Ein ſtarkes Haupt nur kann zuſammenhalten, Was eigne Wege ſonſt wird gehn.
Dem folget nach in echter Mannestreue! Beſchirmt die Freiheit und das Recht! Und einer neuen Zeit mein Volk ſich freue! Es weiche, wer des Frevels Knecht!
Novellen⸗Zeitung.
Und weh'! wer ſich am Heiligſten, dem Glauben, Und an der Väter Sitte frech
Vergreift, des Geiſtes Licht dem Volk zu rauben Und ſeines Lebens ſichern Weg!
Seht dieſes Schwert— es führt ſo kühne Streiche— Es trag's fortan in jeder Schlacht Des Reiches Hauptmann, nimmermehr entweiche Der Feind des guten Stahles Macht!
Und meines Auges Stern ſoll euch geleiten Im roſ'gen Frieden wie im Krieg; Ich will im Geiſt voran euch immer ſchreiten, Und führen euch zu Kampf und Sieg!“
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Thaddeus Kosciuszko. von Marinna Lugomirska. bei Herm. Coſtenoble. 1864.
Es werden Ihnen unter den hiſtoriſchen Roma⸗ nen unſerer Gegenwart neben manchen Spielarten
Hiſtoriſcher Roman Jena und Leipzig,
weſentlich zwei Gattungen aufſtoßen: ſolche, die es
mehr dem Namen nach, und ſolche, die es mehr der That nach ſind. Die erſteren pflegen gewöhnlich größere Routine und Handwerkstechnik für romanti⸗ ſche Erfindung und Ausführung zu zeigen; die andern ſind oft in der eigentlichen Novelliſtik ungewandter und zeigen manche Ecken, aber ſie ſchließen ſich dafür enger an die Geſchichte und ihre charakteriſtiſche Staffage an. Sie offenbaren mehr Pietät für die Wirklichkeit als Neigung für die Kunſtformen und Forderungen der freien Dichtung, und es gelingt ihnen nicht immer, die Ergänzungen der Einbildungskraft mit der Realität organiſch zu verbinden, eine Mani⸗ pulation, worin ihre Gegner es ſo weit gebracht haben,
daß Wahrheit und Illuſion unter ihren Händen har⸗
moniſch zu einem glatten, doch werthloſen Stoff wie Baumwolle und Lein zuſammengeht. So bei der ge— ſchickten, mit literariſcher Dampfkraft arbeitenden Louiſe Mühlbach.
Wir haben es hier mit der mehr geſchichtlichen Gat⸗ tung in dem vierbändigen Roman„Kosciuszko“ zu thun. Obgleich er bedeutende Mängel enthält, die ſelbſt dem oberflächlichen Blicke der belletriſtiſchen Raſch⸗ macher und Schreibmeier offen liegen, wird er doch nicht ohne Beachtung vorübergehen, denn er bewegt ſich auf einem Gebiet, das trotz ſeiner intereſſanten Verhältniſſe nur äußerſt ſelten betreten iſt, und ruft
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