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Glück zu wünſchen, mit den civiliſirten Europäern in nähere Beziehungen getreten zu ſein.
Als Lord Palmerſton im Jahr 1859 von der Königin mit der Bildung eines neuen Miniſteriums beauftragt wurde, übertrug derſelbe dem ſeit einiger Zeit nach England zurück⸗ gekehrten Lord Elgin in ſeinem Miniſterium die Stelle als General⸗Poſtmeiſter, die er aber nur bis ins Jahr 1860 ver⸗ waltete, wo ihm zum zweiten Male der Geſandtſchaftspoſten in China übertragen wurde. Die Veranlaſſung dazu war folgende. Im Friedensvertrag von Tien-tſin war feſtgeſetzt worden, daß künftig ein engliſcher Geſandter in Peking reſidi⸗ ren ſolle. Als der neue Geſandte, Herr Bruce, ein jüngerer Bruder des Lord Elgin, in China ankam, wollte die chineſiſche Regierung ihm den Eintritt in die Hauptſtadt nur unter Be⸗ dingungen geſtatten, die anzunehmen ſeine Würde ihm nicht erlaubte. Er wollte die England im Friedensvertrag gemachten Zugeſtändniſſe erzwingen, doch die engliſche Flotte erlitt bei dieſer Gelegenheit im Peiho eine ziemlich empfindliche Nieder⸗ lage, und in Folge deſſen wurde Lord Elgin im Jahr 1860 zum zweiten Mal mit bedeutenden Streitkräften abgeſandt, um die Chineſen zur Haltung des Verſprochenen zu nöthigen. Dieſe Unternehmung gelang ihm vollkommen. Engländer und Franzoſen, die in dieſem Kriege, wie in dem vom Jahr 1857, verbündet waren, marſchirten auf Peking los, in das ſie, nachdem ſie vorher den Sommerpalaſt des Kaiſers von China ausgeplündert und niedergebrannt hatten, als Sieger
einzogen und die Chineſen zu einem weit härteren Friedens⸗ ſchluß zwangen, den dieſe nicht ſobald wieder zu brechen wa—
Novellen⸗
Zeitung.
reszeit über verweilte er dieſes Jahr in Simla und jetzt be⸗ reiſte er eben die nordweſtlichen Provinzen, wo er einzelne Punkte des Himalaya beſuchte. Erkrankung ſoll er einen 13,000 Fuß hohen Berggipfel be⸗ ſtiegen haben, und es iſt wohl möglich, daß dieſe Anſtrengung der Grund ſeiner Erkrankung iſt. Er befand ſich eben auf einer Reiſe nach Lahore, um den dortigen Gouverneur Sir Hugh Roſe zu beſuchen, als er ſo gefährlich erkrankte, daß man bei dem Abgang der letzten Nachrichten aus Bombay an ſeiner Wiedergeneſung verzweifelte. Unter dieſen Um⸗ ſtänden blieb der engliſchen Regierung nichts weiter übrig, da Lord Elgin ſelbſt um ſeine Abberufung gebeten hatte, als dieſen wichtigen Poſten neu zu beſetzen, und es würde für ſie ſehr ſchwierig geweſen ſein, einen würdigen Nachfolger für
Lord Elgin zu finden, hätte ſie der alten Regel treu bleiben wollen, nur ein Mitglied der hohen Ariſtokratie und des V Oberhauſes zum Generalgouverneur von Oſtindien zu er⸗ nennen. Auch in dieſem Falle hat Lord Palmerſton, dem dieſe Wahl oblag, ſich als praktiſcher Staatsmann gezeigt, indem er Sir John Lawrence, der in keiner Beziehung zu der Ariſtokratie ſteht, wohl aber die erforderlichen Kenntniſſe und Eigenſchaften beſitzt, ohne welche der Generalgouverneur von Oſtindien ſeine Rolle nicht mit Erfolg verſehen kann, dieſen Poſten übertragen hat und zwar proviſoriſch in dem nicht wahrſcheinlichen Falle, daß Lord Elgin wieder geneſen ſollte und die Stelle von neuem übernehmen könnte, und de⸗ finitiv im entgegengeſetzten Falle. Sir John Lawrence hat keine Pairſchaft zu erben, wohl aber hat die Natur ſeinem
Wenige Tage vor ſeiner
ganzen Aeußern den Adel eingeprägt, und er iſt ganz der Mann dazu, ſich eine Pairſchaft zu verdienen. Sir John hat lange Zeit in Oſiindien gelebt und kennt daher das Land hatte aber zugleich die Gelegenheit, ſich als ausge⸗ Adminiſtrator zu zeigen und zur Zeit der Empö⸗ Dienſte zu leiſten, daß kein lebender Englän⸗
gen werden.
Dieſer neue Triumph des Lord Elgin trug ganz natür⸗ lich viel dazu bei, daß er in England in der öffentlichen Mei⸗ nung noch höher ſtieg, und als kurz darauf der damalige gründlich, Generalgouverneur von Oſtindien, Lord Canning, wegen zeichneter Erkrankung um Abberufung von dieſem Poſten bat, wurde der⸗ rung ſo große ſ ſelbe dem Lord Elgin übertragen, der in Jamaica und Canada I der ſich in dieſer Hinſicht mit ihm meſſen kann. Als Admini⸗ ſeine Fähigkeit, ein großes Land zu verwalten, hinreichend ſtrator bewährte er ſich im Pendſchab, wo er unter der bar⸗ bewieſen hatte. Somit trat Lord Elgin in den Beſitz des bariſchen Bevölkerung eine vollkommne Ordnung zu erhal⸗ größten und wichtigſten Vicekönigthums, das die engliſche ten verſtand und derſelben ſoviel europäiſche Civiliſation bei⸗ Regierung zu vergeben hat, wo das Geſchick von 150 Milli⸗- brachte, als ſie anzunehmen im Stande waͤar. onen der Eingebornen ihm anvertraut war. Man erwar⸗ Die Erhebung der Abgaben und die Gerechtigkeitspflege, tete von dem neuen Generalgouverneur viel, doch er hat wäh⸗- wie ſie von Sir John in dem Pendſchab eingeführt wurde, rend der kurzen Zeit, wo er dieſen wichtigen Poſten verwal⸗ dienten den andern Provinzen Oſtindiens als Muſter; die tete, weit mehr geleiſtet, als man von ihm erwartet hatte, was Beamten, die ſich unter ihm gebildet haben, ſind am geeig⸗ ihm weſentlich dadurch erleichtert wurde, daß Oſtindiens Ver⸗ netſten, die ſchwierigſten Aufgaben zu übernehmen und aus⸗ waltung aus den Händen der oſtindiſchen Handelscompagnie zuführen, und die Maximen ireune iit nach—— in die Hände der Regierung übergegangen war. Lord Elgin ſeinem oſten im Pendſchab verfuhr, ſind traditionell gewor⸗ ſtellte oumal die Senu wienen be und ſein Bemüden din aaſtne jetzt in Oſtindien auch von denen befolgt, die war, die nachtheiligen Folgen, welche die Empörung zurück⸗ gar nicht wiſſen, daß ſie von Sir John Lawrence zur Geltung
gelaſſen hatte, mehr und mehr zu beſeitigen. Unter ſeiner gebracht worden ſind. So verdient derſelbe ſich aber auch Verwaltung erreichten die oſtindiſchen Finanzen einen ſo um die Organiſirung des Pendſchab gemacht hat, ſo leiſtete blühenden Stand, wie ſie ihn nie vorher geſehen hatten; er er doch noch weit wichtigere Dienſte während der Empörung beförderte den Bau der Eiſenbahnen durch das weite Reich; der Eingebornen im Jahr 1857. Sir John Lawrence be⸗ eben ſo wirkte er ſehr thätig, um den Anbau der Baumwolle fand ſich damals als Gouverneur im Pendſchab, welchen und des Thees im Lande weiter zu verbreiten, that viel für Poſten er ſeit Jahren mit Glück verwaltet hatte, alſo in einer die Beförderung des Unterrichts, und ſeine ganze Politik war neu eroberten und ſehr unruhigen Provinz, in welcher nur die der Verſöhnung, um die Eingebornen mit England näher ein Mann, ſo kräftig, einſichtsvoll und feſt wie er, in kur⸗ zu verbinden. In allen ſeinen Maßregeln ſprach ſich ſein zer Zeit die Ordnung herzuſtellen vormochte. J. Folge geſunder Verſtand und ſein geſelliger Takt aus, und da er des Ausbruchs der Empörung ſah Sir John Lawrence jede damit die größte Arbeitſamkeit und Thätigkeit verband, ſo Möglichkeit, von irgend einer Seite Beiſtand zu erhalten, ſich war ſeine Verwaltung eine ſo erfolgreiche un für Oſtindien dsſchulten und mit einer derinde Rid nunhe die iän zn ſo ſegensreiche, wie keine frühere es geweſen war. Dabei Gebote ſtand, hatte er das Leben und Eigen n ⸗ vernaläfſigte er die durch das dortige heiße Klima bedingte päer zu überwachen, die ſich dort niedergelaſſen hatten. Je⸗ Sorge für ſeine Geſundheit durchaus nicht. Die heiße Jah⸗ der Andre an ſeiner Stelle würde geglaubt
haben, ſehr Gro⸗ 8
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