Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
104
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Sterngeſäumet

Aus dem Aether

Schwebt hernieder tiefe Nacht, Alles träumet,

In den Wellen

Rauſchen Schlummerlieder ſacht.

Von dem Himmel

Goldestropfen

Fielen in den Seekryſtall:

Ein Gewimmel

Von Demanten

Flimmert in dem bleichen Strahl.

»S iſt ein Wogen

Auf und nieder,

Funkelnd leuchtet es herauf. Langgezogen

Rauſcht Getöne

Wie von Harfen ab und auf.

Wunderbare

Weiße Arme

Winken in dem Grund der See; Wellenklare

Blaue Augen

Tauchen ſehnend in die Höh'!

Seidenweiche

Volle Flechten

Steigen, ſinken mit der Fluth; Zaubergleiche

Sel'ge Freude

Lockt mit heimlich ſüßer Gluth!

Sieh! da gleitet

Unvernehmbar

Ueber'n See ein leichter Kahn; Schützend breitet

Noch der Schatten

Dunkler Berge ſich hinan!

Helle Lieder

Singt der blonde

Junge Fiſcherknab' darin; Auf und nieder

Läßt die Gondel

Er ins Gold der Welle ziehn!

Aber heißer

Glüht das Leuchten,

Voller jetzt das Rauſchen klang; Leis und leiſer

Singend, endlich

In die Fluth der Knabe ſprang.

Novellen⸗Zeitung.

Mondgefunkel

Blitzt im weichen

Blauen Wogenbett der See; Alpen dunkel

Traumhaft ſteigen

Ernſt und ſchweigend in die Höh'!

Gefangen.

Wär' ich beſchwingt mit breiten Schwingen, Wie in der Höh' der ſtolze Aar:

Wie wollt' ich jubelnd es entfalten,

Mein luftgewohntes Flügelpaar!

Wie wollt' ich durch die Wolken ſchlagen Und Schatten werfen in das Thal,

Mit goldnem Mantel mich bedecken

Im morgenhellen Sonnenſtrahl!

Woher an Wolk⸗ und Vogelflügen

Die heiße nimmerſatte Luſt?

Wohl biſt du ein gefangner Adler, Du Seele in der Menſchenbruſt!

An die Nacht.

O komm, du dunkle Prieſterin,

Du mit dem tiefen Sternenaug',

Du mit dem milden Mutterſinn,

Du mit des Traums Verſöhnungshauch!

Wie ernſt du an den Bergen lehnſt! Hörſt, wie die Erde Athem holt, Und deine Götterruh' du dehnſt Aufs Land und auf der Flüſſe Gold.

Tritt ein zu mir, ſo heiß erfleht,

Bring' Ruhe mir, Allmutter Nacht;

Der Schmerz hat mir den Schlaf verweht Mich um Vergeſſenheit gebracht.

Leg' deinen Schleier mir um's Haupt, Falt' mir die Hände zum Gebet, Und aus den Kränzen, mohnbelaubt, Sei tiefſter Schlaf mir zugeweht!

Des Geiſtes Wellen bring' zur Ruh', Zur Ruh' des Herzens heißen Schlag, Die tiefen Quellen decke zu,

Darin kein Frieden wohnen mag.