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Familie. Das Land und auch die Leibgarden hätten ſchwerlich daran gedacht, wenn ein Theil der letzteren nicht auf ſchlaue Weiſe gewonnen worden wäre.
Johann Hermann Leſtocq, ein geborener Hanno⸗ veraner, von franzöſiſchen Eltern abſtammend, war in ſeinen Jünglingsjahren als Wundarzt nach Peters⸗ burg gekommen und hatte bald eine Anſtellung als Leibchirurgus bei Peter dem Großen gefunden; da er ſich in dieſer Stellung aber Unbeſonnenheiten zu Schulden kommen ließ, verbannte ihn der Czar nach Kaſan. Nach des Letzteren Tode rief ihn Katharina I. zurück und theilte ihn der Prinzeſſin Eliſabeth, ihrer Tochter, als Arzt zu. Leſtocq war der Prinzeſſin wirklich ergeben, weil er mit ihr zu ſteigen hoffte, und er war es, der ſchon lange zuvor ſie zu beſtim⸗ men geſucht hatte, ein kühnes und g ſames Unter⸗ nehmen zu wagen, um ſich die Krone zu gewinnen; er hatte die Verſchwörung eingeleitet, an der, außer dem franzöſiſchen Geſandten, nur untergeordnete Per⸗ ſönlichkeiten vom Militär theilnahmen, und er war es, der Tags vor dem Ausbruche dieſer Verſchwörung die Prinzeſſin zu dem entſcheidenden Schritte veran⸗ laßte, indem er ihr ein Papier vorlegte, auf deſſen eine Seite er ſie als Nonne und ſich ſelbſt auf das Rad geflochten, auf die andere Seite ſie auf dem Kaiſerthrone und ſich an den Stufen deſſelben ſtehend gezeichnet hatte, wobei er ihr ſagte:„Wählen Sie; entweder ſo oder ſo!“
Dieſer Intriguant wurde jetzt kaiſerlich belohnt; Eliſabeth ernannte ihn ſofort zum wirklichen Ge— heimrath, erſten Leibarzt und Vorſteher aller medici⸗ niſchen Kanzleien, womit ihm die bedeutendſten Ge⸗ hälter zufloſſen; ſie ſchenkte ihm ſogar ihr in Bril⸗ lanten gefaßtes Bild und erlaubte ihm, es am Halſe zu tragen. So gnädig wie die neue Kaiſerin⸗ aber gegen dieſen Mann verfuhr, ſo hart ſtrafte ſie alle ihre bisherigen Widerſacher.
Graf Oſtermann, der alte General Münnich und die übrigen Hauptſtützen der vorigen Regierung wur⸗ den zum Tode verurtheilt und erſt auf dem Schaffot begnadigt, um für Lebenszeit nach Sibirien abgeführt zu werden; die Regentin Anna, ihr Gemahl und der junge entthronte Kaiſer wurden von einem Gefäng⸗ niſſe in das andere gebracht, damit ihr Aufenthalt in Rußland verborgen bleibe und Niemand auf den Gedanken kommen möge, Iwan zu retten und wieder als Kronprätendenten aufzuſtellen, endlich wurde er von ſeinen Eltern getrennt und geheimnißvoll in der Feſtung Schlüſſelburg aufbewahrt, ohne daß ihm die „geringſte Erziehung zu Theil geworden wäre.
Zeitung.
meinte, wandte ſie ſich zu den Staatsgeſchäften, kei⸗ neswegs aber mit wahrhafter Energie oder auch nur Luſt und Liebe. Zwar kamen manche neue Geſetze auf, die Abſchaffung der Todesſtrafe ſchien ſogar dafür zu ſprechen, daß die neue Regentin ihr Land auf eine höhere Stufe der Cultur zu heben und den alten blutigen Despotismus abzuſchaffen beabſichtigte, aber jene Geſetze waren zum großen Theile ſinnlos und führten in die barbariſchen Zeiten zurück, und ſtatt der Todesſtrafe erfand man viel gräßlichere Qualen für die Verurtheilten. Eliſabeth, die ſtets weibliche Milde und Sanftmuth heuchelte, ſtraffte die Zügel der Regierung ſcharf an oder ließ dies vielmehr durch ihre Günſtlinge thun; da ſie in fortwährender Angſt lebte, es könne ihr daſſelbe Schickſal zu Theil werden, das ſie ihrer Vorgängerin bereitet hatte, war ſie im höchſten Grade mißtrauiſch und ſtrafte ſchon auf den bloßen Verdacht hin; ſie war Despotin im vollſten
Sinne des Wortes.
Um die Zeit unſerer Erzählung zweiunddreißig Jahre alt, war ſie bereits in ihrem achtzehnten Jahre mit dem Prinzen Karl von Holſtein-Eutin verlobt geweſen und ſoll denſelben wirklich leidenſchaftlich ge⸗ liebt haben; der Tod trennte bald dieſes Bündniß, und die damalige Großfürſtin Eliſabeth gelobte, nie wieder zu lieben und zu heirathen. Das erſte Ge⸗ lübde hielt ſie indeſſen nicht lange, denn die Sinn⸗ lichkeit war zu vorherrſchend in ihr. Ihr erſter Geliebter wurde ein gemeiner Gardeſoldat, Namens Schubin, den die Kaiſerin Anna, als ſie dieſes Ver⸗ hältniß entdeckte, nach Sibirien ſchickte und der erſt 1743 auf den Ruf der neuen Kaiſerin wieder zurück⸗ kehrte, ohne eine ähnliche Rolle wie früher zu ſpielen.
Sein Nachfolger wurde ſchon damals Alexis Ra⸗ ſumoffski, ein Sänger der kaiſerlichen Kirchenkapelle, der dann die Stelle eines Hausmarſchalls bei der Großfürſtin erhielt und den die neue Kaiſerin ſofort nach ihrer Thronbeſteigung nicht allein zum Kammer⸗ junker ernannte, ſondern ihm auch im Winterpalaſte eine Wohnung, die mit der ihrigen in Verbindung ſtand, einräumte und ihn beinahe förmlich zu ihrem Geliebten erklärte. Dieſer Mann, der bald hoch ſteigen und ſich in heimlicher Heirath endlich ſelbſt die Hand der Kaiſerin gewinnen ſollte, war der Sohn eines ufrai⸗ niſchen Bauern und ohne alle feinere Bildung, ſolche vermißte man aber damals überhaupt noch vollkommen am ruſſiſchen Hofe.
Uebrigens ließ es ſich Eliſabeth an dieſer intimen Bekanntſchaft nicht genügen, ſondern knüpfte mit der größten Unbeſtändigkeit immer wieder neue galante
Nachdem Eliſabeth auf ſolche Weiſe ihre Rache befriedigt und ihren Thron befeſtigt hatte, wie ſie
Händel ſowohl mit den Officieren, als den gemeinen Soldaten ihrer Garde au.
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