Sterngeſäumet
Aus dem Aether
Schwebt hernieder tiefe Nacht, Alles träumet,
In den Wellen
Rauſchen Schlummerlieder ſacht.
Von dem Himmel
Goldestropfen
Fielen in den Seekryſtall:
Ein Gewimmel
Von Demanten
Flimmert in dem bleichen Strahl.
»S iſt ein Wogen
Auf und nieder,
Funkelnd leuchtet es herauf. Langgezogen
Rauſcht Getöne
Wie von Harfen ab und auf.
Wunderbare
Weiße Arme
Winken in dem Grund der See; Wellenklare
Blaue Augen
Tauchen ſehnend in die Höh'!
Seidenweiche
Volle Flechten
Steigen, ſinken mit der Fluth; Zaubergleiche
Sel'ge Freude
Lockt mit heimlich ſüßer Gluth!
Sieh! da gleitet
Unvernehmbar
Ueber'n See ein leichter Kahn; Schützend breitet
Noch der Schatten
Dunkler Berge ſich hinan!
Helle Lieder
Singt der blonde
Junge Fiſcherknab' darin; Auf und nieder
Läßt die Gondel
Er ins Gold der Welle ziehn!
Aber heißer
Glüht das Leuchten,
Voller jetzt das Rauſchen klang; Leis und leiſer
Singend, endlich
In die Fluth der Knabe ſprang.—
Novellen⸗Zeitung.
Mondgefunkel
Blitzt im weichen
Blauen Wogenbett der See; Alpen dunkel
Traumhaft ſteigen
Ernſt und ſchweigend in die Höh'!
Gefangen.
Wär' ich beſchwingt mit breiten Schwingen, Wie in der Höh' der ſtolze Aar:
Wie wollt' ich jubelnd es entfalten,
Mein luftgewohntes Flügelpaar!
Wie wollt' ich durch die Wolken ſchlagen Und Schatten werfen in das Thal,
Mit goldnem Mantel mich bedecken
Im morgenhellen Sonnenſtrahl!
Woher an Wolk⸗ und Vogelflügen
Die heiße nimmerſatte Luſt?
Wohl biſt du ein gefangner Adler, Du Seele in der Menſchenbruſt!
An die Nacht.
O komm, du dunkle Prieſterin,
Du mit dem tiefen Sternenaug',
Du mit dem milden Mutterſinn,
Du mit des Traums Verſöhnungshauch!
Wie ernſt du an den Bergen lehnſt! Hörſt, wie die Erde Athem holt, Und deine Götterruh' du dehnſt Aufs Land und auf der Flüſſe Gold.
Tritt ein zu mir, ſo heiß erfleht,
Bring' Ruhe mir, Allmutter Nacht;
Der Schmerz hat mir den Schlaf verweht Mich um Vergeſſenheit gebracht.
Leg' deinen Schleier mir um's Haupt, Falt' mir die Hände zum Gebet, Und aus den Kränzen, mohnbelaubt, Sei tiefſter Schlaf mir zugeweht!
Des Geiſtes Wellen bring' zur Ruh', Zur Ruh' des Herzens heißen Schlag, Die tiefen Quellen decke zu,
Darin kein Frieden wohnen mag.


