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Vierte Folge.
war von jeder Uebertreibung und Verzierung frei. Jede ſeiner Reden konnte, wie ſie von ſeinen Lippen ſtrömte, dem Druck übergeben und ſchwerlich irgend einer Verbeſſerung unterworfen werden. Nichts deſto⸗
weniger war es hohe Beredſamkeit, doch weit mehr
klar und lichtvoll als glänzend, ſcharfſichtig, aber nicht elektriſirend. Eben deshalb aber eignete ſich Lord Lyndhurſt weit beſſer für das Oberhaus, als Lord Brougham, der dagegen im Unterhauſe weit mehr an ſeinem Platze geweſen ſein würde. Was dem Lord Lyndhurſt dabei ſehr zu ſtatten kam, war ſeine wundervolle Stimme und ſeine deutliche und melodiſche Ausſprache ohne irgend eine ſcheinbare Anſtrengung, was auf ſeine Zuhoͤrer einen Zauber ausübte, der nicht ſo bald vergeſſen werden und in gleicher Vollkommenheit ſchwerlich wieder gehört wer— den wird.
Es erſcheint wirklich als ganz ſonderbar, daß ſeine größten Anſtrengungen im Oberhauſe, ſeine be— rühmten Rundſchauen am Ende jeder Sitzungsperiode im Anfange von ſeinem wähleriſchen Auditorium ziem⸗ lich kalt aufgenommen wurden. Die Idee zu ſeinem erſten Ueberblicke hatte ihm Disraeli gegeben, und
ſie wurde von ſeiner ſcharfen Auffaſſungskraft ſofort
als die rechte Sache im rechten Augenblick erkannt. Die Ausführung derſelben bewies ſich ſogleich im
Lande elektriſirend, wenn ſie auch im Oberhaus im
erſten Augenblick ſich nicht ſo wirkſam gezeigt hatte.
Was nun den perſönlichen Charakter des Lord
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ſchichte eine ehrenvolle Stelle beibehalten, und noch in ſpäten Zeiten wird man ſich ſicher des Staats⸗ mannes erinnern, dem es vergönnt war, noch im Alter von 90 Jahren im Oberhauſe als Redner zu glänzen. C.
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Die Schriften des Hector Berlioz. Auto⸗ riſirte dentſche Ausgabe von Richard Pohl. Leipzig, Guſtav Heinze.
Selten werden Sie einen modernen Kritiker und Feuilletoniſten gefunden haben, der ſich mit ſo be⸗ weglichem Sinn, ja mit ſo viel novelliſtiſchem Ta— lent leicht und ſpirituell in ſeine mannigfaltigen Aufgaben hineinzuarbeiten vermochte, wie Berlioz. Er widmete ſich ganz und gar in ſeinen launevollen Stunden der Charakteriſtik des modernen Muſik⸗ und veſonders Theatertreibens, und da er in Paris lebte, machte er auch Paris ſelbſtverſtändlich zum Mittel⸗
punkt ſeiner Beobachtungen,— ein Beſtreben, das wir uns lieb ſein laſſen können, indem das franzöſi⸗ ſche Babylon noch lange das intereſſanteſte, tonange⸗ bendſte Terrain für das öffentliche Treiben bleiben wird.
Es iſt ungemein amüſant, wie ſehr ſich der be⸗
Lyndhurſt anbetrifft, ſo war er ſo muthig und ent⸗ wegliche Journaliſt in die tiefſte Fäulniß des repro⸗ ſchloſſen, wie nur irgend ein Mann ſein kann, dabei ducirenden Künſtler- und Virtuoſenthums als Sa⸗ war er aber entſchieden verſöhnlich, mild und jedes tiriker hineingelebt hat, und es iſt zu gleicher Zeit Grolles unfähig. Sogar einer ſeiner entſchiedenen auch imponirend, welchen Grad des Faiſeurthums, Gegner ertheilte ihm das Zeugniß, daß, nach ſeiner der Speculation, der innern Hohlheit, der glänzenden Ueberzeugung, kein Mann freier von ſchlechten Be⸗ Charlatanerie jene öffentlichen Zuſtände erreicht haben. wegungsgrüͤnden und unabhängiger von ſchmutzigen Berlioz läßt ſeine Leſer ſelbſt da, wo ſie es nicht Einflüſſen geweſen ſei als Lord Lyndhurſt. Er war ahnen und auch nicht erwarten, überall hinter die ein großer, freier, klarer Geiſt, der den Tadel, den letzten Couliſſen blicken. Seine Darſtellungen ſind
ſeine politiſchen Gegner ſo vielfach gegen ihn erho⸗ ben, nicht verdiente, und er wird in dem Andenken
leichtfertig, oft ein wenig outrirt, ja nicht ſelten ge⸗ ſchmacklos; aber ſie verſöhnen ſtets durch einen an⸗ genehmen Anflug von Humor und durch den Eindruck
des engliſchen Volkes als ein Ehrenmann fortleben.
Lord Lyndhurſt war zweimal vermählt. Nach eines anſpruchsloſen flüchtigen Auftretens. So cha⸗ dem Tode ſeiner erſten Gemahlin, deren große Schön⸗ rakteriſiren ſie vollkommen den Begriff des Feutlleto⸗ heit wir bereits erwähnt haben, vermählte er ſich am V nismus. Man braucht nicht hinzuzufügen, des mo⸗ 5. Auguſt 1837 mit Miß Goldſmith, der Tochter des dernen Feuilletonismus, denn es giebt keinen andern; bekannten jüdiſchen Banquiers, die aber vorher zur Feuilleton wird immer nur heißen: Allgemeiner gei⸗ anglicaniſchen Kirche übertrat und ſich taufen ließ. ſtiger Futterkaſten; italieniſcher Salat aus literari⸗ In beiden Ehen wurden ihm Kinder geboren, doch ſchen Ueberreſten oder ſolchen Anläufen beſtehend, die da von denſelben nur noch drei verheirathete Töchter nicht ausreichend waren, daraus ein tüchtiges, ſelbſt⸗ und kein Sohn am Leben ſind, ſo iſt die ihm ertheilte ſtändiges Gericht zu machen. Wenn wir heute oft Peerswürde und ſein Name mit ihm erloſchen; doch ganze Novellen oder gar Romane in den belletriſti⸗ der Letztere wird in den Annalen der engliſchen Ge⸗ ſchen Bettelſack des ſogenannten Feuilletons geworfen


