Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
125
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Schwächen, ihre Launen, ihre Eitelkeiten, ihren maßloſen Ehrgeiz, ihre unglaublichen Prätenſionen und all' die tau ſend Lächerlichkeiten erfüllt, die ſo Vielen von ihnen eigen ſind. Leben ſie doch nur einen Tag, und ſterben dann für immer! Kaum daß die Namen der berühmteſten ihre Zeit überdauern, und wenn es geſchieht, ſo verdanken ſie nur je⸗ nen großen Meiſtern, deren Werke ſie(und wie oft noch un⸗ getreu genug!) zur Aufführung brachten, daß ſie der ewigen Vergeſſenheit entriſſen wurden. Wir wiſſen von Cafefariello nur noch etwas, weil er in Gluck'sTito zu Neapel geſun⸗ gen hat; das Andenken an die Saint Huberti und Branchu hat ſich in Frankreich nur erhalten, weil ſie die Rollen der Dido, derVeſtalin, derIphigenie in Tauris ꝛc. zu⸗ erſt geſungen(oder wie man zu ſagen pflegtgeſchaffen) haben. Wer von uns würde von dergöttlichen Fauſtina noch etwas wiſſen, wenn Marcello nicht ihr Lehrer und Haſſe ihr Gatte geweſen wäre? Verzeihen wir alſo dieſen ſterblichen Göttern, daß ſie ihren Olymp ſo glänzend als möglich zu machen ſuchen, daß ſie den Heroen der Kunſt ſo lange und harte Prüfungen auferlegen und nur dadurch beſchwichtigt werden können, daß man ihnen Ideen opfert! Es iſt für ſie ſo hart, den Stern, ihres Ruhms und Glückes am Horizonte unaufhaltſam ſinken zu ſehen! Wie ſchmerzlich iſt nicht die Feier eines letzten Auftretens!

Wie mag dem großen Künſtler das Herz bluten, wenn er die Bühne und die Räume hinter den Couliſſen erſchaut, deren

Schutzgeiſt, deren Held, deren unumſchränkter Herrſcher er ſo lange geweſen! Während er ſich in ſeiner Garderobe zur Abſchiedsfeier ſchmückt, ſagt er zu ſich ſelbſt:

Ich werde ſie nie mehr betreten! dieſer Helm, mit ſeinem reichen Federſchmuck, wird mein Haupt nie mehr ſchmücken; dieſe geheimnißvolle Chatulle wird ſich nicht mehr öffnen, um duftende Billets ſchöner Schwärmerinnen zu em⸗ pfangen.

Man klopft. Es iſt der Inſpicient, der ihm den Anfang der Vorſtellung meldet.Nun, armer Junge, biſt du für immer vor meinen Launen geſchützt! Haſt keine Schimpfworte, keine Rippenſtöße mehr zu fürchten. Du wirſt nicht mehr herein kommen, um mir zuzurufen:Mein Herr, die Ouverture beginnt! Mein Herr, der Vorhang wird aufgezogen! Mein Herr, die erſte Sckene iſt vorüber! Mein Herr, das iſt Ihr Auftritt! Mein Herr, man wartet ſchon auf Sie! Ach, nein! Jetzt bin ich es, der zu Dir ſagt:Santiquet, löſche meinen Namen aus, der noch über

der Garderobenthüre ſteht; Santiquet, trage dieſe Blumen zu Fanny, aber gehe gleich hin, denn morgen mag ſie ſie nicht mehr; Santiquet, trinke dieſes Glas Madeira und nimm die Flaſche mit; nun brauchſt Du zu ihrer Vertheidigung nicht mehr die Kinder vom Chor zu verjagen; Santiquet, packe mir auch die alten Kränze zuſammen, ſchaffe mein kleines Klavier fort, löſche meine Lampe, ſchließe meine Garderobe nun iſt ja Alles aus!

Unter der Laſt ſolcher trüben Gedanken tritt der Vir⸗ tuos in die Couliſſen. Dort ſteht der zweite Tenor, ſein geſchworner Feind, ſein Erſatzmann, der möglichſt auffällig weint und ſchluchzt, innerlich aber ſehr lacht, daß er Thränen vergießen muß.

Nun, mein Alter! ſagt der Halbgott zu ihm mit wehmüthiger Stimme,Du willſt uns alſo wirklich verlaſ⸗ ſen? Aber welcher Triumph wartet heute noch auf dich! Es wird ein ſchöner Abend!

Allerdings für Dich! erwidert dumpf der alte

4 1 Beſitzer der Rolle, und kehrt ſeinem Nachfolger den Rücken.

Folge. 125

Delphine, wendet er ſich zu einer hübſchen kleinen Tänzerin, der er erlaubt hatte, ihn anzubeten,Delphine, gieb mir meine Bonbonniére.

O, meine Bonbonnisre iſt leer, ſagt das muthwillige Kind und dreht ſich auf einem Beine im Kreiſe herum,ich habe Victor ſchon Alles gegeben.

Und trotz alledem muß er ſeinen Unwillen, ſein Herzeleid, ſeinen Zorn erſticken: er muß lächeln, er muß ſingen!

Der Tenor tritt auf die Scene. Zum letzten Mal ſpielt er in der Oper, die ihm ihre Erfolge verdankt, ſingt er die Rolle, die ergeſchaffen hat. Er wirft einen letzten Scheide⸗ blick auf jene Decorationen, die zu ſeinem Ruhm errichtet worden, und ſo oft von ſeinen Liebesgeſtändniſſen, ſeinen Ausbrüchen der Leidenſchaft wiederhallten; auf jenen See, an deſſen Ufern er Mathilde erwartete; auf den Grütli, wo er ſo viele Jahre lang die blaſſe Sonne Abends neun Uhr aufgehen ſah, undFreiheit rief. Und er möchte weinen, heiße Thränen weinen; aber das Stichwort iſt gefallen, ſeine Stimme darf jetzt nicht zittern, ſeine Mienen dürfen keine andere Empfindung ausdrücken, als die Rolle vorſchreibt. Das Publicum beobachtet dich, tauſende von Händen ſind bereit, Dir Beifall zu klatſchen, Du armer Gott! und wenn ſie nun unbeweglich blieben?.... O, dann würdeſt Du er⸗ kennen lernen, daß die geheimen, innern Leiden, die Du

merſt empfunden und erſtickt haſt, noch Nichts ſind im ch mit jener herzzerreißenden Pein, die das Publicum olchen Momenten durch ſeine eiſige Kälte erzeugt, das Publicum, einſt Dein Sclave, jetzt Dein Herr und Kaiſer! Geh nur hinaus, verbeuge Dich, man klatſcht Dir Beifall zu...Moriturus salutat!

Und er ſingt, und durch übermenſchliche Anſtreng⸗ ung erlangt ſeine Stimme noch einmal ihre alte Kraft, ihre jugendliche Friſche wieder, er erregt eine unerhörte Begeiſte⸗ rung; die Bühne wird, einem friſchen Grabe gleich, mit Blumen überdeckt. Von tauſend widerſprechenden Empfin⸗ dungen durchwogt, zieht er ſich langſamen Schrittes zurück; aber man will ihn noch einmal ſehen, man ruft ihn ſtürmiſch zurück. Welch ſüße und grauſame Pein liegt für ihn in die ſem letzten, gewaltigen Ausbruch des Enthuſiasmus! Und wie verzeihlich iſt es, daß er ihre kurze Dauer ein wenig nur zu verlängern ſucht! Es iſt ſeine letzte Freude, ſein Ruhm, ſeine Liebe, ſein Genie, ſein Leben, die mit Allgewalt zugleich emporflammen, um dann mit einem Male zu verlöſchen! So komm nur hervor, Du armer, großer Künſtler, Du glänzendes Meteor am Ende Deiner Bahn! Komm hervor, um den höchſten Ausdruck unſerer Theilnahme, unſerer Be⸗ wunderung und Erkenntlichkeit zu empfangen, für all' die Genüſſe, die wir ſo lange Zeit Dir zu verdanken hatten. Du wirſt ja dieſer Stunde ſtets gedenken, und wir werden ſie morgen vergeſſen haben.

Tief athmend, mit gepreßter Bruſt und thränenſchwe⸗ rem Herzen, tritt er an die Lampe vor. Stürmiſcher Beifall bricht bei ſeinem Erſcheinen los; das Volk klatſcht in die Hände, ruft ihn bei ſeinen ſchönſten und liebſten Namen: Cäſar krönt ihn. Aber endlich fällt der Vorhang doch wie ein kaltes, ſchweres Richtſchwert nieder. Ein unüberſteig⸗ licher, von der unerbittlichen Zeit ausgehöhlter Abgrund

trennt den Triumphator von ſeinem Triumphwagen. Alles iſt vorbei! Der Gott iſt nicht mehr!

Tiefe Nacht.

Ewige Nacht! 6.