Glücklicherweiſe ahnte er noch nicht, daß man Baſſa auf ihrem Schloſſe aufgehoben habe, ſondern meinte, man habe nur ſeine heimliche Abweſenheit entdeckt und werde ihn dafür zur Strafe ziehn.
Schon zu früher Morgenſtunde des nächſten Tages empfing die Kaiſerin den Grafen Beſtuſcheff und Leſtocg, der ihr genauen Bericht über die Er⸗ eigniſſe der Nacht abſtattete und die Diamantroſe überreichte.
Eliſabeth war ſo kalt und finſter, wie ihre Ver⸗ trauten ſie ſelten geſehen hatten; keine Miene ihres Geſichts veränderte ſich, während ſie den Bericht Leſtocq's anhörte, und die Roſe legte ſie nach einem flüchtigen Blicke darauf auf einen Tiſch, an den ſie ſich leicht gelehnt hatte.
„Wohin hat man den Unwürdigen gebracht?“ fragte ſie, und ein ſcharfes Ohr hätte vernehmen könnte, daß ihre Stimme ganz leiſe zitterte.
„In die Feſtung, Majeſtät,“ antwortete Leſtocq.
„Und das Weib?“
„Iſt im Winterpalaſte in ſtrengem Gewahrſam, falls Eure Majeſtät ſie zu ſprechen oder zu ſehen geruhen ſollten.“
„Nein, nein, ſie ſoll mir nie wieder vor die Augen kommen!“ rief die Kaiſerin, heftig mit dem Fuße auftretend, während Blitze des Haſſes aus ihren Augen zuckten.„Sage mir, wie ſie ſich jetzt benimmt, Leſtoeg. Iſt ſie gedemüthigt? hat ſie nicht meine
Gnade angefleht?“
„Sie gebehrdete ſich, nachdem ſie auf dem Trans⸗ port hierber im Schlitten erwacht war, wie eine Wahnſinnige; als ſie der Gewalt weichen mußte, zerfloß ſie faſt in Thränen. Jetzt iſt ſie anſcheinend ruhig, kalt und ſtolz; ſie ſagt, ſie wolle keine Gnade, ſondern nur Gerechtigkeit. Ich glaube mich nicht zu täuſchen, wenn ich behaupte, daß dieſem Zuſtande erzwungener Ruhe bald ein krankhaft fieberiſcher fol⸗ gen wird.“
„Wird ſie ſterben?“ fragte die Kaiſerin raſch.
„Das menſchliche Herz erträgt viel,“ antwortete der Leibarzt achſelzuckend.
„Führe mir die Zeugen vor!“ gebot die Kai⸗ ſerin dem Grafen Beſtuſcheff.—
Spät am Abend deſſelben Tages hielt vor einer gewöhnlich verſchloſſen gehaltenen Nebenthür des kai⸗ ſerlichen Palaſtes ein leichter offener Schlitten, deſſen
harter Sitz gerade nur zwei Perſonen knappen Raum gewährte; eine Decke von Schafpelz lag auf ihm. Beſpannt war er mit drei kleinen Landpferden, die ein Kutſcher in bäuerlicher Tracht in den Zügeln hielt. Zwei Koſaken mit den langen Lanzen in der Hand
Novellen⸗Zeitung.
Gegen zehn Uhr öffnete ſich die verſchloſſene Thür, und zwei Frauen, begleitet von drei oder vier Männern, traten auf die Straße und gingen auf den Schlitten zu. Die eine von ihnen, welche die Klei⸗ dung der dienenden Stände trug, ſtützte die andere, die einen koſtbaren Pelz trug und deren Geſicht von einem ſchwarzen Schleier bedeckt war; unter den andern Arm hatte ſie ein in Pelze gehüllter kaiſer⸗ licher Feldjäger gefaßt, denn die Arme wankte wie eine Schwerkranke, und zuweilen vernahm man deutlich ihr halberſticktes Schluchzen.
Die beiden Frauen nahmen nebeneinander auf dem Sitze im Schlitten Platz, der Feldjäger ſetzte ſich neben den Kutſcher auf den Bock.
Der eine der zurückgebliebenen Männer, dem die andern mit augenſcheinlicher Ehrfurcht Platz machten, trat jetzt an das Fuhrwerk und hielt ein Käſtchen in der Hand, deſſen Deckel er öffnete und es der ver⸗ ſchleierten Dame hinreichte. ſtrahlen, die von einer über der Thür aufgehängten trübe brennenden Laterne ausgingen, funkelte eine prächtige Diamantroſe in der köſtlichſten, feurigſten Farbenpracht. 4
„Die Kaiſerin ſendet es Dir!“ ſagte er in einem Tone, dem man deutlich ſpöttiſchen Hohn anhörte. „Fahr zu, Kutſcher!“
Die Dame hatte die Stimme des Grafen Beſtu⸗
verbarg es unter ihrem Pelze. Der Schlitten brauſte, von den beiden Koſaken gefolgt, windſchnell durch die Straßen dem nach Oſten führenden Ausgange der
denn man wußte, daß dieſe Art von Fuhrwerken in ſolcher Begleitung die für Sibirien beſtimmten Opfer entführte.
Am Ausgange der Stadt wartete ein ganz ähn⸗ liches Fuhrwerk, nur ſaß der Kutſcher allein auf dem Bocke, und im Innern befanden ſich zwei Männer,
der Mann. Beide Fuhrwerke ſetzten ihren Weg ge⸗ meinſam fort; von Zeit zu Zeit wurden die Pferde gewechſelt, doch mußten die Schlitten dann in gewiſſer Entfernung von einander halten.
Unglücklichen; aß Alexi Dmitrijew, in dem andern befanden ſich die Fürſtin Baſſa Kokorinow und ihre Kammerfrau Petrowna⸗
begleiten und ihre Verbannung in Sibirien theilen werde.
warteten auf ihren Pferden neben dem Fuhrwerke.
In den matten Licht⸗
ſcheff erkannt; ſie nahm zitternd das Käſtchen und
Stadt zu; jeder ihm Begegnende wich ſcheu aus,
der Eine ein Feldjäger, der Andere ein noch junger und ſchöner, aber ſehr blaſſer und kummervoll blicken⸗
Als der Morgen anbrach, erkannten ſich die 4 in dem einen Schlitten ſaß Alexis
deren Hoffnungen arg getäuſcht worden waren, denn es war ihr angekündigt worden, daß ſie ihre Herrin
weint Schli und moch erſta Pel Wo mit na- Vtten ſch, jezahl ihn z 4 nicht und aufre Welt einig zlt ul unter. Seele Fieb den Rüch das ten nach mehr entfe
4
mehr fſen, nm


