Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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Vierte

die ſchönſte und allein liebenswerthe Frau ihres Reiches zu gelten, Luſt an allen ſinnlichen Vergnügungen und

Trägheit bei den Staatsgeſchäften waren die Leiden⸗ ſchaften, die deutlich hervortraten, ſobald ſie die Cza⸗

renkrone auf ihr Haupt geſetzt hatte.

Die Seele der Regierung wurde der Reichs⸗Vice⸗ kanzler Graf Alexei Beſtuſcheff-Riumin, der, aus einer engliſchen Familie ſtammend, ſich als Geſandter in England und ſpäter als Cabinetsminiſter der Kaiſerin Anna ausgezeichnet hatte; die Regentin Anna hatte ihn nach Biron's Sturze, weil er demſelben ſehr zu⸗ gethan geweſen, verhaften laſſen, Eliſabeth erhob ihn jetzt zu neuen Würden. Man kannte ihn allgemein als geſchäftserfahren und tüchtig, kühn und entſchloſſen in allen Unternehmungen, andererſeits aber auch als roh, boshaft und kein Mittel zur Erreichung ſeiner Zwecke ſcheuend; auf die Kaiſerin hatte er den größ⸗ ten Einfluß.

Das ruſſiſche Volk hatte nicht viel Grund, ſich einer ſolchen Regierung zu erfreuen, und wenn es der Kaiſerin Eliſabeth ſpäter den Namendie Gütige beilegte, ſo verdankte ſie ihn wohl nur der Schmei⸗ chelei und Furcht.

II.

Ein Jahr war ſeit der Thronbeſteigung Eliſa⸗ beth's vergangen. Rußland kämpfte damals mit Schweden, dieſer übrigens glückliche Krieg übte aber keinen Einfluß auf das Leben in Petersburg aus.

Der Hof war beinahe aſiatiſch eingerichtet; es herrſchte dort luxuriöſe Pracht und der unbeſchränkte Wille der Kaiſerin; die Sitten waren roh, wie es ſich nicht anders erwarten ließ, wo Leute, die ſich durch bloße Gunſt einer eitlen Frau zu den höͤchſten Würdeſtellen emporgeſchwungen hatten, ohne geiſtige Bildung und äußere Form, die Säle des kaiſerlichen Schloſſes füllten und durch gegenſeitige Intriguen

nur nach einem Ziele ſtrebten, dem, ungeheure Reich⸗

thümer zu ſammeln.

Es war im December d. J. 1742, als der Hof ſich am und im Winterpalaſte zu einer großen mas kirten Schlittenpartie auf der Newa verſammelte, welche die Kaiſerin befohlen hatte.

Auf dem breiten, mit Granitblöcken gepflaſterten Kai, der den vierhundertundfunfzig Fuß langen kai⸗ ſerlichen Palaſt von dem Fluſſe trennt, wogte eine Menge glänzend aufgeputzter Schlitten, mit ſchnau benden Pferden aus der Ukraine beſpannt und mei⸗ ſtens von maskirten Mohren gewandt gelenkt, auf und ab, Truppen von der Garde zu Fuß und zu Pferde hielten die Zugänge für die große ſchauluſtige

Volksmenge ſtreng abgeſperrt und wieſen alle Zudring⸗

lichen recht nachdrücklich mit Gewehrkolben oder Knute Preobraſchenskoi'ſchen Garde zugeſichert.

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Folge.

zurückg Auf den Balkons des Schloſſes ſpielten die Muüͤſikcorps der Garderegimenter, und in den Räumen des Palaſtes bewegten ſich Tauſende von Masken vornehmen Standes in den abenteuerlichſten und glänzendſten Coſtümen und ſprachen wacker den war⸗ men geiſtigen Getränken zu, die von reich galonnirten kaiſerlichen Lakaien umhergereicht wurden.

Eine ungebundene Heiterkeit, die oft recht laute Ausbrüche fand, herrſchte, denn ſo liebte es die Kai⸗ ſerin, die ſich nie glücklicher als inmitten eines ge⸗ räuſchvollen Feſtes fühlte. Depeſchen von der größten Wichtigkeit hätten jetzt eintreffen können, und ſie würde ſich darum nicht bekümmert haben.

Auf der gefrornen Newa ſtromaufwärts war eine

lange und breite Bahn ausgeſteckt; ſie wurde von in das Eis eingegrabenen Tannenbäumen eingefaßt, und in kurzen Zwiſchenräumen ſtanden hohe Maſte, von denen die ruſſiſche Reichsfahne und andere bunte Flaggen luſtig wehten; von Zeit zu Zeit waren auch Militär⸗ und Civil⸗Muſikcorps poſtirt, welche die Vorüberfahrenden mit ihren Melodien begrüßen ſoll⸗ ten. Beide Ufer des Stromes waren von einer dich⸗ ten Menſchenmenge beſetzt; ganz Petersburg war zu dem kaiſerlichen Feſte ausgezogen und ſah ſeinem Beginne mit Ungeduld entgegen.

Die Bahn erſtreckte ſich weiter als eine deutſche

Meile gegen den Ladoga-See hin; an ihrem Ende waren ein Paar prachtvolle Zelte, unter denen beſon⸗

ders das grüne kaiſerliche hervorragte, aufgeſchlagen; ſie enthielten Büffets mit Erfriſchungen jeder Art, und ein paar hundert Menſchen waren beſchäftigt, dieſelben für die Gäſte der Kaiſerin bereit zu halten. Weder Mühe noch Koſten waren geſpart worden, das Feſt glänzend zu machen.

Unter den Eingeladenen, die jetzt durch die Säle des Kaiſerpalaſtes wogten, befand ſich auch der Major Alexis Dmitrijew; er trug die Kleidung eines römiſchen Centurionen, die ſeine kräftigen und eleganten Körperformen in das glänzendſte Licht ſtellte; vor dem Geſichte hatte er, wie die meiſten Anweſen⸗ den, eine volle ſchwarze Sammetmaske.

Der Major ſtand damals in ſeinem achtundzwan⸗ zigſten Jahre. Er war der einzige Sohn einer ſehr begüterten Familie und, bis auf weitläufigere Ver⸗ wandte, der einzige Ueberlebende von ihr; ſein Vater war in den Kriegen des großen Czaren gegen Karl XII. von Schweden auf dem Felde der Ehre vor Stralſund gefallen, und damals ſchon hatte Peter, der den Oberſten Dmitrijew aus den früheren Schwedenkriegen perſönlich kannte und hochſchätzte, der Wittwe für ihren unmündigen Sohn eine Officierſtelle in der