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Vierte Folge.
Gine TMlochenchronih für Niteratur,
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Leipzig, am 8. Januar 1864.
Kunzt, ſchöne Mliſſenſchaften und Geſellſchuft.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Die verhüngnißvolle Roſe.
Novelle von
Stanislaus Graf Grabowski.
(Fortſetzung.) III.
Die junge Fürſtin Kokorinow war eine Waiſe. Ihre Familie war, wie man ſagt, unermeßlich reich, ſie zählte zu den älteſten Rußlands. Dieſes ganze Vermögen war nach dem Tode ihrer Eltern auf das junge Mädchen übergegangen, als daſſelbe noch in einem Kloſter Moskau's erzogen wurde.
Mit ſiebzehn Jahren trat Baſſa aus dieſem Kloſter und kam auf beſonderen Wunſch der Regen⸗ tin Anna an den Petersburger Hof. Die Regentin wies ſie der Großfürſtin Eliſabeth als Ehrendame zu, und die Fürſtin fühlte ſich in dieſem Verhältniß ganz glücklich. Die Großfürſtin und ſpätere Kaiſerin
gab ihr mannigfache Beweiſe ihrer Gnade, die Scheu des ſtreng und einfach erzogenen Mädchens vor dem ziemlich rohen Glanze des Hofes wich allmählich, und ſie fühlte ſich bald an ihm zu Hauſe, ohne damit ihrem echt weiblichen Gefühle zu entſagen. Baſſa blieb trotz manchen ſchlechten Beiſpieles rein und un⸗ ſchuldig, obgleich ſie, durch die ihr in Menge zuge⸗ tragenen Schmeicheleien verführt, ein wenig zu koketti⸗ ren gelernt hatte.
Sie war ſchön, und dies, in Verbindung mit ihrem Reichthum und der Bildung, welche die der meiſten Hofdamen übertraf, lockte viele Anbeter und Freier herbei, aber Baſſa wurde ſowohl durch den vorerwähnten Anflug von Koketterie, wie hauptſäch⸗ lich durch ihren richtigen Blick davor geſchützt, über⸗ eilt ihr Herz zu verſchenken; ſie ließ ſich ganz gern den Hof machen, aber an Heirathen dachte ſie noch nicht, obgleich ſie das Alter dazu bereits erreicht hatte.
Zu den Anbetern der jungen Fürſtin gehörte ſeit Monaten vor jener Schlittenpartie ſchon der


