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ſchreiben. Uebrigens konnte der König ſich mit vollem Recht als Literat unterzeichnen, denn er hat erſt kürzlich eine neue Sammlung von Gedichten veröffentlicht, von denen ein Theil ins Franzöſiſche überſetzt worden iſt. C.
Miscellen.
Man hat ſonderbare Vorherſagungen des traurigen Todes Heinrich's IV. von Frankreich aufgezeichnet. Man⸗ ches davon würde unglaublich ſeyn, wenn nicht viele Ereig⸗ niſſe durch gerichtliche Acten beſtätigt würden. So unter andern zu Pau, der Hauptſtadt von Bearn, dem Geburts⸗ orte dieſes Königs. Der Blitz fuhr am Morgen des Ta⸗ ges ſeiner Ermordung an dem Schloßthore hin, über dem das Wappen des Monarchen eingehauen war, und ſchlug die Buchſtaben ſeines Namens heraus, welche zu beiden Seiten des Schildes ſtanden. Nachmittags, als die Heerde von der Weide kam, ſtürzte ſich ein Stier, der zu Unterſchei⸗ dung von denjenigen, die in die Stadt gehörten, der König genannt wurde, in den Schloßgraben, ohne von jemand gereizt zu ſein, und war auf der Stelle todt; gerade zu derſelben Stunde, in der die Gräuelthat zu Paris vorfiel.
Als ſich Friedrich der Große bei ſeinem Regierungsan⸗ tritt in Schleſien huldigen ließ, erhob er der hergebrachten Gewohnheit gemäß verſchiedene Perſonen in den Adelſtand. Einige Jahre darauf ritt ihm einer dieſer Neugeadelten bei ſeiner Revüereiſe in Schleſien vor, und unterließ nicht, ſich dem Könige ſo lange zu präſentiren, bis dieſer auf ihn auf⸗ merkſam wurde.„Wer iſt Er?“ fragte der Monarch.„Ich bin einer von denjenigen, welche Eure Majeſtät bei der ſchle⸗ ſiſchen Huldigung in den Adelſtand zu erheben die Gnade gehabt haben.“„Die erſte Probe iſt ſchlecht gerathen,“ erwi⸗
derte Friedrich.
Kleine Kritiken. Geſchichte der Tonkunſt. Ein Handbüchlein für Muſiker und Muſikfreunde von Paul Frank. Leipzig, 1863.
Verlag von Carl Merſeburger.
An kleinen Geſchichten der Muſik, die als eine über⸗ ſichtliche, leichtfaßliche Darſtellung gelten können, iſt ſo be⸗ deutender Mangel, wie an guten größern; beſonders darf den vielen Dilettanten mit einer kurzen Ueberſicht gedient ſein. Allerdings wäre es praktiſch geweſen, wenn das vor⸗ liegende Handbuch hierin nicht das Aeußerſte zu leiſten ver⸗ ſucht hätte, denn 270 Seiten bieten für das Nothwendige einen gar zu beſchränkten Raum. Viele neuere Erſcheinun⸗ gen und Perſönlichkeiten haben daher weniger Beachtung gefunden, als ihnen ihrer Bedeutung nach vergönnt werden mußte.
Uebrigens ſind die Urtheile des Verfaſſers möglichſt objectiv, und um nicht durch Parteinahme das Gerechtigkeits⸗ gefühl zu verletzen, läßt er über fragliche Richtungen gewöhn⸗ lich zwei verſchiedene Stimmen Anderer reden. Dies hilft ihm auch über die Zukunftsmuſik beſtens hinweg.
Immer wieder wird es bedauernswerth klar, wie we⸗ nig Leſer muſikaliſche Schriften haben, ſo zahlreich auch
Novellen⸗
Seitung.
ſonſt die Freunde der Muſik ſind. Bei Gelegenheit Robert Schumann's erwähnt der Verfaſſer auch die neue Leipziger Zeitſchrift für Muſik, welche wohlverdienten Ruf und eine bedeutende Wirkung erreicht hat.„Zunächſt,“ heißt es,„be⸗ theiligten ſich an der neuen Zeitſchrift für Muſik, außer Schumann ſelbſt, Julius Schunke, Julius Knorr und Fried⸗ rich Wieck; bald darauf der Liedercomponiſt und Muſikäſthe⸗ tiker Carl Bank, der auch einen Theil der ſchweren Redacti⸗ onsgeſchäfte übernahm. Der friſche Geiſt, der aus jedem
Aufſatze des neuen Blattes wehte, führte dem Unternehmen
in Kurzem lebhafte Betheiligung zu, ſo daß Schumann ſchon nach einigen Monaten an einen Freund ſchreiben konnte: „Prag allein zieht mit 50, Dresden mit 30, Hamburg mit 20 Exemplaren davon!“ Wenn ſich dieſe Zahlen nun in gleichem Maßſtab geſteigert hätten, ſo könnte man wohl mit einem ſolchen Abſatz zufrieden ſein; bedenkt man aber, daß die beſte Muſikzeitung in Deutſchland ſchon bei 6, höchſtens 800 Exemplaren ein faſt beiſpielloſes Maximum erreicht hat, und erwägt man ferner, daß in den Feullletons der poli⸗ tiſchen Zeitungen und Wochenſchriften außer Operbeſpre⸗ chungen nur ſehr wenig Specielles über Muſik zu finden iſt, ſo muß man die Frage aufwerfen: was denn eigentlich die unzählbaren deutſchen Muſikliebhaber, Geſangvereins⸗Mit⸗ glieder und ſelbſtthätigen Dilettanten zur Belehrung über ihre Lieblingsmaterie leſen? Auf eine anſtändige Beant⸗ wortung dieſer Frage wartet man in unſrer Gegenwart bis heute noch vergeblich..
Shakeſpeare⸗Album, von O. E. R. Alberti. Berlin, 1864. C. G. Lüderitz'ſche Verlagsbuchhandlung. A. Chariſius.
Die hundertjährige am 23. April 1864 zu begehende Jubelfeier von des großen Weltdichters Geburt bringt bei Zeiten alle möglichen Gelegenheits⸗Werkchen zum Vorſchein. Herr Alberti hat ſich hier die Aufgabe geſtellt,„eine Perlen⸗ ſchnur zu flechten, welche aus Shakeſpeare's Dichtungen ge⸗ nommen iſt, um den Kern ſeiner Welt⸗ und Lebens⸗Anſchau⸗ ung, wie ſie in ſeinen Werken zerſtreut liegt, hervorzuheben und denen, die oft beim Leſen des großen Dichters durch die Tiefe und Erhabenheit jenes Genius zur Bewunde⸗ rung ſich hingeriſſen gefühlt, eine theure Erinnerung an ihn zu gewähren, ja ihnen ein lieber Wegweiſer durch das Leben zu werden.“
Dies Unternehmen hat natürlich, wie manches ähnliche oft dageweſene, ſeine ideelle und praktiſche Berechtigung. Die Auswahl iſt eine knappe, was gelobt zu werden ver⸗ dient, und das kleine Büchelchen von kaum 200 Seiten ent⸗ hält außerdem ein chronologiſches Verzeichniß über die Werke des Poeten und einen kurzgefaßten Umriß von deſſen Leben, über das wir leider ſo wenig wiſſen. B
Shakeſpeare. Lebensweisheit aus ſeinen Werken ge⸗ ſammelt von Auguſt Corrodi. Winterthur, Verlag von Guſtav Lücke, 1863.
Dieſes Werkchen iſt bei faſt gleicher Tendenz noch be⸗ deutend kürzer als das vorige und etwas allgemeiner gehal⸗ ten. Es bringt zugleich einige Stimmen bedeutender Auto⸗ ritäten über Shakeſpeare, wie z. B. die Ausſprüche Goethe's, Herder's, Schlegel's u. ſ. w. Beide Büchelchen dürften ſich für den Leſer gegenſeitig ergänzen. O. B.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Otle Friedrich Dürr in Leipzig.— Verlag
der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von u. Edelmann in Leipzig.


