Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
50
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ſtin den Schmuck, wenigſtens innerhalb Rußlands, niemals anlegen; es mochte aber doch ihrer weiblichen Eitelkeit und ihrem Stolze ſchmeicheln, das Geſchenk zu beſitzen, das eine Andere, zumal die mächtige Kaiſerin, unter ſo bewandten Umſtänden dem Manne gegeben hatte, der jetzt zu ihren Füßen lag.

Nach einigen Schein⸗Einwendungen nahm ſie daher Alexis' Anerbieten an, und am andern Tage überreichte er ihr die Roſe, die ſie als ſchöne Frau, welche den Schmuck liebt, bewunderte und dann zu ihren übrigen Juwelen legte.

Die beiden Liebenden ahnten nicht, daß ſie ſo⸗ wohl an dieſem, als an dem vergangenen Abende belauſcht worden waren, und daß Graf Beſtuſcheff bereits um die Mittagszeit des anderen Tages trium⸗ phirte, eine Gelegenheit, wie er ſie wünſchte, gefunden zu haben, um der Kaiſerin beinahe gerecht zu nennen⸗ den Zorn gegen die Fürſtin und den Major einzu⸗ flößen und ihr den Beweis zu liefern, daß ſie von ihnen betrogen und tief verletzt worden ſei.

Der Kanzler zögerte nicht, ſich, ſobald es die Hofetikette erlaubte, zu Eliſabeth zu begeben; da er oft eilige Staatsgeſchäfte mit ihr zu beſprechen hatte, wurde ihm der Zutritt zu ihren Gemächern

gewöhnlich leicht geſtattet. Auch an dieſem Tage er⸗

theilte ihm die Kaiſerin ſogleich eine Audienz unter vier Augen.

Die hohe Frau lag in halbſitzender Stellung nachläſſig auf einem prächtigen Divan; ſie hatte,

wie gewöͤhnlich, ſehr gewählte Toilette gemacht und verſchmähte es nicht, ſelbſt dem Kanzler gegenüber mit ihren körperlichen Reizen zu kokettiren. Wie ge⸗ ſagt, waren ihr alle ernſteren Geſchäfte ſehr zuwider, und auch dieſes Mal drückte ſich deutlich die Gleich⸗ gültigkeit gegen die Nachrichten, die ihr der Graf

brachte, ſchon im Voraus in ihren Mienen aus.

Nun, was giebt's, Beſtuſcheff? fragte ſie lang⸗ ſam.Faſſe Dich ſo kurz als möglich, Du weißt, daß mir Deine langweilige Weitſchweifigkeit ſchon mehr

als einmal Migraine verurſacht hat.

Der Kanzler blieb an einem lane Maeeaiſch onarchin zur

mit vergoldeten Füßen, der ſich der Seite befand, in ehrerbietiger Haltung ſtehn.

Es handelt ſich nicht um Staatsgeſchäfte, Ma⸗

jeſtät, ſagte er.

Deſto beſſer! was willſt Du denn aber von

mir? fragte die Kaiſerin gähnend.

Novellen⸗

Zeitung.

Der Kanzler machte ein ſehr betrübtes Geſicht und beugte feierlich ein Knie vor der Kaiſerin, die ihn verwundert anblickte.

Es iſt eine ſchwere Pflicht, die ich gegen meine Kaiſerin zu erfüllen habe, ſagte er,denn ich muß Sie davon in Kenntniß ſetzen, daß Ihre wohlmeinen⸗ den und huldreichen Abſichten und Gnadenbezeigungen von Undankbaren nicht allein verkannt worden ſind, ſondern auch dazu Veranlaſſung gegeben haben, der erhabenſten und unantaſtbarſten Perſon zu ſpotten.

Die Kaiſerin brachte ſich ganz in ſitzende Stel⸗ lung, ihre Brauen zogen ſich zuſammen und ihr Auge wurde finſter.

Steh auf, Alexej Beſtuſcheff, gebot ſie kurz, und berichte mir der Wahrheit gemäß, wen Du anzuklagen gedenkſt.

Der Kanzler erhob ſich und ſagte:

Ich möchte nicht anklagen, Majeſtät; es wider⸗ ſtrebt meinem Charakter, Ihre Ungnade auf andere Häupter herabzuziehn, aber ich kann als treuer Diener auch unmöglich ſchweigen, nachdem der Zufall mich eine Entdeckung hat machen laſſen, die Sie ſchwer beleidigen muß. Madame, ich ſpreche von der Fürſtin Baſſa Kokorinow und einem unbedeutenden jungen Manne, der ſich einmal vorübergehend Ihrer

hohen Huld ſchmeicheln durfte. Sein Name? fragte die Kaiſerin lebhaft und

in drohendem Tone.

VAlexis Dmitrijew, Major der Preobraſchenskoi' ſchen Garde.

V Eliſabeth zuckte ſichtlich zuſammen.

weiß, daß er lebensgefährlich krank liegt. VEr täuſcht damit nur die Aerzte, um den größ⸗ ten Theil ſeiner Zeit auf dem Landgute der Fürſtin Kokorinow zuzubringen... Die Kaiſerin ſprang haſtig auf; ihre Augen leuch⸗ teten unheimlich. Die alte Leidenſchaft für den Major ſchien wieder in ihr erwacht zu ſein. Du lügſt, Alexej Beſtuſcheff! rief ſie zornig. Es ſchmerzt einen alten oftmals erprobten Die⸗ ner tief, ein ſo hartes Wort von ſeiner Herrin zu hören, erwiderte der Kanzler demüthig.Ich klage den Major nicht ohne die überzeugendſten Be⸗ weiſe an. 7. Beweiſe? Nenne ſie mir! herrſchte Eliſabeth ſehr ungnädig, denn ſie ſchien blos eine Intrigue des

Es handelt ſich um Ihre allerhöchſte Perſon, Grafen zu vermuthen.

Madame, fuhr der Kanzler lauernd fort.

Eliſabeth wandte den Kopf ganz nach ihm um,

zu intereſſiren.

Zunächſt, daß ich mit eigenen Augen geſehen

Was ſoll er verbrochen haben? rief ſie.Ich

habe, wie ſich der Major vor wenigen Tagen erſt

die Unterhaltung begann ſie ſchon um Vieles mehr in der Abendſtunde zu Pferde und in einer Verklei⸗ dung nach der Villa der Fürſtin bei Oranſenbaum

Aehe Hra ſpron ken und lang und

zäͤh⸗