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abe geſtellt, ſolche begabtere, aber echt urſprüngliche
Vierte Folge. 57
ins Auge faßt, ſſo tritt hervor, daß es an dramati⸗ ſchen Gegenſätzen und ausgiebig poetiſchen Situationen nicht fehlen kann.
Der Verfaſſer hat ſolche auch herausgefunden und beſtrebte ſich, Figuren zu ſchaffen, deren Portrait
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Die Leute aus dem Walde. Roman von Wilhelm Raabe. Braunſchweig, Weſtermann's Verlag. 1863.— nicht in der Gewöhnlichkeit aufgeht.
Man jagt danach und nicht mit Unrecht, auch Während er Haupt⸗Geſtalten malt, die aus in unſerer Zeit noch ein Stück Romantik zu finden, einem kleinen Walddorfe ſtammen und dem Schooße und man findet es. Nicht Alles hat bereit die glatte der Armuth entſprungen ſind, ſtellt er ihnen andere verwöhnte Zunge der Cultur beleckt, und es giebt von eben dieſer Gegend aus höheren Ständen zur immer noch Stellen bei uns in Europa, die ziemlich Seite und läßt ſie mit jenen das Stigma der in ſo einſam, wüſt und elementariſch ſind, wie das wilde V Einſamkeit aufgewachſenen Sonderlingsnatur gemein Innere des amerikaniſchen Urwalds, wenn auch weder haben. Und auch in der großen Stadt, nach welcher Röthhäute noch reißende Thiere darin umherlaufen. ſie ſich begeben und in der ihr innerer Impuls zur Wir haben kleine Städtchen, Walddörfer und Ge⸗ Agitation kommt, treten ſie zum Theil mit iſolirten birgsneſter, die zwar auch in den Regiſtranden des geiſtig ſtammverwandten Originalen in Verbindung. Staates verzeichnet ſtehen, ihre Beglückung polizei⸗ Dieſe große Stadt iſt Berlin, und man darf es nicht licher Ordnung genießen und bei der Eincaſſirung unnatürlich gezeichnet nennen, wenn dargethan wird, der Abgaben nicht vergeſſen werden; aber die Be⸗ wie auch inmitten der vollen rauſchenden Lebensbe⸗ völkerung darin wächſt unter ſich ſelbſt auf, und ſo wegung, inmitten des Treibens und Speculirens eine Mancher, der ohne beſondern Unterricht und ohne geiſtige unnd materielle Eremitage des Daſeins mög⸗ Culturerziehung ſeine Jugend dort verlebt und end⸗ lich iſt. lich genöthigt wird, die großen Städte zu betreten, Die eigentlichen Leute aus dem Walde, welche thut es oft mit dem ſcheuen Blick und der Blödigkeit wir in dieſer dreibändigen Erzählung als die domi⸗ des Wildes, das aus den Wäldern im ſtrengen Win⸗ nirenden Geſtalten finden, ſind ein armes Mädchen ter ſich verſtohlen in die äußeren Gärten des Dorfes und zwei Söhne eines Forſtwarts. Der eine von begiebt. Tüchtige, naturkräftige, talentvolle Perſön⸗ ihnen geht über den Ocean, und während er abwe⸗ lichkeiten können unter Umſtänden aus dieſen deutſchen ſend iſt, hat ſich ſeine Jugendgeliebte zu einer fabel⸗ Hinterwäldlern hervorgehn, und die Specialgeſchichte haften an der Bühne und in ihrem eigenen Salon weiß von mancher impoſanten Kraft zu erzählen, die V thätigen Schönheit der Reſidenz emporgeſchwungen; jenen verborgenen Stellen entſtammt. Oft rennen ſein jüngerer Bruder aber iſt auch zur Stadt gewan⸗ ſie zuerſt mit großer Störung für ſich und Andere an dert, um dieſe Schönheit zu ſuchen, die er gleichfalls,
unſer Spinnengewebe der complicirten Organiſation
an, aber ſie gewöhnen ſich leicht an das großartige
Raffinement des verfeinerten Socialismus, und be⸗ halten, nachdem ſie ſich polirt und moderniſirt haben, noch einen überſchüſſigen Fonds van Rüſtigkeit für beſondere Nothfälle übrig. Viele von ihnen vermeh⸗ ren auch das ſtarke Contingent, welches die europäi⸗ ſche, vorzüglich deutſche Bevölkerung zu den Pionieren des Weſtens ſtellt, und liefern die kühnſten jener die Weltgeſchichte fortbewegenden, friſch erhaltenden Abenteurer.
Raabe hat ſich die romantiſch⸗pſychologiſche Auf⸗
Perſönlichkeiten deutſcher Hinterwäldler in ihren Ent⸗ vickelungen und Schickſalen zu verfolgen. Wir ſehen ſie der Kühnheit ihrer Beſtrebungen erliegen oder bei maßvollerer Haltung zum Erfolg gelangen, je nachdem das Glück ihren Bahnen lächelt.
Ddie Idee iſt im Grunde vortrefflich, und wenn man den Stoff nur ganz allgemein und theoretiſch
ohne Erwiederung zu finden, mit knabenhafter Lei⸗ denſchaft liebt. Die naturaliſtiſchen Exceſſe ſeiner Wuth und Entrüſtung gegen die Angebetete, welche er als vornehme Dame antrifft und deren vornehmen Bewunderer er beinahe erwürgt, liefern ihn der Polizei in die Hände, und, endlich frei geſprochen, nimmt ihn ein alter Polizeiſchreiber, der ein Kind deſſelben Dorfes iſt, als Pflegeſohn zu ſich und er⸗ zieht ihn mit Hülfe ſeines Freundes, eines philan⸗ thropiſchen Sternſehers und einſiedleriſchen Gelehrten. Unterdeß iſt der ältere Bruder jenes wilden braven Burſchen von latenter Fähigkeit aus der neuen Welt als begüterter Mann zurückgekehrt und bolt ſich ſeine Geliebte, die Schauſpielerin, zur Ehegattin ab, ſie von einem hohlen, ſchlüpfrigen Boden enthebend. Das Loos dieſer beiden wackeren, aber zügelloſen, idealiſtiſchen Abenteurer wird ein düſteres, da ſie als Goldjäger, nachdem ſie ihre Reichthümer verloren haben, in ihrer Blüthe zu Grunde gehn. Der jün⸗ gere Bruder erntet die Segnungen eines maßvolleren


