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rungen, Supplementen und Varianten bereits eine kleine Bibliothek füllend, wird dadurch beträchtlich vermehrt, denn die Edition umfaßt zwei ſehr ſtarke Bände von wahrhaft prachtvoller Ausſtattung. Druck und Papier ſind ſo vorzüglich, daß Lothar Bucher's Ausſpruch:„er beſitze ein Werk aus dem ſechzehnten Jahrhundert, womit er ſtets jeden Buchdrucker und Papierfabrikanten ärgern könne“, kaum darauf eine Anwendung finden darf.
Die Sammlung des Briefwechſels, vom großher⸗ zoglich Weimarſchen Hof und von Goethe'ſchen Ver⸗ wandten mit dankenswerther Bereitwilligkeit unter⸗ ſtützt, hat dem Herausgeber Dr. Vogel nicht wenig Schwierigkeiten gemacht, indem viele von den Briefen und kleinen Billetzuſchriften ohne Datum waren, und Goethe einen Theil derſelben verbrannt zu haben ſcheint. Außerdem iſt wohl Manches verloren gegan— gen, und da ſich die Schreibenden nach ihren Briefen oft perſönlich ſahen und viele der fraglichen Punkte mündlich erledigten, ſo hat man begreiflicher Weiſe hier keine zuſammenhängende, ſich im Inhalt ergän⸗ zende Correſpondenzkette zu ſuchen. Endlich iſt es natürlich, daß bei einem vorwaltenden Zuſammenleben geiſtig bedeutendere Erörterungen für mündliche Un⸗ terhaltung aufgeſpart wurden.
So ſind denn die Briefe hauptſächlich geſchäft⸗ lichen Inhalts und geben von Seiten des Großher— zogs meiſtens Aufträge privater und officieller Art,
Anordnungen und Anregungen zu amtlichen Fragen eigene und
kund; von Seite Goethe's enthalten ſie zum Theil die erörternden Antworten hierauf, zum Theil aber auch Bitten, Dankſagungen und Aufmerkſamkeiten aller Art. Der Fürſt ſchreibt im Allgemeinen im herab⸗ laſſenden Vertrauenston an den befreundeten und zu⸗ gleich geehrten und geliebten Diener. Goethe ſchreibt mehr an den fürſtlichen Gönner als fürſtlichen Freund, und hält die Stellung eines ehrfurchtsvoll Untergebe⸗ nen durchſchnittlich ſtrenge ein. Doch dies muß noch näher bezeichnet werden.
Beide Briefſchreiber waren einſt jung und lebens⸗ luſtig und warfen ſich den Wogen der Jugend ohne
ängſtliche Rückſicht in die Arme. Dieſe Sturm⸗ und
Drangperiode gehörte nicht der ſtrengen Etikette an, eeiner ſo ſubmiſſen Devotion herab, wie ſie
und das Herz behauptete große, unumſchränkte Rechte. Es iſt ein Verluſt, daß ſo viele Briefe des Großher⸗ zogs aus dieſer Zeit abhanden gekommen ſind. Hier ſpricht faſt nur Goethe, und er bringt der Form nur ſehr mäßige und faſt gar keine höfiſche Opfer dar. Daſſelbe findet ſich meiſtens noch in ſeinen? fioßen aus Italien. Später, als die Jugend verſchwand und die Anforderungen und Sorgen des Lebens und der Regierungsgeſchäfte ernſter und complicirter wurden,
Novellen⸗
mannes ſchuldig war.
Zeitung.
knöpften ſich die beiden Herren im Verkehr mit der Welt immer weiter hinauf zu, und auch ihr gegen⸗ ſeitiger ſchriftlicher Umgang bekam etwas Zugeknöpf⸗ teres, wenigſtens Formelleres. Der Herzog mußte vorſichtig Rechnung tragen, was er der Stellung des Herrſchers, der Dichter, was er der eines Staats⸗ Man ritt, jagte, trank und liebte weniger, aber regierte mehr; man fühlte auch wohl hin und wieder, daß man von früher her an den unerbittlichen, aber nothwendigen Normen des conventionellen Ceremoniels etwas gut zu machen hatte, und zog ſich nach abgekühlten Leidenſchaften in dieſe ruhigen Schranken zurück, wo die Gefühle des
reizbaren Herzens durch die Clauſeln des unverletz⸗
baren Taktes abgelöſt werden.
Bekanntlich hat das Publicum, beſonders in ſeiner Eigenſchaft als deutſches Publicum, immer großes Gewicht darauf gelegt, daß der Herzog und Goethe ſich gegenſeitig Du nannten, und ein Poet einem Für⸗ ſten ſo intim nahe getreten war. In der That hatte ſich Karl Auguſt durch den Aufſchwung eines ſolchen Freundſchaftsbündniſſes, deſſen nur wenige Fürſten fähig ſind, hoch geehrt.
Ich bin überzeugt, daß viele Leſer erwarten
werden, dieſes ſeiner Zeit viel beſprochene und von
vielen Höfen viel verurtheilte Du auch in dieſen Briefen zu finden. Doch es iſt mit der Intimität zwi⸗ ſchen Fürſten und uns gewöhnlichen Menſchen eine gar doch natürlich erklärbare Sache: man wird gedutzt, was als eine Ehre für uns tiefer Stehende angeſehen werden mag; jedoch man dutzt nicht wie⸗ der, weil dies keine Ehre, wenigſtens keine geſellſchaft⸗ liche, für den höher und höchſt Stehenden ſein würde. Nur einige begeiſterte Momente rufen eine ſolche Redeform hervor, doch auch nur im mündlichen Um⸗ gang; im ſchriftlichen Verkehr wird ſie jederzeit dem rückſichtsvollen Zartſinn des Anſtandes von Seiten des Untergebenen geopfert werden.
So geſchah es auch hier. Während Karl Auguſt immer das Du aufrecht erhält, vergißt Goethe nie, was er ſeiner Situation und der Königlichen Hoheit und Ihrer Gnaden ſchuldig iſt, und oft ſteigt er zu ſich auch ein weniger humaner Fürſt nicht fein geſchliffener hätte wünſchen können.
Die Erhebung einer kühnen hochſinnigen Stimme für den Fortſchritt und für das geiſtige Wohl der Unterthanen, wie ſie ſich durch den Vorſchlag neuer Inſtitutionen und öffentlicher Einrichtungen kund ge⸗ ben können, findet man in Goethe's Briefen nicht. Das ebenmäßige Innehalten des hergebrachten Ge⸗ leiſes, das keinen Anſtoß und kein Aergerniß erregen
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