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Ueber Geſchichte und Technik des Skalpirens.
Wie die Leſer und beſonders mit Schrecken die ſchönen Leſerinnen ſehen werden, ſind Stimmen vorhanden, welche annehmen, daß auch unſere Voreltern ſich mit dem Skalpi⸗ ren ihrer Feinde beſchäftigt haben. Wir dürfen daher nicht zu ſtolz ſein auf unſere angeſtammten humaneren Sitten.
Mit Unrecht, heißt es in der Chronik der Reiſen, hat man allgemein angenommen, daß das Skalpiren ein ſpeci⸗ fiſch amerikaniſcher Gebrauch ſei. Abbé Em. Domenech er⸗ wähnt das decalvare der alten Germanen und das capillos et cutem detrahere des Geſetzes der Weſtgothen und der Annalen von Fulda, woraus hervorgeht, daß die Angelſach⸗ ſen und die Franken noch um das Jahr 879 Skalpe nahmen. Und gerade ſo, wie man den modernen amerikaniſchen Ge⸗ brauch im alten Europa und Aſien nachweiſen kann, ſo findet man ihn auch in Afrika, wo ſo leicht eine grauſame Sitte nicht vermißt wird.
„Kurze Zeit nach unſerer Rückkehr,“ ſo erzählt Duncan in ſeinen Reiſen im weſtlichen Afrika, 1845 und 1846, „kam auch das Apadomey⸗Amazonen⸗Regiment zurück, und jede führte an einem Strick einen jungen Sclaven oder eine Sclavin und außerdem noch den getrockneten Skalp eines in der Schlacht Getödteten. Bei allen Angriffen und Schlach⸗
ten wird die Kopfhaut der Erſchlagenen abgezogen und als
werthvolles Andenken aufbewahrt. Man darf nun aben nicht glauben, daß die Kriegerinnen ſo viele Menſchen g tet hatten, als ſie gerade Skalpe bei ſich führten, dieſe
ſie nach und nach im Laufe der Zeit angeſammelt.“ Al Verſtümmelung, Kannibalismus, Tättowiren und Begraben in Grabhügeln liegt unter gewiſſen Umſtänden ſo ſehr im Weſen des Menſchen, daß wir entſchieden keine traditionelle Ableitung anzunehmen brauchen.
Das Skalpiren iſt ein feierlicher Ritus. In der guten alten Zeit wartete man ab, bis der Tod eines Verwundeten eingetreten war, ehe man ihm die Schädelhaut abzog; in unſeren Tagen jedoch ſcheint dieſer humane Gebrauch außer Mode gekommen zu ſein. Wenn der Indianer ſeinen Feind fallen ſieht, ſo zieht er ſein Skalpmeſſer, das jetzt aus Eiſen, früher aber aus Feuerſtein oder Obſidian gemacht war, dreht die Skalplocke, welche mit einem bunten Bande oder einer Adlerfeder geſchmückt iſt, mit ſeiner Linken und macht mit der Rechten zwei halbkreisförmige Einſchnitte, mit und gegen die Sonne, ſetzt ſich dann nieder und ſtemmt ſeine Füße gegen die Schultern des Leichnams, faßt mit beiden Händen die Skalplocke und zieht daran, bis die ganze Schädelhaut mit mit einem Tone, der wie„flop“ klingt, abfliegt. Ohne die lange Skalplocke, welche die Indianer zu dieſem Zwecke ſtehen laſſen, um ihren Beſiegern das Skalpiren leichter zu machen, würde die Arbeit nur ſchwer zu vollbringen ſein; daher ſcheeren kluge weiße Leute, wenn ſie durch Indianerländer reiſen, vorher ihre Haare kurz ab, doch kümmern ſich die In⸗ dianer darum nicht und begnügen ſich auch mit einem weni⸗ ger haarreichen Skalp. Es iſt auch ſchon vorgekommen, daß einige geſcheidte Leute die Indianer mit Perrücken überraſchten. Die Operation des Skalpirens bei lebendigem Leibe muß eine furchtbar ſchmerzhafte ſein, auf die gewöhnlich Gehirn⸗ entzündung folgt; doch ſind Fälle bekannt geworden, daß Männer und ſelbſt Frauen nach dem Skalpiren noch mit dem Leben davon kamen.
Iſt die Arbeit des Skalpirens gethan, ſo zieht der In⸗ dianer ſtolz, als ob er eine Rettungsmedaille verdient hätte, nach Hauſe. Einige Tage wartet er, ehe er in das Dorf eintritt, malt ſich dann die Hände und das Geſicht mit Lam⸗
Novellen⸗ Zeitung.
penruß ſchwarz und kommt ſchweigend und langſam zu ſeiner Hütte. Dort wirft er ſich auf die Erde, bis ſeine Verwand⸗ ten und Freunde, begleitet von den Aelteſten des Stammes, erſcheinen und ſich ſchweigend zu ihm geſellen. Dann wird er ausgefragt und beginnt ſeine Erzählung, wobei natürlich viel Ausſchmückungen und Uebertreibungen mit unterlaufen, denn Eigenlob gilt in dieſem Falle nicht für ſchimpflich. Nachdem der„grüne Skalp“ trocken geworden iſt, wird er durch einen feierlichen Tanz eingeweiht und iſt nun erſt zur öffentlichen Schauſtellung geeignet. Bei manchen Stämmen werden die Skalpe an lange Stangen gebunden und wie eine Art Fahne gebraucht, andere hängen ſie an die Pferde⸗ zügel oder an ihre Schilde, während wieder andere ſie als Schmuck an den Beinkleidern tragen. Je mehr Skalpe Ei⸗ ner beſitzt, deſto mehr Ehre hat er, und ein junger Mann, der noch keinen erbeuteten Skalp aufzuweiſen hat, wird noch nicht für voll angeſehen. Einige große Kriegshäuptlinge haben dagegen ganze Haufen von dieſer ehrenden Beute ge⸗ ſammelt. Man nimmt von einem Haupte nur einen Skalp, der aber nicht groß zu ſein braucht; wenn er nur aus dem Scheitelſtück des Kopfes mit etwa drei Zoll breitem Hautlap⸗ pen beſteht, ſo genügt dies ſchon. Fälſcher haben nun von andern Theilen des Hauptes Skalpe zurecht gemacht und für
50 Dollars per Stück verkauft; der Kenner merkt ſogleich, daß dieſe Skalpe nicht vom Scheitel herſtammen.
5.
Misrellen.
Franzöſiſche Blätter erzählen folgende Geſchichte, deren Wahrheit ſie verbürgen wollen, jedoch ohne mitzutheilen, zu welcher Zeit, noch wo ſich dieſelbe zugetragen haben ſoll; ſie ſprechen, es könne in Berlin, Peking oder ſonſtwo gewe⸗ ſen ſein.
Eines Tages meldet man dem Kriegsminiſter, daß eine ältere Dame, die Mutter eines Officiers in der Armee, ihn in einer dringenden Angelegenheit zu ſprechen wünſche. Er befiehlt ſie hereinzuführen. Darauf kommt die arme Frau weinend in das Zimmer und erzählt ſchüchtern und troſtlos, daß ihr Sohn, bis dahin ein braver und trefflicher Ofſicier, in einem Augenblick der Thorheit die Regimentscaſſe, wel⸗ cher er vorſtand, angegriffen habe und derſelben zwölfhundert Thaler ſchulde, welche die Familie im Augenblick nicht im Stande ſei wiederzuerſtatten, da ſie mit Aufbietung aller Kräfte nur ſechshundert Thaler aufzubringen vermöchte.
„Wie? was?“ entgegnet der Miniſter ganz verdutzt, „was ſagen Sie mir da? Was verlangen Sie von mir? Ihr Sohn hat das Geld ſeiner Cameraden verthan, und Sie wollen, daß ich für ihn bezahlen ſoll?“
„Aber Excellenz...“, ſtammelte die arme Mutter ganz verwirrt.
„Ach was, hier handelt es ſich nicht darum,„aber Ex⸗ cellenz“ zu ſagen, damit iſt gar nichts geſagt. Sie wollen etwas von mir, nicht wahr? Nun, dieſes Etwas will ich nicht gewähren. Ein Officier, der nicht einmal eine Caſſe ordent⸗ lich verwalten kann, iſt ein ſchlechter Officier und flößt mir keinerlei Mitleid oder Theilnahme ein... Gehen Sie Ihres Weges!“.
„Ach, Excellenz, ſo bleibt nur noch der Tod für meinen Sohn und für mich, denn er kann nicht leben mit einem Fle⸗ cken auf ſeiner Ehre, und ohne ihn kann ich auch nicht mehr
leben. Und Sie können glauben, der arme Junge war im=
mer ein ſo braver Officier....“
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