Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
92
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Novellen⸗Zeitung.

finden, ſo iſt das eine ſpendable Gewaltthätigkeit, lich, es habe Jemand durch den Antrieb eines un⸗ die über die Grenzen des Gegenſtandes hinausgeht. widerſtehlichen inneren Dranges, oder durch lange Das eigentliche, urſprüngliche Feuilleton beſtand im- und ernſte Studien das echte Talent eines Römers mer nur auskurzer Waare der Schriftſtellerei, aus erworben. Eines ſchönen Tages nun begiebt er ſich Nippesgegenſtänden des Raiſonnements, aus künſtlich zu dem Director eines Theaters und redet ihn etwa gezogenen, gewaltſam zur Blüthe gebrachten Minia⸗ folgendermaßen an:Mein Herr, Sie ſtehen an der tur⸗Zimmerpflanzen, die für den Blumentiſch keines Spitze eines dramatiſchen Inſtituts, deſſen Stärke Salons zu groß und läſtig waren. Neben dieſer und Schwäche mir ſehr wohl bekannt iſt. Sie haben niedlichen, plauſibeln Miſerabilität hielt aber das noch Niemand, der die Leitung des Erfolges über⸗ echte Feuilleton noch die Eigenſchaft feſt, durch Klat- nimmt; vertrauen Sie mir dieſelbe an. Ich biete ſchereien, perſönliche Liebkoſungen und perfide An⸗ Ihnen 20,000 Francs baar und eine Rente von griffe, ſo wie durch öffentliche Räucherungen im 10,000 Francs.Ich verlange 30,000 Francs Dienſte einer beſtimmten Coterie die geſelligen ge⸗ baar, antwortet gewöhnlich der Director.Nun bildeten Kreiſe anzuregen und ihnen in dieſer aller⸗ dann meinetwegen, erwidert derRömer,das Ge⸗ dings hoͤchſt eigenthümlichen WeiſeBelehrungen und ſchäft ſoll nicht darunter leiden, ich werde Ihnen Unterhaltungen für Geiſt und Gemüth darzubringen. morgen noch die 10,000 Franes bringen.Sie

Wenn wir manche dieſer Schwächen vom ſtren⸗ haben mein Wort, ſagt der Director,aber ich ver⸗ geren deutſchen Literaturſtandpunkte aus in den Schrif⸗ lange 100 Leute für die gewöhnlichen Vorſtellungen ten von Berlioz finden, ſo muß doch anerkannt wer⸗ und mindeſtens 500 für alle erſte und für die wich⸗ den, daß er den Fehlern der Parteilichkeit keineswegs tigern Debuts.Sie ſollen ſie haben und mehr diente, ſondern ſich im Grunde redlich und aufrichtig noch. der Sache hingab, nur die légere Form der moder⸗ Nach unterpfändlicher Sicherſtellung ſeines Am⸗ nen Richtung entlehnend. Durch ſein vorwaltendes tes gelingt es dem Chef des Erfolges, dem Kaiſer der ſatiriſches Element nimmt er ſogar eine ſtrafende, Römer leicht, ſeine Armee durch Haarkräuslergehülfen, rigoriſtiſche Stellung ein und enthüllt ſchonungslos reiſende Commis, arme Studenten, überzählige Cho⸗ die zahlreichſten, nicht von Aller Augen geſehenen riſten u. ſ. w., welche eine Paſſion für das Theater Krebsſchäden des Theaterlebens und Concertſaals. haben, zu rekrutiren. Zum Rendezvous wählt er

Nicht alle Züge ſeiner halb kritiſchen, halb no⸗ gewöhnlich ein wenig bekanntes Café oder eine Ta⸗ velliſtiſchen Erzählungen paſſen auch zugleich für bagie zunächſt dem Mittelpunkt ſeiner Operationen. Deutſchland; doch wenn wir uns freuen dürfen, das Dort häͤlt er Heerſchau über ſeine Mannſchaft, theilt Gift aller möglichen Zerſetzungen noch nicht bei uns hier ſeine Befehle aus und Billete für Parterre und heimiſch zu ſehen, ſo wollen wir doch nicht zu ſtolz zur dritten Gallerie, für welche die armen Teufel und ſicher auf unſere noch ehrlichern Zuſtände blicken 30 und 40 Sous oder weniger bezahlen, je nach der und pochen. Auch ſie werden nach und nach immer Stufenleiter der Verwendung. Nur die Lieutenants mehr von der ſittlichen Verderbniß der öffentlichen erhalten ſtets Freibillete; an wichtigen Tagen werden Kunſtinduſtrie beſchlichen, und wir beſitzen in unſern ſie ſogar von ihrem Chef bezahlt. Ja, oft iſt die deutſchen Reſidenzſtädten ſchon hier und da in klei⸗ Noth an Mannſchaft bei wichtigen Veranlaſſungen nerem Maßſtabe die Anfänge zur vollendeten Pariſer ſo groß, daß die Perſon mit drei Francs und einem Corruption. Glas Branntwein bezahlt werden muß.

So theilt Berlioz ſehr ſeltſame Details über die In einem ſolchen Falle kommt aber derKaiſer organiſirte Pariſer Theaterclaque mit, ein Inſtitut, nicht blos in Beſitz von Parterre⸗Billeten, ſondern das auch in Deutſchland anfängt, bedenkliche Fort- in ſeine Taſche fallen auch Parquet⸗Billete und zwar ſchritte zu machen. in unglaublicher Menge. Einer der Künſtler, wel⸗

Der römiſche Kaiſer Nero organiſirte zuerſt eine cher in dem neuen Stücke auftritt, wünſcht ſich aus⸗ Menſchenzunft, welche die Verpflichtung hatte, ihm nahmsweiſe berückſichtigt zu ſehen und bietet dem Beifall zu klatſchen, wenn er öffentlich als SängerKaiſer einige Billete an. Dieſer entgegnet ihm auftrat. Daher kommt es, daß man heut zu Tage mit der kälteſten Miene von der Welt, indem er eine in Paris den Beifallsſpendern von Profeſſion, Handvoll dieſer viereckigen Papierſtücke aus ſeiner gemeinhin Claqueurs genannt, den Blumenwer⸗ Taſche hervorholt:Sie ſehen, es fehlt mir nicht daran. fern, im Allgemeinen allen Veranſtaltern vonEr⸗ Was ich für dieſen Abend brauche, ſind Leute, und folgen, kurz Allen, die inEnthuſiasmus machen, die muß ich bezahlen. Der Künſtler begreift die den TitelRömer ertheilt hat. Angenommen näm⸗ Anſpielung und drückt dem Cäſar eine Lumperei von