Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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lieutenant hatten. Er beſaß ein ſchönes Pferd und wohnte auf dem Champ de Mars glänzenden Paraden bei, doch die Zeit ſich auf einem Schlachtfelde gloire zu erwerben war vorüber. Als Napoleon I. im Jahr 1815 nach Frankreich zurückkehrte, begleitete Alfred de Vigny, trotzdem daß er bei einem Sturz mit dem Pferde den Schenkel gebrochen hatte und noch nicht ganz davon hergeſtellt war, Ludwig XVIII. auf deſſen Reiſe nach Gent bis Bethune, wo der König die Compagnie, in welcher Alfred de Vigny ſtand, verabſchiedete.

Nach der zweiten Reſtauration trat unſer junger Offi⸗ cier, der während der hundert Tage in Amiens internirt ge⸗ weſen war, in die königliche Garde zu Fuß, in welcher er ſpäter zum Capitain ernannt wurde. Aber auf die Träume von kriegeriſchem Ruhm, die während der kaiſerlichen Regie⸗ rung ſeine kindliche Einbildungskraft entflammt hatten, mußte er auf immer verzichten. Je mehr er ſich davon überzeugte, um deſtd mehr wandte er ſich der Dichtkunſt zu, die ihn vor den Gemeinheiten des Garniſonlebens bewahrte und die ihm

Zeitung.

treten und als Capitain wieder ausgetreten bin, mein einzi⸗ ges Avancement nur der Anciennetät verdanke. Des Ta⸗ lents für die Intrigue gänzlich beraubt, hat Niemand meinen Namen je unter einer Bittſchrift erblickt, und das eben ge⸗ ſtürzte Miniſterium, in welchem ich Verwandte und Freunde hatte, habe ich nur um die Ruhe gebeten, die ich jetzt ge⸗ nieße. 4

Meine Werke, unvollkommene Früchte des militäriſchen Müßiggangs, ſind Eléna, Eloa, le Deluge und ſeitdem Cinq⸗ Mars. Das Erſte hat kein Verdienſt weiter als ſein Datum, das an eine Zeit erinnert, wo das Intereſſe für die Hellenen noch nicht Mode war.

Das, mein Herr, iſt das Wenige, was ich von mir weiß; das Wenige, was ich gethan habe; und das Wenige, was ich bin. Ihr ganz ergebener

20. April 1828. Alfred de Vigny.

Während de Lamartine ſeine Méditations, Victor Hugo

ſeine Odes et Ballades veröffentlichte, hatte Alfred de Viguy

ſpäter einen viel ſchönern Ruhm gewann, als der des Helden ebenfalls ganz neue Fußpfade aufgefunden, indem er unter

iſt, welcher ihn mit vergoſſenem Menſchenblut erkauft.

Aus dieſer Zeit ſtammen einige liebliche Nachahmungen

aus dem griechiſchen Alterthum, für welches er damals ſchwärmte. Im Jahr 1822 veröffentlichte er den erſten Band ſeiner Gedichte unter dem Namen Eléna, welcher dem

größten Gedichte der Sammlung entlehrt war, das er aber

ſpäter, wo er die Mängel dieſes Gedichts erkannt hatte, in

keine Auflage ſeiner Gedichte wieder aufgenommen hat.

Während der Märſche in ſeinem herumirrenden militäriſchen Leben in den Vogeſen und Pyrenäen führte er beſtändig eini⸗ ge alte Dichter und beſonders eine Bibel mit ſich herum, die ihm der nichts weniger als ein ſtrenggläubiger Chriſt war, zu einigen ſeiner ſchönſten Gedichte Moise, le Délu- ge, la Femme adultère den Stoff geliefert hat. Im Jahr 1823 erſchien von ihm ſein ſchönſtes Gedicht, Eloa, dem 1826 ſein hiſtoriſcher Roman Cing⸗Mars folgte. Von dieſer Zeit an widmete er ſich ganz der Literatur. Gegen das Ende des Jahres 1827 ſagte er dem Soldatenſtande Lebe⸗ wohl und nahm ſeinen Abſchied. Einige Monate ſpäter

wurde er ſchriftlich um nähere Angaben über ſein Leben zu

einem literariſchen Zweck erſucht, und wir theilen die hierauf von ihm ertheilte Antwort mit, weil dieſelbe gleichzeitig einige Aufſchlüſſe über ſeinen Charakter giebt. Sie lautete: Mein Herr, Mein Leben iſt ſehr einfach und ſo dunkel, daß ich da⸗ rüber verwundert bin, Jemanden zu finden, der ſich damit zu beſchäftigen wünſcht. Doch wie dem auch ſein möge, hier

folgen die nähern Angaben, um die Sie mich gebeten haben.

Sie gleichen Dienſtetats.

Das einzige übriggebliebene Kind einer ſehr zahlreichen Familie, welche durch die Revolution, in der neun meiner Oheime ihr Leben verloren haben, faſt ganz vernichtet wor⸗ den war, liebte ich aber vergebens den Ruhm und zwar den Waffenruhm. Unter dem Donner der Kanonen und den Te Deum Bonaparte's aufgewachſen, erreichte ich das Alter, wo ich einen Degen tragen konnte, erſt im Jahr 1814, alſo zu einer Zeit, wo er nutzlos geworden war. Ich ergriff ihn dennoch und trat in den Kriegsdienſt, den ich jetzt verlaſ⸗ ſen habe, weil ich es müde bin, auf die Kriege zu warten, von denen ich in meiner Jugend träumte und die meiner Ge⸗ neration verſagt zu ſein ſcheinen.

Sie können es laut ſagen, mein Herr, und es iſt das

Einzige in der Welt, worauf ich ſtolz bin, daß ich während zählt. meiner dreizehn Dienſtjahre, in die ich als Lieutenant einge⸗

der Form einer Erzählung einen philoſophiſchen Gedanken dramatiſirte und Gedichte fertigte, für welche eben ſo wenig, wie für die ſeiner beiden Nebenbuhler, Muſter vorlagen. Das zeigt ſich am deutlichſten in Eloa, das zu den ſchönſten Gedichten gehört, welche die franzöſiſche Sprache beſitzt. Eloa, ein weiblicher Engel, iſt, wie eine himmliſche Blume, aus den von dem Heilande am Kreuze vergoſſenen Thränen, die ein Seraph in einer Urne aufgefangen hat, aufgeſproſſen, und ihre Freuden, ſo lange ihre Unſchuld unverſehrt blieb, und

dann ihr Unglück und ihre Reue, nachdem ſie ſich von dem

Satan hatte verführen und in den ewigen Abgrund hinunter⸗

ziehen laſſen, werden mit einer wahrhaft dichteriſchen Begei⸗ ſterung beſungen, und die bezaubernde, ihm ganz eigenthüm⸗ liche Sprache, welche der Dichter ſich für dieſe überſinnlichen erhabenen Gefühle zu bilden verſtanden hatte, geben dieſem Gedichte einen um ſo höhern Reiz. Während einiger Jahre wetteiferten dieſe drei Dichter, welche ſämmtlich der neuen romantiſchen Schule angehörten, mit einander in der Erzeugung neuer Werke. Cinq⸗Mars antwortete auf Notre⸗Dame, Hernani auf Othello. Das letzte Stück von Shakeſpeare hatte nämlich Alfred de Vigny für die Bühne bearbeitet, und er erfreute ſich des Ruhms, daß ſein Othello das erſte Stück der romantiſchen Schule war, das auf dem Theatre frangais zur Aufführung gelangte. Mit dem kleinen reizenden LuſtſpieleQuitte pour la peur, das er 1833 ſchrieb, bahnte er einen neuen Weg, den ſpäter Alfred de Muſſet mit Glück verfolgte. Später erzählte er inStello die Leiden des Dichters, für den er nicht das Recht ſich zu tödten, wie man geſagt hat, wohl aber das zu leben in Anſpruch nahm. Dann verſetzte er(1835) ſeine beredte Vertheidigung dieſes Themas auf die Bühne und zwar in dem eben ſo einfachen, wie in ſeiner Art einzigen DramaChatterton, das von Seiten des Publicums mit großem Enthuſiasmus und vielen Thränen aufgenommen wurde. Wie ergreifend das Stück wirkte, zeigt ſich recht deutlich darin, daß der Graf Maille de Latour⸗Landry, wel⸗ ccher einer Vorſtellung deſſelben beigewohnt hatte, der Aca⸗ démie francaiſe ſofort ein Capital überwies, deſſen Zinſen alle zwei Jahre einem nothleidenden Dichter zuerkannt wer⸗ den ſollten. Faſt zu derſelben Zeit erſchien von ihm Servi- tude et grandeur militaires, worin der Dichter ſeine Erleb⸗ niſſe und Erfahrungen im Lager und in der Garniſon er⸗ Dieſe kurzen Erzählungen ſind mit einer großen Philoſophie und einer vollendeten Kunſt geſchrieben und die

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