Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
59
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fängniß. An demſelben Orte, wo früher Mönche lebten, welche der Welt Lebewohl geſagt hatten, um ganz der Fröm⸗ keit zu leben, wo fromme Pilger oft aus weiter Ferne ſich einfanden, um ruhig ihre Kniee vor Gott zu beugen, fanden ſich hier verurtheilte Verbrecher, die vor dem Richter niederknie⸗ ten und deren Herz, anſtatt mit frommen Geſinnungen, mit ewiger Verzweiflung erfüllt war.

Auf dem Mont-Saint-Michel giebt es zwei ganz ver⸗ ſchiedene Dinge: die Stadt und die Abtei. An den Abhän⸗ gen des Felſens waren früher für den Gebrauch der Pilger, die ſich von allen Punkten der Chriſtenheit daſelbſt einfanden, Gaſthöfe erbaut worden, welche der Urſprung der Stadt ſind. Ein Völkchen von ohngefähr 1200 Fiſchern, das einzig von den Muſcheln lebt, welche der Flugſand ihnen liefert, ſteigt jeden Morgen von dort herab und klettert jeden Abend auf Leitern, die in gewiſſen Entfernungen aufgeſtellt ſind, wieder hinauf.

fhachdem der Reiſende das erſte Thor der Stads paſſirt hat, bis zu deſſen Höhe das Waſſer ſich zuweilen erhebt, be⸗ trachtet er im Hofe des Löwen⸗Hötels mit Erſtaunen zwei ſehr große Kanonen, die von der Zeit und dem Roſte abge⸗ nutzt ſind. Dieſe Kanonen, glorreiche Denkmäler der ſchimpf⸗ lichen Flucht der Engländer im Jahr 1427, ſind die beiden berühmten Michelettes, an denen die Einwohner hängen, als wären ſie von ihrem eigenen Blute. Außer auf die Michelet⸗ tes kann der Reiſende auch einen Blick in die dürftige Berg⸗ kirche werfen, welche eine wahre Dorfkirche iſt. Oberhalb des Chors wird er einen in Holz geſchnitzten Chriſtus ſehen,

der das Werk eines der Gefangenen iſt, und der Thür gegen⸗

über einen großen ſteinernen Sarg mit der Statue eines liegenden Mönches, eine koſtbare Erinnerung an ſehr ferne Zeiten.

5 Nicht weit von der Kirche iſt der Eingang ins Kloſter. Nachdem man einige dunkle, geheimnißvolle Stufen hinauf⸗ geſtiegen iſt, kommt man an ein ganz mit wenigſtens einen Fuß dickem Eiſen beſchlagenes Thor, deſſen Pförtchen allein offen iſt. Indem man durch dieſes Pförtchen eintritt, muß man, ſelbſt wenn man kleiner Statur iſt, Sorge tragen, ſeinen Kopf zu bücken. Jetzt findet der Reiſende vor ſich einen Linienſoldaten mit einem geladenen Gewehr, der bereit iſt, auf den Gefangenen, welcher zu entfliehen ſucht, Feuer zu geben. Er ſteigt noch einige Stufen hinauf und gelangt an das Zimmer des Thürſtehers, das in einem frühern Kamine angebracht iſt. Nach den üblichen Formalitäten wird der Reiſende von dem Thürſteher dem Wächter der Wache anver⸗ traut, der ihn überall hinführt, wohin die Reglements ihn zu führen erlauben.

Die Führer verändern nie ihren Weg. Zuerſt beſucht der Reiſende die unterirdiſchen Gewölbe, d. h. den erſten Theil der Merveille. Die Merveille iſt eine Mauer, die, von vielen Strebepfeilern geſtützt, ſich in einer Länge von 200 Fuß auf dem Felſen der Stadt ausdehnt, um ganz allein den größten Theil der Abtei zu tragen. Der frühere Pferdeſtall, der ſich in dieſer Gegend findet, wird als Schlafſaal für die Gefangenen benutzt. Bei ſeiner originellen Form und ſeinen leinen, niedrigen Fenſtern, aus denen man das Meer erblickt, könnte man ihn für das Zwiſchendeck eines Schiffes halten. Oberhalb der Gewölbe iſt das Refectorium der Mönche in eine Weberwerkſtätte umgewandelt worden.

Der berühmteſte, jedenfalls der bekannteſte Theil des Mont⸗Saint⸗Michel iſt der Ritterſaal, deſſen Bogen und Säulen eine untadelhafte Eleganz und Vollendung zeigen. Man bemerkt darin auch zwei koloſſale Kamine, von denen

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jeder mit Leichtigkeit zwanzig ſtehende Individuen aufnehmen kann. Der Reiſende, welcher ein wenig Künſtler iſt, wird ohne Zweifel das Kloſter vorziehen. Es findet ſich darin ein großer Hof, der von vier Gallerien umgeben iſt, 300 Fuß über der Sandfläche erhaben. Man kann ſich nichts Ergreifenderes denken als den Anblick dieſer Gallerien mit ihren zahlloſen Granitſäulen, welche elegant verziert ſind und den Augen des Sachverſtändigen das letzte Werk der gothiſchen Baukunſt in Frankreich darſtellen. Zu den Füßen des Be⸗ ſuchers herrſcht die Unermeßlichkeit des Meeres, über ſeinem Haupte die Unermeßlichkeit Gottes. Er fühlt ſich ganz gegen ſeinen Willen in das Land der Träume verſetzt und er bil⸗ det ſich ein, das Kloſter von dieſen allmächtigen Mönchen bevölkert zu ſehen, welche die größten Baumeiſter in der Welt waren.

Ein zweites Kloſter, Pourmenoir genannt, iſt beſonders

wegen ſeiner hohen Säulen und ſeiner geheimnißvollen

Dunkelheit ebenfalls höchſt ſehenswerth.

Ehe man dann zu den eigentlichen Gefängnißzellen ge⸗ langt, findet man erſt eine Gallerie, an deren äußerſtem Ende in der Mauer eine lange Oeffnung angebracht iſt. Anfangs weiß man ſich den Gebrauch dieſer Oeffnung an einem klaf⸗ fenden Abgrunde um ſo weniger zu erklären, weil der ver⸗ wunderte Reiſende hinter ihr ein ſehr großes hölzernes Rad erblickt, das wenigſtens neun Fuß im Durchmeſſer hat. Wenn aber dann der Reiſende auf Anſtiften ſeines Führers ſeine Augen in den Abgrund hinunter richtet, ſo ſieht er eine ab⸗ gebrochene Treppe, welche bis an die Felſen hinabführt. Auf derſelben werden die Lebensmittel der Gefangenen heraufge⸗ ſchafft, und zwar wird das Behältniß, worin ſie ſich befinden, vermittelſt des großen Rads heraufbefördert, das von ſechs Gefangenen, die im Innern deſſelben in einem gleichförmigen, regelmäßigen Schritt, wie in einer Tretmühle vorangehen, in Bewegung geſetzt wird. Dieſe Arbeit iſt wegen der ge⸗ ſunden Seeluft, die ſich durch die Oeffnung in der Gallerie verbreitet, ſehr geſucht.

Endlich kommt man an die Gefangnen-Zellen. Man gelangt dahin auf unſichtbaren Stufen, auf denen man bei jedem Schritt in der Gefahr iſt, einen gefährlichen Fall zu thun. Auf dem Mont⸗Saint⸗Michel befinden ſich verſchie⸗ dene Arten von Gefangnen-Zellen, je nach der Schwere der von den Sträflingen begangenen Verbrechen.

Die Sträflinge werden übrigens mild behandelt. Gegen 30 Wächter genügen, um einige Hundert derſelben im Zaume zu halten. Es muß Einer ſich ein ſchweres Vergehen haben zu Schulden kommen laſſen, wenn ſeine Füße gefeſſelt werden und er in eine Gefangnen⸗Zelle geworfen wird, in welche kein Lichtſtrahl fällt.

Zwiſchen dem Kloſter Pourmenoir und den Gefangnen⸗ Zellen ſah man früher den berüchtigten ſogenannten eiſernen Käfig, in der Wirklichkeit war er von Holz, worin Dubourg, einer der Väter des franzöſiſchen Journalismus, geſtorben iſt.

Nach den Gefangnen-Zellen führt der Wächter den Reiſenden nach der Kirche, welche mit dem eben Geſehenen einen großen Contraſt bildet. Die Kirche hat ein ganz vor⸗ züglich ſchönes Chor, und das Schiff derſelben iſt das älteſte Bauwerk auf dem Mont⸗Saint⸗Michel. Unterhalb des Portals iſt die Kirche der Terraſſe, ehemals Beauregard genannt, von deren höchſten Punkten man die See, die Küſte und die umgebende Bai ſieht. Von dieſer Terraſſe ſtürzte ſich ein ge⸗ wiſſer Gautier dreimal hinab, ehe es ihm gelang, ſich zu tödten. Seitdem hat man den ſchönen Namen Beauregard dieſer Terraſſe in Saut Gautier verwandelt.

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