78 Novellen⸗ZJeitung.
gen Kelch zu Mainz, den Schrein Unſerer Lieben Frau, den Friedrich der Rothbart dem Kölner Dom ſchenkte, den Schrein der heiligen drei Könige zu Köln, den goldenen tragbaren Altar in der Königskapelle zu München und das ſilberne Grabmal Heinrich's des Freigebigen, Grafen der Cham⸗ pagne, der 1180 geſtorben iſt. Dieſes Grabmal iſt während der Revolution eingeſchmolzen worden, aber die Zeichnung hat ſich erhalten. Eine ausgezeichnete Arbeit iſt endlich der ſogenannte Verdüner Altar zu Kloſter Neuburg bei Wien, der 1181 enſtanden iſt und aus 51 vergoldeten Erztafeln mit gravirter Zeichnung beſteht, deren Linien nielloartig mit verſchiedener Farbe ausgefüllt ſind.
Wir kommen noch kritiſch auf den franzöſiſchen Schrift⸗ ſteller Deleutre zurück, dem wir dieſe Nachrichten in verkürz⸗ ter Form entnehmen. 9.
Beitrüge zum Vandalismus von 1863.
Es iſt Pflicht, die einzelnen Fragmente zur Sittenge⸗ ſchichte unſerer Gegenwart zu verbreiten, damit das Ge⸗ ſammtbild reif für das öffentliche moraliſche Urtheil werde, und ſo entlehnen wir hier der Zeitſchrift für Länder⸗ und Völ⸗ kerkunde verſchiedene Scenen des amerikaniſchen Krieges.
Ein Engländer, welcher länger als ein Jahr im Staate Miſſouri lebte und Gelegenheit hatte, die dortigen Ver⸗ hältniſſe genau zu beobachten, giebt im Montreal Commercial Advertiſer folgende haarſträubende Schilderung der amerika⸗ niſchen Kriegführung.—
„Die Scheußlichkeiten, welche von föderirten Truppen in den Theilen von Miſſouri, welche an Kanſas grenzen, verübt wurden, übertreffen die Grauſamkeit der Ruſſen in Polen oder im Kaukaſus bei weitem. Man würde in der That den Koſaken eine ſchimpfliche Beleidigung anthun, wollte man ſie mit den Unionstruppen vergleichen, denn die letzteren hauſten auf die unmenſchlichſte Weiſe in einem Lan⸗ de, in dem ſie durchaus keinen organiſirten Widerſtand, keine Waffen und Munition vorfanden. Ich habe jammernde Frauen geſehen, die mit ihren kleinen Kindern in Schuppen und Vorhäuſern wohnen mußten, weil betrunkene Soldaten⸗ banden ihre Häuſer aus Uebermuth angezündet und die Männer aufgehängt oder in die Gefangenſchaft⸗Kbgeführt hatten. Selbſt Frauen ſperrte man ein und behandelte ſie auf die brutalſte Weiſe; Kinder wurden als Geiſeln abge— führt; das Sengen und Brennen nahm kein Ende, und die unglücklichen obdachloſen Bewohner wurden halb nackt in die Prairie hinausgeſtoßen. Pferde und Rindvieh ſchoß man nieder; ganze Wagen wurden mit der geraubten Beute bela⸗ den. Officiere behingen ihre Pferde mit ſeidenen Damen⸗ kleidern und Shawls.
Scheußlich iſt folgender Vorfall. Ein Poſten ward abberufen; er hatte drei Gefangene, einen Soldaten von Price's Armeecorps und zwei Farmer, bei ſich. Es war ihm nicht der Mühe werth, dieſe paar Gefangenen zu transporti⸗ ren. Der Gefängnißwärter mußte ſie alſo an das Fenſter⸗ gitter ihrer Zelle rufen, als ſie dort erſchienen, ward auf ſie Feuer gegeben. waren verwundet, man führte ſie in den Wald, wo man ſie unbarmherzig niederſchoß. Ein junger Burſch, Namens
Einer blieb gleich todt, die zwei andern
len, das ich aufführen will; faſt jeden Tag ereignen ſich ähn⸗ liche Dinge. In den nördlich und weſtlich von uns gelege⸗ nen, einſt ſehr reichen und bevölkerten Counties werden von den Buſchkleppern(Jayhawkers) unter Montgomery's Führung noch ſchändlichere Thaten vollbracht. Ganze Di⸗ ſtricte wurden ausgemordet, Männer und Frauen vertilgt und das Land in eine Wüſte verwandelt. Miſſouri iſt au⸗ genblicklich ganz der Gnade ſoldatiſcher Meuchler anheimge⸗ geben, Menſchen ohne Bildung und Erziehung haben die öffentlichen Aemter inne; von Kirchen, Schulen und Geſetzen iſt gar keine Rede mehr. Nur Leute aus dem Norden dür
fen Handel treiben, und die commandirenden Officiere haben ſich das Monopol des Handels mit St. Louis vorbehalten! Es giebt genug Leute hier, welche die Einwohner dazu verleiten, ſich gegen die Union auszuſprechen, und ſie dann anzeigen, damit ihr Vermögen zum Beſten einiger treuen Abolitioniſten ein⸗ gezogen werde. Die Yankee⸗Officiere verkaufen Sittenzeug⸗
niſſe oder ſtellen Päſſe aus, gerade wie in der alten guten
Paßzeit Europa's, wo man den nächſten Ort nicht ohne ein
Zeugniß ſeiner Behörde betreten durfte. Miſſouri iſt unter⸗
worfen und„Ordnung regiert“, aber die eingeborenen
Miſſourier, welche das Land cultivirten und Städte gründe⸗ ten, ſind durch die Nordländer in ihrer Heimath zu Fremd⸗
lingen gemacht worden.“—
Im Staate Miſſouri liegt die kleine Stadt Palmyra. Dort verſchwand ein Unioniſt Namens Allsmann. Der Yankeegeneral Mac Neill nahm ohne Weiteres an, derſelbe ſei von ſeceſſioniſtiſch-geſinnten Bürgern umgebracht worden, ließ zwölf derſelben verhaften, verurtheilte ſie zum Tode und ließ ſie erſchießen. Er zwang die Frauen und Verwandten der Schlachtopfer, bei der Ermordung anweſend zu ſein.
Vier Tage nach der Gräuelſcene erſchien Allsmann wie⸗ der; er hatte Freunde in der Umgegend beſucht. Der Mörder Mac Neill hat aber nicht einmal einen Verweis er halten.
Der Bundesgeneral Hunter ſandte in der erſten Märzwoche einen abolitioniſtiſchen Paſtor, H igginſon, nach Florida. Der Geiſtliche hat das Schwert umgegürtet und ſteht als Oberſt an der Spitze eines Negerregiments, das er aus dem Abſchaum ſchwarzer Müßiggänger gebildet und denen er alles Eigenthum der Weißen verſprochen hat. Am 10. März überfiel er mit dieſer Bande das unvertheidigte Städtchen Jackſonville. Die Einwohner flohen vor den wllden be⸗ trunkenen Negern. Hunter ſchickte von Hilton Head zwei Regimenter, echte neuengliſche puritaniſche Yankees aus Con⸗ necticut und Maine, zur Verſtärkung nach Jackſonville, rief aber dieſelben nach einigen Tagen zurück, da er ihrer in Nordcarolina bedurfte. Am 20. März zogen ſie ab aus Jackſonville, wo ſie keinen Widerſtand irgend einer Art ge⸗ funden hatten.„Zuvor“, ſo ſchreibt ein unioniſtiſcher Au⸗ genzeuge,„wurde die Stadt ausgeplündert, an allen Ecken angezündet und in einen Schutthaufen verwandelt. Jackſon⸗ ville liegt in Ruinen; die herrliche Stadt, ſeit ſo manchen Jahren ein Lieblingsaufenthalt der Kranken aus dem Norden, wurde völlig zerſtört von den Soldaten unſerer nationalen Armee. Kaum ein Haus, kaum eine Negerhütte oder ein Waarenlager iſt geblieben. Es fand ein Einverſtändniß
unter den Brandſtiftern ſtatt, denn in allen Theilen brachen
Tyrley, ward nur deshalb hingeſchlachtet, weil einige ſeiner
Brüder in der Südarmee dienten, und weil er zu viel ſprach.
Am hellen lichten Tag drangen die Unionsſoldaten in ſeine Wohnung, riſſen ihn aus den Armen ſeiner Schweſter und ſchoſſen ihn nieder. Es iſt dies eins unter hundert Beiſpie⸗
die Flammen gleichzeitig hervor. Eine Compagnie Neger betheiligte ſich dabei unter Anführung eines weißen Lieute⸗ nants.“ Dieſen Bericht brachte die New⸗York Tribune, das Hauptblatt der Vernichtungspartei; er iſt alſo unver⸗ dächtig.


