Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
103
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Uierte

ſchmaler, einen halben Fuß langer Strahl, bis nach einer halben Minute etwa das ganze Inſtrument mit einem heftigen Knalle zerplatzte.

Die Soldaten waren verſteinert, ſie waren todten⸗ bleich geworden. Sie blickten nach den düſtern Ma⸗ gazinen, die, wenn den Engländern dieſer furchtbare Handſtreich gelang, in dieſem Augenblicke, einen Theil des Lagers mit fortreißend, zum Himmel hinange⸗ ſprengt wären.

Dies eiſige Erſtarren der Soldatengruppe ward durch Davouſt unterbrochen, welcher mit dem Ordon⸗ nanzofficier des Kaiſers, Lariboiſſière, zu Pferde die gewöhnliche Runde machte. Davouſt ließ ſich die Urſache dieſer ſeltſamen Scene erzählen. Er ſprang vom Pferde, faßte den Oberſten vor die Bruſt und verhörte ihn.

Und die Engländer! Dieſe Teufel aus dem Abgrunde... Wo haſt Du ſie, Mann?

Es fehlte wenig, ſo hätte der General den Ober⸗ ſten erſtochen, als dieſer geſtand, daß ſie fort wären, und daß er in ſeiner Beſtürzung an die Urheber die⸗ ſes ſchändlichen Planes noch nicht gedacht habe.

Napoleon wüthete, als er dieſen Rapport, faſt gleichzeitig mit der Nachricht von dem Verluſte der unglücklichen Schaluppe Victor's empfing.

Victor und Joſeph, von der Fregatte auf eine Peniche abgeſetzt und von dieſer an's Land befördert, befanden ſich in einer HafentaverneA l'ancre d'or. Sie ſaßen an einem Tiſchchen einander gegenüber und ſchienen in dieſer furchtbaren Nacht um fünf Jahr älter geworden zu ſein. Beide ſtierten, ohne ein Wort zu ſagen, in ihre unberührt ſtehenden Punſchgläſer und waren augenſcheinlich noch nicht wieder zur Beſtnnung gekommen. Daneben waren die jungen Seeleute faſt taub von der Exploſion der Vierundzwanzigpfünder der engliſchen Fregatte.

Man kann leicht ermeſſen, wie dieſe beiden tapfern, geſtern Abend noch ſo überglücklichen Unglücksvögel von folgendem Befehle des Commodore's berührt wurden, welchen ihnen ein Marineſergeant ehrfurchts⸗ voll einhändigte:

Auf Ordre Sr. M. des Kaiſers ſind der Scha⸗ luppencapitain Victor de Ruailles und der Schiffs⸗ lieutenant Joſeph Franceschi bis auf weiteren Befehl von ihren Functionen entfernt. Beide haben ſich morgen um acht Uhr früh an Bord der Corvette Nitesse en grande tenue zu melden. Der Flaggen⸗ capitain: Desjardins.

P. S. Ihren Unſtern, Herr de Ruailles, auf⸗

richtig beklagend, füge ich zu Ibrer Nachricht hinzu,

daß Sie über das Schickſal Ihrer Schaluppe und über die Aufſtellung der Ihnen untergeordnet gewe⸗

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ſenen Fahrzeuge ein rigoroſes Verhör zu beſtehen haben werden. Man klagt Sie an, den Verluſt der Nr. 10 A. dadurch veranlaßt zu haben, daß Sie ſich ohne höhern Befehl aus der Schußweite unſrer Wacht⸗ ſchiffe entfernten und Ihr Auslaufen von der Rhede nicht ſignaliſirten. Wenn es ſich ausweiſen ſollte, daß die beiden engliſchen Spione, welche heute früh unſre Pulvermagazine in die Luft zu ſprengen ver⸗ ſuchten, während Ihres Engagements mit dem Eng⸗ länder durchſchlüpften und an's Land kamen: ſo werden Sie wegen Ihres unbedachten Avancirens noch eine Anklage mehr zu entkräften haben. Desjardins.

Victor rieb ſich einigemal die Ohren, um ſeine eignen Worte, wie ſonſt, vernehmen zu können, und las dann mit unterdrückter Stimme dem Freunde den Brief vor.

Franceschi ſprang, plötzlich wieder zu ſeiner alten Lebhaftigkeit erwachend, in die Höhe.

Wir ſind alſo heute frei, mein theuerſter Freund? rief er.Gut, ſehr gut! Wieviel Geld beſitzen wir?

Victor griff mechaniſch in die Taſche und brachte zwei Fünffrankenthaler hervor.

Zwei Thaler alſo... Das genügt, um auf ei⸗ nige Stunden ein gutes Boot zu miethen...

Ein Boot miethen? fragte Vietor ſchleppend. Aber was haſt Du denn?

Mordious! Einen guten Gedanken! rief der Gascogner, indem er mit der geballten Fauſt einen Hieb auf den Tiſch führte.(Fortſetzung folgt.)

Gedichte von A. v. B.

Atterſee.

Mondgefunkel

Blitzt im weichen

Blauen Wogenbett der See; Alpen dunkel

Traumhaft ſteigen

Ernſt und ſchweigend in die Höh.

Blüthenduftig

Wehn die Winde,

Weben Schleier auf der Fluth; Leis und luftig

Wallen Zauber

In der maiennächt'gen Fluth.