Jahrgang 
01-25 (1864)
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2 Novellen

Thronfolge beargwöhnte und ſie ſelbſt ſolche im Ge⸗ heimen wirklich hegte, lebte auch eine andere Prinzeſ⸗ ſin, Eliſabeth Petrowna, eine Tochter Peter's des Großen und Katharina's, der ein großer Theil des Adels, der Geiſtlichkeit und des Volkes dieſer nahen Verwandtſchaft mit dem hochverehrten Kaiſer wegen wohlgewogen war. Gerüchte von einer Verſchwörung zu ihren Gunſten und ſelbſt unter ihrer Leitung ver⸗

breiteten ſich, man warnte die Regentin vor ihr, aber

dieſe träge und leichtgläubige Frau wollte ſolchen Verdächtigungen keinen Glauben ſchenken. Der Groß⸗ V admiral Graf Oſtermann wollte in Erfahrung gebracht haben, daß Eliſabeth durch die franzöſiſche Geſandt⸗ ſchaft große Geldſummen zuflöſſen, man ſprach von vierzigtauſend Ducaten und einem galanten Handel zwiſchen der Prinzeſſin und dem franzöſiſchen Ge⸗ ſandten Marquis de Chetardie. Anna fühlte ſich endlich veranlaßt, die Prinzeſſin zur Rede zu ſtellen, aber die glaubwürdigen Verſicherungen derſelben und ihre Thränen beruhigten ſie wieder vollkommen.

So ſtand es im Winter des Jahres 1741 am Hofe zu Petersburg.

Zeitung.

Die Nacht des 6. December(25. November alten ruſſiſchen Styls) war kalt und ſternenklar. Peters⸗ burg lag im tiefſten Schlummer, ſelten eilte noch ein verſpäteter Fußgänger, tief in den Pelz gehüllt,

ſeiner Wohnung zu; Niemand dachte daran, daß die Nacht etwas Außergewöhnliches bringen könne. Ueber den weit ausgedehnten Iſaaksplatz ſchritt eine geſchloſſene Abtheilung von Menſchen, wie ſich bald erkennen ließ, Soldaten des Preobraſchenskoi'ſchen Garde⸗Regiments; ſie ſchienen Eile zu haben, und kein Wort wurde zwiſchen ihnen gewechſelt, als gehe man einem großen heimlichen Unternehmen entgegen. An der Spitze dieſes faſt unheimlich erſcheineuden Zuges gingen mehrere Officiere, in ihrer Mitte eine hohe und ſchlanke Frauengeſtalt, welche über dem dunkeln Frauenkleide die ruſſiſche Generalsuniform

trug; ihr zur Seite ein Mann in ſchwarzem Civil⸗

anzug nach damaliger Mode, mit dem Degen an der Seite. Dieſer Haufe bewegte ſich lautlos gerade auf

das Hauptportal des Winterpalaſtes zu, in dem da⸗

mals die Regentin mit ihrem Gemahle und Sohné reſidirte.

An dieſem Hauptportal befand ſich eine ſtarke Wache der Garde, die, auf den ausgeſtellten Wacht

poſten und die friedliche Ruhe in der Stadt ver⸗

trauend, ſich dem Schlummer überlaſſen hatte; nur erwähnter Poſten promenirte mit dem Gewehr im Arm vor dem Portane, und zufällig ſtand auch der Tambour vor den lütn; Gewehre und Trommel

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ruhten vor der Thür in den dazu angebrachten Stützen.

Als die ſchweigende Menſchenmenge ſich näherte, wurde der Poſten aufmerkſam und rief ſie an. Es erfolgte keine Antwort. Die große Zahl der An⸗ rückenden, ihr Schweigen, ihre ganze Erſcheinung zu dieſer ſpäten Nachtſtunde mußte Verdacht erwecken; der Wachtpoſten verlor den Kopf und ſtarrta go r ſchrocken an, der Tambour indeſſen verlor nicht die Geiſtesgegenwart. Mit einem Satze war er neben ſeiner Trommel, hakte ſie an ſeinem Leibgurt an und ließ die Schlägel auf ſie niederfallen; er wollte Alarm ſchlagen.

Bereits war aber auch der kleine gewandte Mann in dem ſchwarzen Civilanzuge an ſeiner Seite und fuhr mit einem kurzen ſcharfſchneidenden Inſtrumente raſch über das Trommelfell; letzteres ſank, zerſchnitten, ſchlaff nieder, ein Paar der ankommenden Grena⸗ diere hatten ſich ſchnell des Poſtens und des Tambours verſichert.

Dieſe Scene war faſt ohne Geräuſch vor ſich gegangen.

Die beſte Operation, die Du je gemacht haſt, Leſtocg, ſagte die Dame in der Generalsuniformein ſcherzhaftem Tone, wobei man ihrer Stimme aber doch ein leiſes Zittern anhörte, zu dem Schwarzge⸗ kleideten.

Der Haufe kümmerte ſich nicht weiter um den Tambour und die Schildwache, ſondern drang unauf⸗ gehalten durch das große Portal in das kaiſerliche Schloß; ein Theil blieb zurück, um die ſchlafende Wache in Verhaft zu nehmen, die Uebrigen eilten die große Treppe hinauf. Die Poſten, auf die man noch hier und da ſtieß, warfen, von dem plötzlichen Anblicke einer ſo großen Uebermacht überraſcht, ent⸗ weder die Gewehre weg und ſich ſelbſt zitternd auf den Boden, oder ſie präſentirten ehrerbietig vor der Dame in der Generalsuniform.

Erſt als die Eindringlinge an eine Thür in den oberen Stockwerken des Schloſſes gelangten, hinter

dder ihr Ziel zu liegen ſchien, fällte die dort ſtehende

Schildwache das Gewehr und ſchien entſchloſſen, den Eintritt zu wehren.

Die Dame in der Generalsuniform trat ent⸗ ſchloſſen einen Schritt vor und winkte dem Manne, bei Seite zu weichen, aber dieſer näherte ſich nicht, ſondern zückte nur drohend das Bajonnetauf ſie.

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zu gehorchen? rief der kleine ſchwarze Ma der vorher Leſtocg genannt worden war, mit feuerſprühen⸗ den Augen.Kniee nieder und flehe ſie um ihre Gnade an!

Elender, wagſt Du es, Deiner Kaiſerin nicht

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