wollten:„Nie könnte mir ein Sieg gefallen, deſſen ich nach⸗ her mich ſchämen müßte.“
Man kann dem Manne gewiß nicht Unrecht geben, wel⸗ cher die Menſchen in drei Claſſen brachte, und dann behaup⸗ tete: Die eine Claſſe hat Geld, die andere hat's gehabt, die dritte hätt's gern.
Kleine Kitiken.
Novellen von Melchior Meyr. Cotta. 1863.
Zu der kleinen Zahl wirklich gediegener Novelliſten, die ſich jetzt im ſpeculativen Induſtrietreiben durch ernſte Kunſtbegeiſterung auszeichnen, gehört Melchior Meyr.
In ſeinen„Dorfgeſchichten aus dem Ries“ hat er ſich als ein Menſchenmaler gezeigt, der zur Darſtellung der fein⸗ ſten pſychologiſchen Züge fähig iſt, und den Eindruck dieſer Fähigkeit noch durch einen reinen, ſtylvollen Vortrag und durch eine ebenſo geſunde als philoſophiſch geſchulte Logik des Denkens erhöht.
Niemals geht er aufsMaſſencompoſitionen und auf die rohen Effecte ſtofflicher ſpannender Handlung aus. Die
Stuttgart bei
Novellen⸗Zentung.
ohne die ſehr ſorgſam und deutlich gezeichneten Illuſtrationen, die es im Gebiete der Naturkunde, Technologie und Geogra⸗ phie bringt, würde es ſich ſchon durch die Gründlichkeit und Friſche ſeines Textes empfehlen.
Mit praktiſchem Blick und richtiger Erkenntniß unſeres Zeitgeiſtes iſt auf die neuen Fortſchritte und Forſchun gen der Realwiſſenſchaften mit Nachdruck Rückſicht genommen, und die wichtigen längeren Artikel laſſen auf namhafte Mitar bei⸗ ter ſchließen.
Bei dem überaus billigen Preis überraſcht die elegant ſolide Ausſtattung, die durch die Reinheit des Drucks ſich für alle Leſer eignet.
Die uns bis jetzt vorliegenden Hefte gehen bis zum Buchſtaben D. und ſind geeignet, das gebildete Publicum in den größten Kreiſen auf die gleichmäßig werthvolle Fort⸗ ſetzung geſpannt zu machen. O. B.
Ein weiblicher Arzt. Roman von Arthur Stahl. Leipzig, bei Hermann Coſtenoble. 1863.
Der Verfaſſer hat ſich bereits als gewandter Darſteller des geſellſchaftlichen Lebens bekannt gemacht. Eine leichte gefällige Schreibweiſe kennzeichnet auch dieſe unterhaltende Erzählung, deren pſychologiſche Tendenz ſich ſchon im Titel paſſend ausſpricht.
That entwickelt ſich in ſeinen Erzählungen mit epiſcher Ruhe aus dem Charakter der Perſonen, aus der ſpecifiſchen Schwerkraft der Zuſtände; ſie vermeidet indeß die draſtiſchen * Sprünge und theatraliſchen Ueberraſchungen, welche jetzt als eine geſchmackloſe, die Wahrheit mit Füßen tretende Effect⸗ haſcherei bei den neueren Novelliſten Mode geworden ſind. Diesmal bewegt ſich die Muſe des Dichters nicht im Landleben, ſondern in den geſellſchaftlichen Culturverhält⸗ niſſen der Stadt. Die beiden Erzählungen winn“ und ganz beſonders„die zweite Liebhaberin“ mit vorzüglich gelungener müthskraft geſchildet. Durch
ſtiſchen Wahrheit der Zeichnung, von der Wärme der in den geſunden, rein menſchlichen Geſtalten. macht den feſſelnden Eindruck, welchen das veredelte Spiegel bild der Wirklichkeit giebt.
Kennern und Laien den gediegenen literariſchen Ruf Mel chior Meyr's noch vielſeitiger zu begründen. O. B.
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Berlin, Verlag von Eduard Beck. 1863.
wird durch das Motto:
zeichnet. moderne Zeit verlegt,
burghauſen, bibliographiſches Inſtitut.
laßt uns, es wiederholt dem Publicum zu empfehlen.
„Verluſt im Ge⸗ ſind Einfachheit und intenſiver Ge⸗ keinerlei künſtliche Reizmittel wird das Herz oder die Phantaſie des Leſers erregt; aber beide fühlen ſich deſto nachhaltiger angeſprochen von der pla⸗
Färbung Der Dialog
Dieſe tüchtigen Leiſtungen werden dazu beitragen, bei
Clara oder die Führung zum Licht, von Ida Born.
Die Tendenz der kleinen ziemlich bewegten Erzählung „Ad majorem Dei gloriam“ be⸗ Die Verfaſſerin, welche ihre Begebenheit in die verſteht es auf ſpannende Scenen los⸗ zuarbeiten, wodurch die moraliſche Abſichtlichkeit an trockenen
Die Vortrefflichkeit dieſes ausführlichen Werkes veran⸗ Auch
Die Geſchichte ermüdet nicht durch künſtlichen Perſo⸗ nenreichthum oder engliſche Kiniaturſchilderung der Loca⸗ litäten und bebandelt manche innere Wendungen unſeres modernen Lebens mit ſtrebſamer Friſche. O. B.
Sinnſprüche für Albumund Stammbuch von H. Gauß. Weimar, bei Voigt.
Auf 380 Seiten von engem Druck finden ſich hier, na— mentlich aus der deutſchen Literatur, eine ganze Menge von Sinnſprüchen, Xenien und Epigrammen zuſammen gereiht, um dem Publicum eine billige Blumenleſe dieſer Art zu bie⸗ ten. Auch franzöſiſche und engliſche Schriftſteller haben in einem Anhang ihr Scherflein beitragen müſſen. Mit ganz beſonderer Vorliebe hat der Sammler die Literatur berückſich⸗ tigt, welche ſich an die claſſiſche in einigen Perſönlichkeiten, ⸗ z. B. in der Rückert's, anlehnte. Doch bei dieſer Wahl hätte es nicht ſchaden können, eine eben ſo große Vorſicht wie bei der neueſten Literatur anzuwenden, denn gerade Rückert’s Sprüche, ſo herrlich manche davon ſind, gehen oft nur zu ſehr in Formſpielereien auf, die keinen haltbaren Gedan⸗ kenwerth haben. Auf der andern Seite möchten wir den Verfaſſer für eine ſpätere Auflage darauf aufmerkſam machen, daß es doch auch in der neuſten Literatur noch manchen Poe⸗ ten giebt, den er berückſichtigen dürfte, ohne dem guten Ge⸗ ſchmack zum Nachtheil zu wirken. Ich nenne nur beiſpiels⸗ weiſe hier einige Männer wie Friedrich Bodenſtedt, Claus Groth, Julius Hammer, Melchior Meyr, Julius Moſen, Scheurlin, Carl Siebel, Sturm u. ſ. w., denen ich noch mehrere andere anreihen könnte, die jedenfalls nicht übergan⸗
Eindrücken verliert. Das Büchelchen eignet ſich beſonders als nich 9
zur Lectüre für manche Frauen und verliert ſich nicht in gen ſein dürfen, wenn von einiger Vollſtändigkeit und lite⸗ Breitſchweifigkeit. O. B. Nariſcher Umſicht die Rede ſein ſol..
Ich bemerke noch, daß die franzöſiſchen und engliſchen
Meyer's neues Converſationslexikon. Hild⸗ Sprüche in der Originalſprache mitgetheilt ſind und das
Vervollſtändigung anderer Anthologien empfiehlt.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ouo Srieduch Dün
in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in
Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig⸗
ganze Album ſich recht wohl als ein nützlicher Beitrag zur
ſn


