Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
95
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Vierke

4 Seid Ihr denn immer nur groß im Verpaſſen,

Wo ſich günſt'ge Momente nur blicken laſſen? Freut Euch doch, daß das Machwerk zerriſſen, 1 Daß Ihr ſeid ledig mit gutem Gewiſſen, Daß die Brüder von Schleswig und Holſtein Endlich vom fremden Joch können frei ſein, Endlich können im engen Verein Jetzt mit Deutſchland verbunden ſein. Heißt ſie freudig und herzlich willkommen, Schüret die Gluth, die mächtig erglommen, Und, wenn es nöthig noch, ſchlaget darein, Um die Brüder ganz zu befrei'n. Laßt nur um Worte das Disputiren, Obbeſetzen, oboccupiren, Aber nur gründlich exequiren Und die Trennung für immer vollführen, Auch den däniſchen Hochmuth curiren, DieTapperen*) alle zum Teufel ſpediren. Manche reden von Iſoliren! Wie darf das meine Preußen geniren, Zumal, wenn ſich alle Deutſchen alliiren? Da, wenn die Welt auch voll Teufel wär', Schlägt ſie das preußiſch⸗deutſche Heer! Sucht Ihr aber den Frieden zu ſehr, Trifft Euch der Krieg bald doppelt ſchwer! Was auch das Ausland ſchreibet und ſpricht, Kehrt an die Fremden durchaus Euch doch nichte Was denn will England? Höchſtens vom Meer Droht's durch die Flotte Euch Schaden daher, Aber es wird ſich beſinnen gar ſehr, Weil unſer Schaden ſein eigener wär'. Fürchtet Ihr Rußland? O blickt doch auf Polen! Dort kann der Däne die Hülfe nicht holen. Schweden deſſen ſchon ſicher ſo ganz Unſer Feind war zur Allianz, Schweden, an ſich nicht gefährlich gar ſehr, Will von dem Bündniß nichts wiſſen mehr. Und in Frankreich der mächtige Kaiſer, Der iſt vor allen Regenten ein weiſer! Nicht wird er ſtürzen das eig'ne Syſtem, Das ihm beim Stimmen war ſo bequem, Und da die Nationalität Stets noch bei ihm im Anſehen ſteht. Außerdem iſt ihm das Herz gar voll. Ganz in der Stille von mächtigem Groll, Weil ſich England nicht wollen bequemen An dem Congreſſe Theil zu nehmen. Warnt man Euch aber vor argen Gefahren, Vor Revolution und Freiheits⸗Schaaren, Vor dem Brauſen des Volkes und Umſturz der Staaten, So laßt Euch dadurch nicht übel berathen! Vielen iſt Preußen im Auge ein Dorn, Lieber iſt's ihnen hinten als vorn. Gerun verächtlich möchten ſie's machen, Um ſich dann in das Fäuſtchen zu lachen, Wenn es verachtet in's eigene Grab, Das ſich's gegraben, ſtürzt jählings hinab. Käme zur Herrſchaft ein Fürſt im Norden, Der wohl zu Preußens Genoß einſt geworden, Der wohl gar ob der Succeſſion

*) Dieſer Ausdruck bezieht ſich auf die von den Dänen ſo geprieſenen 4 tapfern(tappern) Land⸗Soldaten ihres Heeres.

Kolge. 95

Schon ſich verſtände zur Convention:

Nun, ſo wäre das Manchem ſo gräulich,.

Daß ſelbſt dasLegitime dies Mal nicht heilig.

Drum laßt Euch irren auf keinerlei Art;

Klar iſt das Recht es werde bewahrt

Nimmer dulde der Preuße die Schande,

Stücke zu trennen vom deutſchen Lande,

Brüder zu ſcheiden vom deutſchen Stamm,

Die im Norden ein mächtiger Damm!

Wollt Ihr die Führer in Deutſchland ſein,

Preußen, dann vor in die erſten Reih'n,

Drauf mit muthigem Beiſpiel voran,

Eh' zum Handeln die Zeit verrann.

Muthig und kühn! Eh' die Fremden nah'n,

Muß ſchon das Werk ſein völlig gethan!

Denkt nur an mich, wie ich mußte ſtreiten

Gegen die Feinde von allen Seiten,

Wie ich ſah ſie wie Pilze wachſen,

Ruſſen, Oeſtreicher, Franken und Sachſen.

Aber drauf ging es mit preußiſchem Muth,

Und leider floß auch viel edeles Blut,

V War der Erfolg doch herrlich und gut. Nirgends in Deutſchland hatt' ich Genoſſen, 1

Keiner hatte ſich angeſchloſſen,

Aber Euch von Trieſt bis zum Belt

Schützt die begeiſterte deutſche Welt.

Gilt es, ſo hebt, wo Deutſche nur wohnen,

Furchtbar ein Heer ſich von Millionen!

Geht Ihr jetzt nicht kühn in den Streit,

Habt Ihr verſpielt für die Ewigkeit!

ſichtbar, ein Vertrauen welches jeder nationalen Geſinnung Ehre macht. Leider wurde der Verfaſſer darin getäuſcht, wie ſich auch Friedrich der Große bitter getäuſcht fühlen würde, wenn es ihm plötzlich vergönnt wäre, wieder auf das politiſch ſo ſteril und klein gewordene Terrain zu treten, wel⸗ ſches er als Held und Staatsmann für eine große ehrenvolle Zukunft fruchtbar gemacht hatte..

Ein Literat.

Ein Stockholmer Correſpondent desPhare de la Loire theilt dieſem Blatte die folgende Anekdote mit, für deren Richtigkeit er ſich verbürgt.

Im vorigen Monat ſtiegen eines Abends in Calmar im beſten Hotel der Stadt zwei Reiter ab, um dort Quartier

zu nehmen. Der Beſitzer des Hotels, welcher anfangs gegen die beiden Gäſte ſich ſehr aufmerkſam und zuvorkommend bewies, konnte eine leichte, unwillige Miene nicht unterdrücken, als er ſah, daß der Aeltere von ihnen ſich alsKarl, Literat ins Fremdenbuch einſchrieb. Die beiden Reiſenden verließen V am folgenden Tage das Hotel, aber am Abend deſſelben Ta⸗ ges brachte ein Ordonnanz⸗Officier dem Beſitzer des Hotels V folgendes Billet: Mein Herr, ich hatte mir vorgenommen, eine Woche lang in Calmar zu bleiben, doch da ich zu bemerken geglaubt habe, daß Sie ſich nicht für ſehr geehrt hielten, einen Litera⸗ ten zu beherbergen, ſo bin ich nach Stockholm zurückgekehrt. Das Billet war unterzeichnet:Karl, Literat und König von Schweden. Die Beſtürzung des Wirths läßt ſich natürlich nicht be⸗

Immer noch iſt zwiſchen den Zeilen dieſer Anſprache das Vertrauen des Verfaſſers zum beſſeren preußiſchen Geiſte

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