Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
110
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110 Novellen gegen das Ende des Tages, wenn die Lampen angezündet wurden und die Tafeln ſich von Leſern leerten, einfand und wo er ſtets würdig, ernſt und kalt und in einem blauen Rock mit Metallknöpfen erſchien. Hätte irgend eine Fee mit ihrem Zauberſtabe ihn plötzlich zum Miniſter oder Geſandten gemacht, ſo hätte er in ſeinem Aeußern nicht die mindeſte Aenderung vorzunehmen gehabt, um einen ſolchen Poſten würdig auszufüllen. Es genügte, ihn zu ſehen, um zu be⸗ greifen, daß er in der literariſchen romantiſchen Bewegung, die ihren Urſprung in den Sphären der liberalen Ariſtokra⸗ tie, welcher de Lamartine, Alfred de Vigny und Victor Hugo gleichzeitig angehörten, gehabt hatte, die aber von der Demo⸗ kratie überfluthet worden war, ſeinen Platz nicht mehr haben könne. Es iſt zugleich belehrend und auffallend, ſich daran zu erinnern, daß die erſten Begründer der romantiſchen Schule, welche zu den Misérables führen ſollte, hochſtehende Männer und Salonmenſchen waren. So wenig gleicht oft das Ende dem Beginn, die Wirkung der Urſache!

Alfred de Vigny wurde von dem Kaiſer Napoleon III. geliebt und geſchätzt. Das zeigte ſich zuerſt nach dem Staats⸗ ſtreiche vom 2. December, als Alfred de Vigny in ſeinem Schloſſe Maine Giraud in der Nähe von Angouleme eine Einladung von dem Prinz⸗Präſidenten erhielt, der eben da⸗ mals eine Reiſe machte und, wie er ſelbſt zu dem Dichter ſagte, im Zuge war,ſeinen hiſtoriſchen Roman zu machen, der den Titeldas Kaiſerreich führen werde. Als ſpäter der Kaiſer und die Kaiſerin nach Compiéègne Beſuche einluden, war Alfred de Vigny einer der erſten Literaten, dem dieſe Ehre

Zeitung.

und zu erneuern, die von ihnen verlegten Werke öfters durch Vorreden und zweifelhafte Anmerkungen beſchmutzten. Die⸗ ſer Gefahr will er für ſeine Werke vorbeugen. Louis Ra⸗ tisbonne iſt bis jetzt nur Vater zwei kleiner Töchter. Wenn ihm ein Sohn geboren wird, der ſich zum Literat ausbildet, ſo ſoll er vor ſeinem Tode das Vermächtniß unter denſelben Bedingungen auf ihn, oder einen Schwiegerſohn, oder irgend einen geachteten Literaten übertragen. So ſehr lag es Alfred de Vigny am Herzen, ſelbſt in einer fernen Zukunft ſeinen Namen unbefleckt zu erhalten. Alfred de Vigny war groß an Geiſt und Herzen und ein wahrhaft guter und edler Mann. Frankreich hat in ihm einen Schriftſteller verloren, auf den es mit Stolz zu blicken berechtigt war. C.

Die Ermordung Rizzio's.

Ueber dieſe tragiſche Epiſode im Leben der Königin Maria Stuart theilt Fronde'sHistory of England fol⸗ gende nähere Angaben mit.

Die Verſchwornen, welche des Königs Charakter kann⸗ ten, und daß er hernach eine ſchöne Prinzeſſin in ſeinen Ar⸗ men haben würde, verlangten ſeine Unterſchrift für eine an⸗ dere Verſchreibung, worin er erklärte, daß Alles, was gethan worden, ſein eigner Plan und ſeine Abſicht ſeiz und dann nach einem frühen gemeinſchaftlichen Abendeſſen folgten Ruthven, obgleich er ſo krank war, daß er kaum ſtehen konnte, mit ſeinem Bruder, George Douglas, Ker of Falconſide

zu Theil wurde. Alfred de Vigny hatte den Prinz Louis Na⸗ poleon bereits in London gekannt. Es handelte ſich zwiſchen dem Kaiſer und dem Dichter rein um perſönliche Sympa⸗ thieen, und daß von Alfred de Vigny's Seite ſeinen Bezie⸗ hungen zum Kaiſer weder Ehrgeiz, noch ein Intereſſe zu Grunde lag, zeigt ſich am deutlichſten darin, daß er ſich nicht V einmal zum Senator ernennen ließ, ſondern jeder Politik fremd blieb. Er blieb darin nur ſich ſelbſt treu, denn in Stello hatte er laut und entſchieden die Anſicht ausgeſprochen,

der Dichter müſſe der Politik gänzlich fremd bleiben. Er lebte dieſem Grundſatz gemäß; de Lamartine und Victor Hugo thaten das Gegentheil und ſie haben ſchwer dafür bü⸗ ßen müſſen, ja ſie büßen noch jetzt dafür.

Alfred de Vigny, der keine Kinder hinterlaſſen, über ſeinen literariſchen Nachlaß verfügt hat. Unter der Zahl der weni⸗ gen nähern Bekannten, welche Alfred de Vigny von Zeit zu Zeit ſah, befand ſich auch ein jüngerer Dichter, Louis Ratis⸗

bonne, der Verfaſſer derComédie enfantine, in der ſich auf jeder Seite, in jedem Verſe Poeſie und die Liebe des Fa⸗ milienvaters ausſpricht. Die Mütter können das Buch aus⸗ wendig, und es macht ihnen nicht die mindeſte Mühe, es dem Gedächtniß ihrer Kinder einzuprägen. Alfred de Vigny

ſchätzte die Comédie enfantine ſo, daß das Buch ſtets auf Eindringen zu bedeuten habe. 3 Dem Verfaſſer derſelben hat er ſeine einer Grabesſtimme, die ganz zu ſeinem Anſehn paßte, ant⸗ ganze literariſche Verlaſſenſchaft vermacht, ſo daß Louis Ra⸗ wortete Ruthven:

ſeinem Tiſche lag.

tisbonne den Verlegern und den Theatern gegenüber in alle Rechte des Verfaſſers eintritt. nur an die Bedingung geknüpft, daß er das Verlagsrecht der Werke ſtets nur für eine einzige Auflage an einen Verleger verkaufen und dabei ausdrücklich feſtſetzen ſoll, daß das Ei⸗ genthumsrecht, ſobald die Auflage vergriffen iſt, wieder an ihn zurückfalle. Keinem Verleger darf er das ganze Eigenthum dieſer

Werke, noch deren fortdauernden Beſitz verkaufen, weil au⸗ tigen Weiſe endigen laſſen. .). V g g

ßerdem die Verleger, um die öffentliche Neugierde zu erregen

ſchon zu Abend geſpeiſt habe. Er mur Schließlich müſſen wir noch erwähnen, in welcher Art ſeinen Arm um ihre Taille und küßte ſie.

Dieſes Vermächtniß hat er

und einem andern Manne Darnley in ſein Zimmer und von dort ſtiegen ſie mit angehaltnem Athem ganz leiſe die Wen⸗ deltreppe hinauf. Vor dem Cabinet hing ein Vorhang von Tapete. Seine Begleiter in dem Schlafzimmer laſſend, hob Darnley den Vorhang in die Höhe und trat ins Cabinet ein. Das Abendeſſen ſtand auf der Tafel. Die Königin ſaß auf dem Sopha; Rizzio ſaß auf einem Seſſel, derſelben gegen⸗ über, und Murray's lockere Schweſter, die Gräfin von Argyle, an ſeiner Seite; Arthur Erskine, der Stallmeiſter, Lord Ro⸗ bert Stuart, und der franzöſiſche Arzt der Königin, die den Dienſt zu beſorgen hatten, ſtanden. Darnley nahm auf dem Sopha neben ſeiner Gemahlin Platz. Sie fragte ihn, ob er Er murmelte etwas, ſchlang Als ſie halb er⸗ ſtaunt von ihm zurückfuhr, wurde der Vorhang von neuem in die Höhe gezogen, und im dunkeln Hintergrunde ſtand ganz allein die Figur Ruthven's, deſſen Cuiraß durch die Falten einer carmoiſinrothen Feldbinde glänzte, mit einer Stahlkappe auf ſeinem Kopfe und einem Geſichte, das ſo blaß war, als ſei er eben dem Grabe entſtiegen. 9

Einen Augenblick auf Darnley blickend und ſeinen Kuß mit dem einzigen Worte, Judasbeantwortend, bot Maria Stu⸗ art der ſchrecklichen Erſcheinung die Stirn und fragte, was dieſes Auüf Rizzio deutend und mit

Laſſen Sie jenen Mann herausgehen. Er iſt ſchon allzulange hier geweſen. Kſcenau hat dr getdm? antwortete die Königin.

Er iſt mit meiner Bewilligung hier. Was meint das?

ſagte ſie, ſich wieder an Darnley wendend. Das Herz dieſes

Elenden war bereits wieder wankend.Ce n'est rien! mur⸗ melte er.Es iſt nichts! Aber die, welche er in die Ange⸗ legenheit eingeweiht hatte, wollten ſie nicht in einer ſo nich

Madame, ſagte Ruthven,er

hat Ihre Ehre beleidigt. Er hat die Ehre Ihres Gemahls

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