Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
118
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Secunde! drüben haben ſie keine beſſeren Ruderer, als wir ſind, mordious! und ſie führen zwei Hölzer. Glücklich genug beſitzen wir vier... Jetzt vorwärts!

Die Franzoſen nahmen zwei Reſerveruder, ſetzten ſich hintereinander und begannen, indem jeder zwei Ruder führte, den Kampf auf's Neue. Nach weni⸗ gen Minuten erwies ſich das Boot, welches die jungen Franzoſen mit Kennerblicken aus einigen hundert derartigen Fahrzeugen ausgewählt hatten, allerdings als der Lootſen-Jölle ſehr überlegen. Die Engländer verloren jeden Augenblick mehr Raum.

Halt! ſagte Mac⸗Lean zu dem Deutſchen, welcher neben ihm auf der Ruderbank ſaß, indem er

ſein Ruderholz in's Boot nahm und zur Seite warf. Wir kommen nicht fort, ohne mit den Herren drüben

Novellen⸗Zeitung.

daß er vergaß ſeine Piſtolen abzufeuern. Er ſprang empor, warf ſich auf ſeinen Cameraden und hob ihn in die Höhe.

Todt! murmelte er, in die Schubtaſchen des Gefallenen greifend und eine Brieftaſche aus derſel ben hervorziehend.

Dieſe Brieftaſche faßte Marbeck mit den Zähnen, nahm ſein erſtes Piſtol und zündete durch einen Schuß eine Lichtkugel an, brannte das andere auf Armes⸗ länge auf Victor ab, ergriff dann das Ruder und ſprang über Bord in die finſtern Gewäſſer. Die Lichtkugel war erloſchen; Victor, deſſen Hut von der feindlichen Kugel fortgeriſſen war, richtete ſich wieder empor und band ein Tuch um den Kopf, und Franceschi, welcher Miene gemacht hatte, die Engländer regelrecht zu

uns verſtändigt zu haben. Du, franzöſiſcher Burſche, entern, feuerte ſeinen Schuß in der Richtung ab, in

ſagte er zu François Bart, der ziemlich unbeweglich am Steuer ſaß,leg' Dich einen Augenblick nieder.

Es ſind nur zwei Männer drüben, und mit denen wir beiden auch ohne Deine Hülfe fertig

werden werden.

Bart faßte ſein Ruderholz und blieb mit einer Bewegung aufrecht ſtehen, die ſeinen Entſchluß zeigte, nant zanderte einen Augenblick. Jetzt bemerkten ſie

in ziemlicher Entfernung einige Lichter über See. Mac⸗Lean.

jedenfalls an dem Kampf Theil zu nehmen.

Laßt ſie herankommen! ſprach Immerhin! Mach' Dich fertig, Marbeck...

Iſt ſchon geſchehen! antwortete der Deutſche, indem er ſeine beiden Piſtolen ſpannte und vorſichtig im Boote niederkniete.

Der Schaluppencapitain und der kleine Lieute⸗ nant kamen raſch heran..

Qui vive? fragte Victor mit unterdrückter, vor Kampfbegier und Aufregung bebender Stimme, indem er ſammt dem Gascogner die Ruder niederlegte und

welcher der Deutſche verſchwunden war.

Auf, ermanne Dich! rief der Gascogner dem Freunde zu.Dies ſind zwei Todte im Boot; ſie werden nicht daran denken uns zu entſchlüpfen. Auf, damit uns jener Dritte nicht entrinnt...

Victor aber ſchwankte, taumelte faſt. Der Lieute⸗

Da ſind die Engländer! ſagte Ruailles.Dies⸗

mal avanciren wir nicht, wie geſtern, ſondern wir

eilen mit dem Boote und mit den beiden Leichen ſo ſchnell wie möglich die Linie zu gewinnen. Gehen

wir an Bord ihres Fahrzeuges, um uns ihrer falls

ſie noch leben ſollten und ihrer etwaigen Papiere

zu verſichern.

Die Seeleute führten dies aus. Niemand machte ihnen den Eintritt in das Boot ſtreitig. Mac⸗ Lean blieb todt, und der arme Lootſe war ohnmäͤchtig

ſich niederkauerte, das Flintenrohr auf die Planken geworden.

des Bootes legend.

Qui vive? wiederholte Franceschi. Leiſe fügte er hinzu:Du nimmſt den Mann rechts, ich links.

Kaum hatte der Gascogner die letzte Sylbe ge⸗ ſprochen, da feuerte der Schotte raſch nach einander ſeine Piſtolen ab. Eine Secunde ſpäter ſanken Mac⸗ Lean und Francois Bart, von den Kugeln der fran⸗ zöſiſchen Officiere getroffen, zuſammen. Mac-Lean ſtürzte wie eine gewaltige Pinie aus den ſchottiſchen Hochgebirgen nieder, das eine Ruder und die ſchmale Querbank durch ſeinen Fall zerſchmetternd. Er ſtieß keinen Laut aus und blieb unbeweglich. Bart dage⸗ gen hatte ſich ächzend auf die Kniee gehoben und verſuchte mit der Hand den Blutſtrom zu ſtillen, welcher von ſeiner linken Schulter ſiedendheiß her⸗ abſchoß.

Der deutſche Artillerielieutenant war ſo betroffen,

Franceschi ſetzte zwei Ruder ein und trieb mit unverminderter Kraft, ſtolz wie ein römiſcher Impe⸗ rator, das Lootſenboot, welches das zweite an der Kette nach ſich führte, dem Bonlogner Hafen zu.

Eine franzöſiſche Peniche, mit einer Haubitze und einem Vierundzwanzigpfünder, neben denen die Artil⸗ leriſten mit brennender Lunte bereit ſtanden, empfing die beiden kühnen Abenteurer.

Nachdem ſie examinirt waren, wurden die beiden Boote im Triumphe in den Hafen und zum Hafen⸗ platze geführt.

Eben als die Leiche Mac-Lean's und der un glückliche Geliebte des Fräuleins La Ferroux als Ge⸗ fangener, und zwar als ein dem ſichern Tode durch die Flinten der franzöſiſchen Grenadiere geweihter Gefangener, unter dem Andrange einer großen Meuge von Soldaten und Boulogner Bürgern an's

Land 9. Marbei ſchen o