Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
26
Einzelbild herunterladen

26 Novellen⸗

Haſt Du denn nie den Frieden hier geſchaut?

O doch! ein Abglanz hat Dich mild umleuchtet: An Deine Bruſt ſank Dir die Herzensbraut,

Die Thräne ſchwand, die lang den Blick gefeuchtet. Chriſtine ſchmiegte fromm die Roſenwangen Den Deinen an: da ward es Frühling Dir! Des treuſten Weibes liebendes Umfangen Giebt's für den deutſchen Dichter ſchön're Zier?

Und was dem Knaben einſt ein Traumgebild Vor Augen ſtellt' in holdverklärtem Lichte,

Das hat der Mann zum Dank ihr groß und mild Mit Meiſterhand gewunden zum Gedichte.

Du ſchufeſt, Friedrich, ihrdie Nibelungen, Das zaubervolledeutſche Trouerſpiel,

Du haſt ihr die Unſterblichkeit errungen:

Sie ſteht, wie Du, am höchſten Erdenziel!

Da, mitten in dem hoffnungsvollſten Thun, Ruft Dir der ew'ge Vater:Kehre wieder! * Verlaß die Welt, Du ſollſt im Himmel ruh'n,

Und hören meiner Engel Jubellieder!

Dein Auge bricht, Dein theures Leben ſcheidet, Sie tragen unter Thränen Dich hinaus. Und Du Chriſtine! Was die Liebe leidet, Dein Friedrich ſieht's im lichten Vaterhaus.

Wenn Weihnachtskerzen angezündet ſind,

O Du verklärter Geiſt, dann ſteigſt Du nieder, Dann ſegneſt Du Chriſtinen und Dein Kind, Und ſchwebſt gen Nord zur Vaterhütte wieder. Du bebſt zurück? Nicht flimmern Weihnachtslichter! Dein Haideland blickt weinend himmelan!

O Friedrich Hebbel, frag' den Weltenrichter, Ob's nicht wie Du zur Ruhe kommen kann!

Alfred Formey.

Literariſche Briefe von Otto Banch.

Teichmann's literariſcher Nachlaß. Her⸗ ausgegeben von Franz Dingelſtedt. Stuttgart, Cotta'ſcher Verlag. 1863.

Das deutſche Publicum hat ſich ſtets deſto enger um die Intereſſen des Theaterlebens geſchaart, als es der Politik fern ſtand und ihm nicht vergönnt wurde, ſich um ſeine großen vaterländiſchen National⸗ angelegenheiten ſelbſtſtändig zu bekümmern.

Wenn Sie einen Blick werfen anf die Theil⸗ nahme, welche die Gebildeten für die Bühne hegen, ſo kann Ihnen nicht entgehen, daß man unbewußt in Deutſchland das Feld der Thaten und einer ge⸗

4

Zeitung.

wiſſen verborgenen Gedankenfreiheit auf dem Theater ſucht. Man entſchädigte ſich hier ſtets durch offenes Fühlen und Handeln für die Feſſeln, welche das wirkliche Leben den Unterthanen anlegte.

Erſt in neueſter Zeit hat man ſich auch patriotiſch ungehemmter bewegen gelernt, und der Markt des Lebens iſt mehr in den Focus der Beobachtung ge⸗ treten, als jene Breter, welche, um in einem gemiß⸗ brauchten Gleichniß zu reden, die Welt bedeuten, aber deswegen durchaus nicht für die reale Welt zu ent⸗ ſchädigen vermögen. 1

Man wendet ſich heute nachdrücklicher den Lebens⸗ fragen für das Volk zu; aber das Theater wird dabei immer die Bedeutung behalten, welche es in ſittlicher und dichteriſcher Beziehung für eine ſo hoch begabte Nation in Wahrheit anſprechen darf.

Sie werden finden, daß das vorliegende Buch für die Hunderttauſende von Theaterfreunden ein beſon⸗ deres anders gefärbtes und oft viel perſönlich leb⸗ hafteres Intereſſe haben muß, als ſo manche gute Geſchichte des Bühnenlebens.

Es handelt ſich hier um die ſpeciellſten Nachrichten über eine einzige Kunſtanſtalt, die königliche Bühne zu Berlin, und bei dieſer Gelegenheit tauchen eine Menge Einzelnheiten auf, welche in dem allgemeinen Werke keinen Platz finden könnten, nichts deſto weni⸗ ger aber den Kenner wie den Laien oft menſchlich näher berühren.

Der verſtorbene Hofrath Teichmann hatte das für ſeine ehrenwerthe Theaterliebhaberei beſondere Glück, beinahe zwei Menſchenalter hindurch an der Berliner Bühne als Schriftführer oder Theaterſecretär thätig zu ſein. In dieſer Stellung gingen alle Cor⸗ reſpondenzen mit Dichtern und Schauſpielern, mit Sängerinnen und Tänzerinnen, kurz mit Allen, die ſich um den Tempel der darſtellenden Muſen ſchaaren, durch ſeine Hand, während in ſeinen Tagebüchern alle übrigen Tagesbegebenheiten von ſeiner fleißigen Feder feſtgehalten wurden. Es iſt dabei vielleicht gut, daß dieſer Mann keine ſtarke eigene Meinung beſaß, denn um ſo unbefangener erſcheint ſomit der Spiegel ſeiner Auffaſſungen, der uns die Vorgänge und Erlebniſſe treuherzig wiedergiebt. Teichmann erſetzte nach Kräften den ihm fehlenden höheren Geiſt durch eine liebenswürdige Toleranz im Um⸗ gange und durch die Trefklichkeit ſeines Gedächt⸗ niſſes.

Sein Nachlaß geht in einer kurzen hiſtoriſchen Ueberſicht ſo weit zurück, daß er von 1740 an hundert Jahre der Berliner Theatergeſchichte umfaßt.

Einen viel größeren Leſerkreis aber, der ſelbſt

einen beträchtlichen Theil des Damenpublicums mit