Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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ter zu Riga, Uhr, da kam agen enga⸗ ionszimner, 1s Regiſſeut de. Da ich arSberg zur r ihren An⸗ Acts, denn Tage vor⸗ r daher no⸗ ich kaum die Krone hing, gerade vor cobe mit an⸗ fer:Hiet

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Bücher einzupacken, derweilen ich in die hintern Zimmer eilte, um nach unſerm Directionsbuch zu greifen. Als ich eintrat, war es hier Nacht geworden, denn der verderbliche Rauch hatte ſich den Gang entlang bis in die offenſtehenden Zimmer verbreitet, auch war er durch die offenſtehenden Fenſter ein⸗ gedrungen, ſo daß ich Herrn Eſperſtedt im Zimmer kramen hörte, aber nicht ſah; und ſo geſchah es, daß ich gegen einen Menſchen lief und ihm, ohne ihn zu kennen, das unter ſei⸗ nem Arm getragene Directionsbuch entriß, welches ich am Gefühl erkannte und nur ſpäter erfuhr, daß es der Drucker⸗ burſche, mit einer Correctur zu mir wollend, war, der auch zur Rettung von Papieren zu Herrn Eſperſtedt geeilt war, welcher ihm das Buch zugeſteckt hatte. Ich eilte nun, das Schnupftuch vor den Mund haltend, zurück, um den Korb zu retten, fühlte mich auch bis dahin zurecht, aber Heyne hatte das Zimmer, den Korb ſtehen laſſend, verlaſſen, weil er zu erſticken glaubte; denn Athem zu holen war unmöglich. Die Gefahr einſehend, bemühte ich mich, den Korb ſelbſt zu retten, aber er war überfüllt und ſo ſchwer, daß ich ihn nicht bewe gen, viel weniger tragen konnte. Jetzt war es die höchſte

Meinen Stock, der aus dem Korb hervorragte, zog ich heraus und fühlte mich glücklich bis zur Treppe, die ich auch kaum hinunter war, als durch ein darüber befindliches Fenſter, das zum Theater ging, die helle Flamme über das Treppengelän⸗ der ſchlug und ſo die noch im Zimmer Gebliebenen, wobei Herr Eſperſtedt war, verhinderte, die Treppe zu paſſiren; unfehlbar hätte dieſer verbrennen müſſen, wenn er nicht glücklicherweiſe den Schlüſſel zum Concertſaal bei ſich gehabt durch welchen er ſich retten konnte.

Nun hatte ich noch eine Treppe, ehe ich ganz hinunter war; ich glaubte zu ſticken und zu brennen, da es hier, wahrſchein lich vom Theater aus, unleidlich heiß war. Doch Gott be ſchützte mich, und ich taumelte die Treppe hinunter, wo ich, als die friſche Luft, zZwar auch mit Dampf gefüllt, mich an⸗ wehte, betäubt niederſank. Hier richtete mich Jemand auf und ſtieß mich zur Hausthüre hinaus, wo ich erſt nach einer ganzen Weile meine Beſinnung wieder erhielt. Noch immer hatte ich den Brand nicht ſo ſtark geglaubt, doch als ich nun das ganze Dach in Flammen erblickte, als ich meine Papiere

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aus meinen Fenſtern fliegen ſah, da ſchrie ich nach einer Lei⸗

ter, um noch möglichſt viel zu retten, da dieſe aber nicht kam, und das Einſinken des Daches, ſowie die gewaltige Hitze mich zurücktrieb, da fing ich bitterlich an zu weinen und folgte meinem Bruder, der mich aufgeſucht und gefunden hatte, nach Hauſe, wo meine Frau in Todesangſt um mich ſchon weggelaufen und in das brennende Komödienhaus geſtürzt war, aus welchem man ſie aber, obgleich ich noch oben gewe⸗ ſen, zurückgetrieben hatte. Ich zog mich nun um und ging zur Brandſtelle zurück, um wo möglich zu helfen, wo etwas zu helfen ſei.

Doch traf ich hier den Grafen Brühl, der mir auftrug, Alles gegen 6 Uhr in's Opernhaus zu beſtellen, wo man eine Conferenz halten wolle; deßhalb beauftragte ich Rouvroy damit und beſtellte ſelbſt einige Perſonen. Ich wohnte der Conferenz, die auf dem Theater gehalten wurde, ſelbſt bei und ging von da zum Kaufmann Backofen mit Herrn Eſper⸗ ſtedt, um die geretteten Papiere in Augenſchein zu nehmen, und von dort zu dem Commiſſarius, Herrn Gardemin, wo auch der Theatermeiſter Werner und Maurer Vater zum Verhör über die muthmaßliche Urſache des Brandes eingela⸗ den waren. Hier mußte ich bis gegen 11 Uhr ſitzen, ehe

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mich die Reihe traf; endlich halb 12 Uhr ging ich nach Hauſe, wo ich mich ermüdet und abgemattet niederlegte. Es war die⸗ ſen Abend kein Schauſpiel.

Sonderbar zeigte ſich der Haß gegen die Juden abermals, denn noch am ſelbigen Tage hieß es in der Stadt, die Juden hätten das Schauſpielhaus angezündet, weil ſie im Stücke Abends vorher ſo mitgenommen. Am andern Morgen kam die traurige Beſtätigung des ſchrecklichen Gerüchts, daß der arme Carlsberg verbrannt ſei. Wahrſcheinlich war er oben im verfinſterten Gange erſtickt, als er ſich von der Maſchine⸗ rie retten wollte. Erſt am 7. Auguſt fand man einige Kno⸗ chen und die halbverbrannten Eingeweide deſſelben.

Heute als am 11. Auguſt, Abends 7 Uhr, brennt der Schutt und die Kohlen noch ganz hell in den gewölbten Gängen. Die Gebeine des armen Carlsberg wurden von der Polizei in Empfang genommen, und durch Aerzte beſich⸗

tigt. Am 14. Auguſt um 7 Uhr, verſammelte ſich die Ge⸗

ſellſchaft in der Propſtwohnung an der katholiſchen Kirche und geleitete von da aus die Ueberreſte des unglücklichen Carls⸗

berg zur Ruhe auf den katholiſchen Kirchhof. Zeit, auf meine eigene Sicherheit bedacht zu ſein, da mein ſo lange angehaltener Athem mir die Bruſt zu ſprengen drohte. entſtand das Feuer in der Gegend, oder vielleicht in der

Nach meiner Muthmaßung und Kenntniß des Hauſes

Kronenkammer ſelbſt, denn von dort aus wüthete das Feuer nach allen Seiten, und dies war auch die Urſache, daß wir auf dem Theater keinen Rauch bemerkten, weil er noch eine beträchtliche Höhe bis ans Dach und den Malerboden zu ſteigen hatte, ſich alſo unbemerkt oben verbreiten konnte.

Die Entſtehung des Feuers ſelbſt iſt bis jetzt unbekannt, und gehen dieſerhalb mancherlei Gerüchte; ſo viel iſt gewiß, daß ein Theil unſerer Maſchiniſten Vormittags bei einem unbedeckten Lichte gearbeitet und dieſes vielleicht brennen ge⸗ laſſen, als ſie die Maſchinerie verließen.

Noch ſchlug die rothe Lohe aus der Aſche, noch waren tauſend Hände beſchäftigt, das verheerende Element zu er⸗ ſticken, als ſchon die Vorſtellungen in alter Weiſe fortgeſetzt wurden; man bediente ſich jetzt des großen Opernhauſes, um Stücke jeder Gattung zur Aufführung zu bringen.

5.

Gaunerphyſiognomien in Newyork.

Ueber eine von der Newyorker Polizei ſehr ſinnreich angelegte Diebsgallerie giebt der treffliche Karl Andree, un⸗ terſtützt von einem amerikaniſchen Freunde, einen pſycholo⸗ giſch höchſt intereſſanten Specialbericht, deſſen Schilderung wir hier die weſentlichſten Züge entlehnen.

In einem halbdunkeln Zimmer des Erdgeſchoſſes der geheimen Polizei, in zwei großen Rahmen, hängt in Reih und Glied die kleine Armee, welche auf hundert verſchiedenen Wegen den Krieg gegen das Eigenthum führt. Der Rah⸗ men Nr. 1 iſt durch zwei Gasflammen erleuchtet, und 120 bis 130 Gauner ſtarren dem Beſchauer aus demſelben ent⸗ gegen. Aber was für Gaunerphyſiognomien ſind es? Sollte einem nicht beinahe unheimlich werden, zweihundert⸗ fünfzig Verbrecheraugen mit einem Male auf ſich gerichtet

zu ſehen? Iſt es nicht etwa ein grauſenerregender Anblick,

auf einer Fläche von neun Quadratfuß das Verbrechen durch mehr als hundert ſeiner Vertreter abgebildet zu ſehen?

Nein. Der erſte Eindruck, den dieſe Portraitſamm⸗ lung auf den Unbefangenen macht, iſt derſelbe, wie ihn jede andere Daguerreotyp⸗Ausſtellung hervorbringt. Wie weni⸗ ge unter dieſen Geſichtern würden, wenn man ihnen irgend⸗ wo anders begegnete, den geringſten Verdacht rege machen!