Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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hatte die Kaiſerin ſich bereits noch vertraulicher ge⸗ äußert und der Major wiederholt ihre Hand mit heißer Leidenſchaft geküßt.

Alles verließ jetzt die Schlitten und drängte ſich in und um die Zelte; man ſuchte ſeine guten Be⸗ kannten aus dem Maskengewühle herauszufinden, man ſcherzte mit einander, ohne ſich gegenſeitig zu kennen, und manche neue intereſſante Bekanntſchaft knüpfte ſich dabei an.

Die Kaiſerin hatte wieder den Arm des Majors genommen und plauderte zärtlich zu ihm; ſie kündigte ihm an, daß er auf dem Abends im Winterpalaſte ſtattfindenden großen Balle ihr Haupttänzer ſein ſolle, und es gehörte nicht die mindeſte Eitelkeit Dmitrijew's dazu, um ihm die Ueberzeugung zu geben, daß Eli⸗ ſabeth eine Leidenſchaft für ihn gefaßt habe. Er wußte nicht oder dachte nicht daran, daß ſie wieder⸗ holt öffentlich ausgeſprochen hatte,ſie fühle ſich nur glücklich, wenn ſie verliebt ſei.*)

Ueberall ſuchte man die Kaiſerin und errieth ſie nicht unter der Maske der Römerin, um die ſich Nie⸗ mand beſonders zu bekümmern ſchien.

Nur eine Maske erwies der Letzteren beſondere

Rovellen⸗Jeitung.

ſumoffski erkannt, der ſich ſogleich wieder unter das bunte Treiben miſchte.

Eliſabeth zitterte noch heftiger; Alexis Dmitrijew verſtand ſie jetzt, ihr Verhältniß zu dem öffentlich erklärten Geliebten erfüllte ihn mit noch mehr Bitter⸗ keit gegen denſelben, als gegen ſie.

Meine kaiſerliche Herrin fühlt ſich unwoyl?

fragte er.Sollte jene Maske gewagt haben

Still, Alexis! gebot die Kaiſerin;Du kennſt dieſe Maske nicht und weißt nicht, daß ſie ein ge⸗ wiſſes Recht hat, mich anzureden. Wir müſſen uns jetzt trennen; man hat mich erkannt, und mein Ver⸗ guügen iſt mir verdorben; ich werde Dich ein ande⸗ res Mal wiederſehn und ſprechen, noch heute Abend wahrſcheinlich.

Ihr Ton war kleinlaut und ängſtlich. Sie fürch⸗ tete alſo doch jenen Mann, den ſie aus dem Nichts zu ſich emporgezogen hatte!

In demſelben Augenblicke ging ein anderes Paar un ihnen vorüber. Die Dame war eine der graziö⸗ ſeſten Erſcheinungen, die man ſich vorſtellen kann; ſie trug das kleidende polniſche Nationalcoſtüm. Ihr Cavalier, dem ſie nicht den Arm gegeben hatte und

Aufmerkſamkeit, indem ſie ihr und dem Centurionen der ihr umſonſt ſeine Artigkeiten zuzutragen ſchien,

auf Schritt und Tritt folgte, was Beide anfangs nicht bemerkten. Dieſer Beobachter war ein unge⸗ wöhnlich hoher und kräftig gebauter Mann, in die

ſehr reiche Tracht eines alten ruſſiſchen Bojaren ge⸗

kleidet; er führte keine Dame am Arm und ſchien in der ganzen Geſellſchaft nur für das dicht vor ihm gehende Paar Augen zu haben, jedenfalls erfüllte ihn das Reſultat ſeiner Beobachtung nicht mit Freude, denn er ſchritt düſter und nachdenklich einher.

Das iſt Raſumoffski, man erkennt ihn an der Figur, flüſterte man ſich in die Ohren;wunderbar, daß die Kaiſerin ſich nicht an ſeiner Seite befindet!

Deer öfter genannte Name drang auch zu dem Ohre der Römerin; ſie ſah ſich um und erblickte den großen Mann in dem Bojarencoſtüm, deſſen Augen durch die Sammetmaske düſter auf ihr ruhten.

Der Major fühlte den Arm der Kaiſerin leiſe auf dem ſeinigen zittern, ſie ſtockte plötzlich in ihrem Geſpräche, und er blickte ſie verwundert und beſorgt an, da er ſich dieſe plötzliche Veränderung noch nicht zu erklären wußte.

In dieſem Augenblicke ging der große Mann raſch an dem Paare auf Seiten der Kaiſerin vorüber, beugte ſich zu ihrem Ohre nieder und flüſterte ein paar Worte, die der Major nicht verſtehen konnte; ihn ſelbſt traf ein Blitz, der aus den Augenlöchern

war ein großer, etwas ſtarker Herr von ſteifen, eckigen Bewegungen, den die gleichfalls polniſche Tracht wenig kleidete, obgleich ſie überladen präch⸗ tig war.

Das iſt die Kokorinow, ſagte die Kaiſerin raſch;mag ſie mich Dir auf dem Rückwege er⸗ ſetzen.

Ohne die Antwort des jungen Mannes abzu⸗ warten, trat ſie an die Dame hinan und lüftete ihre Geſichtsmaske gerade nur ſo weit, daß jene ſie er⸗ tennen konnte. Die auf das Höchſte Ueberraſchte ver⸗ beugte ſich tief; ihr Cavalier, dadurch ſtutzig gemacht, og ſich ein wenig zurück.

Kokorinow, ſagte die Kaiſerin raſch und leiſe, ich trete Dir meinen bisherigen Cavalier ab; Du wirſt den Rückweg in ſeinem Schlitten machen. Dabei deutete ſie leicht auf den Major, der ſich von ſeiner Ueberraſchung noch nicht erholt hatte, machte eine verabſchiedende Handbewegung gegen ihn und entfernte ſich ſchnell nach der Richtung, die jener große Mann in der Bojarenkleidung eingeſchla⸗ gen hatte.

Alexis Dmitrijew hatte die Worte der Kaiſerin vernommen. Er kannte die Fürſtin Baſſa Kokorinow nur dem Namen nach, aber man behauptete allgemein, daß das neunzehnjährige, ſehr reiche Mädchen ſchön

or two fot; 5 9 5. der Larve feindlich genug zuckte. Auch er hatte Ra⸗ und liebenswürdig ſei. Die Kaiſerin hatte befohlen,

*) Hiſtoriſch.

und ſowohl der Major, als die junge Fürſtin mußten

gehorch für ein B3 gegen Scene vollſtä Dame

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