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„Ich bin aus den Jahren, ſchöne Fürſtin,“ be— gann Graf Beſtuſcheff,„in denen man ſeine Gefühle, um ſie auszudrücken, in lange und ſchwärmeriſche Worte zu kleiden liebt; das beweiſt auch nicht immer, daß ſie wahrhaft tief empfunden ſind. Das jugend⸗ liche Feuer flackert oft ſehr hoch auf und läßt dennoch nichts weiter zurück als ein wenig ausgebrannte Aſche, im reiferen Alter brennt die Flamme beſcheidener, aber auch klarer und dauernder.“
Die Fürſtin wurde über den Verſuch des trocke— nen Staatsmannes, poetiſch zu werden, gelächelt haben, hätte ſie nicht bereits errathen, wo hinaus er wolle, und dies beängſtigte ſie nicht wenig, da ihr gerade jetzt, wo ſich die Kaiſerin ihr ungnädig gezeigt hatte, am wenigſten daran liegen konnke, ſich einen neuen, obenein ſo mächtigen Feind wie den Kanzler zu machen.
„Ich begretfe noch nicht, Herr Graf,“ meinte ſie, was Ihre ohne Zweifel ſehr richtige Bemer⸗ kung mit meiner Reiſe nach Oranienbaum zu thun hat.“
„Sollten Sie mich wirklich nicht verſtanden haben, wenn Sie ſich der ehrerbietigen Huldigungen erinnern, die ich ſo glücklich war, Ihnen ſchon ſeit geraumer Zeit zu Füßen legen zu dürfen?“ ſagte der Graf mit ſehr verliebtem Geſichte.
„Mein Gott, Sie wollen doch nicht auch in der Verbannung mein Cavalier werden?“ rief Baſſa lachend.
Der Graf ärgerte ſich über dieſes Lachen und biß ſich auf die Lippen.
„Ich würde es gern ſein, wenn Sie mir ein Recht darauf einräumten,“ erwiderte er ſehr ernſt.
„Ein Recht? Sie, der mächtigſte Mann Rußlands nächſt der Kaiſerin, ſollten nicht ſelbſt Herr Ihres Willens ſein?“
„Sie wollen mich nicht verſtehn, Fürſtin,“ ſagte der Kanzler mit gerunzelter Stirn.„So will ich ohne weitere Umſchweife und ganz offen zu Ihnen ſprechen. Sie nannten mich ſoeben den mächtigſten Mann Ruß⸗ lands nächſt der Kaiſerin, und ich habe allerdings einigen Einfluß; ſelbſt wenn ich ihn einmal einbüßen ſollte, was zu Lebzeiten der Kaiſerin gar nicht zu erwarten iſt, hat mich das Glück mit einem Reich⸗ thume geſegnet, dem ein anderer in Rußland ſobald nicht gleichkommt, und er wird mir immer eine der erſten Stellen im Reiche anweiſen. Das und meine aufrichtige Ergebenheit für Ihre Perſon, ſchöne Baſſa,
Novellen⸗
Jeitung.
Hofes, finden werden und daß ruhige Ueberlegung und wahre Achtung, nicht flüchtiger Sinnenrauſch, ein für alle Zeiten unzerreißbares Band knüpfen.“ Baſſa war etwas bleich geworden. Sie kannte den Charakter des Grafen gut genug, um ſeine Rache zu fürchten, wenn ſie ſeinen Antrag entſchieden zurück⸗ weiſe, ſie fürchtete jene ſogar nicht mehr allein für ſich, ſondern auch für Alexis Dmitrijew, wenn dem Kanzler die Eiferſucht in den Sinn kämez ſie war aber jetzt, nachdem die wahre Liebe ſich in ihrem Herzen einen Platz zu erobern begonnen hatte, um ſo weniger im Stande, den Wünſchen Beſtuſcheff's ent⸗ gegenzukommen, als ſie noch vor der Bekanntſchaft mit dem Major ſchon ſtets Abneigung gegen ſeine Huldigungen gefühlt hatte. 4 Es wurde ihr daher ſehr ſchwer, ſich zu faſſen und ihm zu erwidern, daß ſein unerwarteter Antrag ſie hoch ehre, daß er ihr aber auch zu überraſchend komme, als daß ſie nicht einer längeren Ueberlegung bedürfe. Was die Verſchiedenheit ihres Alters anbe⸗ treffe, ſo theile ſie ganz ſeine Anſicht, und zwar um ſo eher, als ſeine Perſönlichkeit ihr ſtets die hoͤchſte Achtung eingeflößt habe; ihr Herz ſei noch vollkommen frei, und ſie werde die Einſamkeit auf ihrem Gute benutzen, es zu Rathe zu ziehn, ob es ſich in die Feſſeln der Ehe ſchlagen laſſen wolle. Baſſa ſuchte dieſe Antwort ſo viel als möglich zu verſüßen, dennoch bemerkte ſie zu ihrer großen Unruhe, daß die Stirn des Kanzlers immer faltiger wurde. 3 Graf Beſtuſcheff unterließ nicht, einige Einwen⸗ dungen gegen ihre Anſicht zu machen, vermochte ſie aber nicht zu erſchüttern. Obgleich er offenbar unzu⸗ frieden darüber war und Baſſa wiederholentlich miß⸗ trauiſch anblickte, begnügte er ſich endlich doch, ſie zu fragen, ob ſie ihm auch nicht alle Hoffnung zu nehmen beabſichtige.. Die Fürſtin war in einer ſchlimmen Lage; ſie durfte nicht Ja ſagen, ohne ſich der größten Gefahr auszuſetzen, und indem ſie die Frage verneinte, band ſie ſich gewiſſermaßen an dieſen Mann, dem ſie nie ihre Hand zu reichen gedachte, und opferte ihm ihre Willensfreiheit. Dennoch wählte ſie nothgedrungen den letzteren Weg, fügte aber hinzu: „Betrachten ſich Eure Excellenz vollſtändig frei,
Petersburg zurückkehre und Sie legen mir die Frage, die Sie heute an mich geſtellt haben, nochmals vor,
kann ich Ihnen bei der Bitte um Ihre Hand bieten; die Verſchiedenheit unſeres Alters kann Ihnen nur eine Bürgſchaft dafür geben, daß Sie an Ihrem zu⸗
künftigen Gatten eine kräftige Stütze in allen Lebens⸗
verhältniſſen, beſonders auf dem glatten Parquet dieſes
ſo werde ich Ihnen mit dem offenen Vertrauen darauf antworten, beanſpruchen darf.“ 85
Der Kanzler fügte ſich anſcheinend gutwillig. Er küßte der Fürſtin achtungsvoll die Hand und
wie auch ich es mir vorbehalte. Wenn ich nach
das Ihre Freundſchaft für mich
g Nl heic bitte paͤte burg gege
ſein Baſſ geſſe Fürf ſei Neigt hahen Deſt fäͤrüi erſchi gefih ion Magl zwiſe nicht Gün ſprech lichſte 3 Graf ſdigent
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