Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
60
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Rovellen⸗Zeilung.

Von dem Mont⸗Saint⸗Michel gelingt ſelten eine Stückes angeſetzt, als während derſelben im Hauſe Feuer Entweichung. Die berühmteſte iſt die des politiſchen Ge- entſtand, welches nicht allein dieſes Gebäude bis auf die fangenen Colombat, der in einer Ciſterne einen bis dahin Mauern niederbrannte, ſondern auch eine bedeutende Gar⸗ unbekannten unterirdiſchen Weg entdeckte, welcher bis zur derobe und einen ſeltenen Decorationsvorrath in Rauch und Küſte hinab führte, auf dem er glücklich entkam. Flammen aufgehen ließ.

Der Beſuch endigt mit dem Beſteigen des Daches der Laſſen wir den Schauſpieler Ferdinand Rüthling, der Abtei, zu dem eine bewundernswürdig eiſelirte ſpiralförmige an dieſem Schickſalstage bei der erwähnten Probe beſchäftigt Treppe führt, wie ſie jetzt für die Leuchtthürme in Ge⸗ war, ſelbſt erzählen. brauch ſind. Es heißt in einem mit großer Sorgfalt geführten Tage⸗

Das Beſteigen eines ſteinernen Vorſprungs, le Tour des buche, welches ſchon ſein Vater 1786 angefangen und er ſpä⸗ fous genannt, iſt verboten, weil ſich daſelbſt auf einer ſchwin⸗ ter fortgeſetzt hatte:

delnden Höhe von 500 bis 600 Fuß durch plöͤtzlichenDienſtag, den 29. Juli 1817, Mittags 12 Uhr, war Schwindel oder Unvorſichtigkeit manche Unglücksfälle ereig⸗ Probe zu denRäubern. Paulmann, vom Theater zu Riga, net haben. ſollte den Franz Moor ſpielen. Es war 10 Uhr, da kam

Man kann den Mont⸗Saint⸗Michel nicht verlaſſen, mein Freund Carlsberg, der ſeit vierzehn Tagen enga⸗ ohne dem Eintritt der Fluth beigewohnt zu haben, wo das girt war, und beſuchte mich auf dem Directionszimmer, Meer die ganze Sandfläche bedeckt und ganz einer Eisfluth wo er bis 12 Uhr blieb. Herr Unzelmann, der als Regiſſeur gleicht. Ein Pferd, das in dreifachem Galopp dahinſprengt, die Probe leitete, klingelte zum Anfang der Probe. Da ich giebt nur eine ſchwache Idee von der Schnelligkeit, mit wel den Daniel zu ſpielen hatte, ſo ging ich mit Carlsberg zur cher das Salzwaſſer in einem Augenblick den Triebſand be⸗ Probe hinab, die auch 5 Minuten nach 12 Uhr ihren An⸗ deckt. Das Zuſammenſtoßen des Meeres mit den benach⸗ fang nahm. In der zweiten Scene des fünften Acts, denn barten Flüſſen, der Nebel und der Triebſand, das ſind die nur dieſer wurde probirt, da die erſten Acte einige Tage vor⸗ drei Gefahren, welche den Bewohnern dieſer Gegend drohen. her probirt waren, fehlte Herr Beſſel, und es war daher nö⸗

Die Fiſcher behaupten, ein untrügliches Mittel zu haben, thig, ſie zu wiederholen. Es geſchah; doch hatte ich kaum die um ſich an der Küſte zurecht zu finden. Sie wagen ſich nie Worte geſagt, ſo fiel durch die Oeffnung, wo die Krone hing, an Stellen, wo der Sand eine dunklere Färbung als gewöhn⸗ ganz langſam ein Funken Feuer in's Parterre, gerade vor lich zeigt. Dort iſt Gefahr, dort iſt Triebſand. Das Son⸗ Herrn Maurer Vater nieder, der zufällig die Probe mit an⸗ derbarſte dabei iſt, daß die Gefahr mehrmals in der Woche, ſehen wollte. Es ſehend, ſo wie wir alle, rief er:Hier ja zuweilen an einem und demſelben Tage ihre Stelle ver⸗ oben muß es brennen! Feuer! Feuer! ändert. Ich warf meinen Blick auf das Amphitheater und ge⸗

Wehe dem Fiſcher, der ſich bei dem Suchen der Mu⸗ wahrte, daß beide Luftöffnungen deſſelben glühroth waren; ſcheln von der Fluth überraſchen läßt! Der Triebſand von da gleitete mein Blick in die Höhe, und ich ſah, daß der giebt die Beute, die er einmal erfaßt hat, nie wieder heraus. große Vorhang im Proſcenio in vollen Flammen ſtand und

Nach einem jetzt in Frankreich verbreiteten Gerüchte ſoll herabzufallen drohte. Maurer Sohn rief:Fort, zur Ma⸗ die Regierung ſich mit dem Plane beſchäftigen, die Zahl der ſchinerie! und einige Statiſten folgten ihm den Weg bei Gefängniſſe zu vermindern. Sobald dieſer Plan zur Aus⸗ der Gitterloge vorbei zur Maſchinerie. Ich hörte nur noch führung gelangt, wird auch das Central⸗Gefängniß in Mont- Herrn Unzelmann rufen:Ruhig, Kinder! den Kopf nicht Saint⸗Michel eingehen, die Gefangnen werden dann in V verloren! Nicht zu laut, vielleicht können wir es ſo däm⸗ andere Gefängniſſe verſetzt und die dortigen Klöſter ihrer pfen. Ich lief nun den Gang entlang an den Damengar⸗

frühern Beſtimmung wieder übergeben werden. Geſchieht deroben vorbei, und ſo die Treppen hinauf bis zu meiner

das, ſo wird der Mont⸗Saint⸗Michel bald wieder das Garderobe, die dicht an der Maſchinerie lag. Hier fand ich werden, was er früher war, ein berühmter Wallfahrtsort, an die Maſchinenthür angelehnt und riß dieſelbe auf, um hin⸗ dem ſich jährlich Tauſende einfinden werden, wenn auch theil⸗ aufzueilen; aber ein furchtbar ſchwarzer, heißer und alle weiſe nur um den Ort kennen zu lernen, von dem in der Luft benehmender Qualm ſtürzte mir entgegen, ſo daß ich neuern Zeit in Frankreich ſo oft die Rede geweſen iſt und meine Begleiter nicht mehr ſehen konnte, die ich auch nicht zu der allerdings des Merkwürdigen ſehr viel darbietet. nennen weiß, denn ich bemerkte nur auf der Treppe, daß C. V Carlsberg und Rehfeld hinter mir waren. Im erſten Au⸗

genblicke taumelte ich zurück, aber ſchnell kehrte die Beſin⸗

nung wieder, und nun bemühte ich mich, meine Garderoben⸗ Aus dem Tagebuche eines Schauſpielers. thür zu ſprengen, was mir aber trotz wiederholter Anſtren⸗

Die hinterlaſſenen Papiere des Hofrath Teichmann gungen nicht gelingen wollte, daich nur Schuhe angezogen und bringen unter andern beachtenswerthen Einzelheiten auch alſo nicht die nöthige Kraft im Abſatz hatte. Während die⸗ noch nachträglich Details über eine zwar alte, aber immer ſer Bemühungen wurde es Nacht um mich und die Luft ſo draſtiſche und intereſſante Kataſtrophe, über den merkwürdigen heiß und drückend, daß mir der Athem verging; ich griff da Brand des Berliner Schauſpielhauſes, welcher den neuen her zum Geländer der Treppe, fühlte mich glücklich hinunter prachtvollen Bau Schinkel's in's Leben rief. Die Erzählung und ſtürzte in mein Arbeitszimmer, um dort aus den anlie⸗ wird jeden Leſer feſſeln. b genden Zimmern an Papieren zu retten, was ich konnte. Ich Mit dem neuen Schauſpiele:Der kranke Mann und kehrte den großen Holzkorb um, warf alle Papiere aus mei⸗

die vornehmen Leute, von Kotzebue, ſchloſſen ſich, ſagt der nem Schreibepulte hinein und trug ihn in das vordere Zim⸗ geſprächige Hofrath, am 28. Juli 1817 die Räume des mer, wo ich mein Bücherſpind öffnete und an Büchern hin⸗ Schauſpielhauſes für alle Zeiten. Am folgenden Tage ſoll⸗ einwarf, was ich vermochte. In dieſer Arbeit fand mich der tendie Räuber zur Aufführung kommen, man hatte noch Logenſchließer Heyne, der ſich erbot, mir zu helfen, was ich um 12 Uhr Mittags eine Probe des fünften Actes dieſes mit Freuden auch annahm und ihm auftrug, noch mehrere