Jahrgang 
01-25 (1864)
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Anna zur Nachfolgerin beſtimmt,

Ekine Mlochenchronik für Niterntur,

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am

Jahrgang.

Aunzt ſchöne Wiiſſenſchaſten und Geſellachuft.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

1. Januar 1864.

Die verhüngnißvolle Roſe. Novelle von

Stanislaus Graf Grabowski

J. Peter I. dem Großen, dem Reformator des alten Moskowiterreiches, war ſeine Gemahlin Katharina, das ſogenannte Mädchen von Marienburg, vorzüglich

durch die Intriguen Menczikoff's auf dem Throne ge⸗ folgt. Das Thronfolgegeſetz des großen Kaiſers vom

5. Februar 1722 beſtimmte, daß es jederzeit in der Willkür des regierenden Monarchen ſtehn ſolle, ſei nen Nachfolger zu beſtellen, damit kein Unwürdiger

oder Untauglicher den Thron beſteige. Dieſem Reichs⸗ geſetze zufolge wählte Katharina I. ihren Stiefenkel Peter II., unter deſſen Regierung Menczikoff geſtürzt wurde und der ſchon 1730 ſtarb. Zwar hatte Katharina's bald die Idee, ſich zur Kaiſerin 2

Teſtament für einen ſolchen Fall ihre älteſte Tochter deren natürlicher

Erbe ihr Sohn, der ſpätere Peter III. war, die mäch⸗ tige Hofpartei aber wählte Anna von Curland, die Nichte Peter's I. Als dieſe Kaiſerin i. J. 1740 ſtarb, hinterließ ſie den Thron dem in demſelben Jahre erſt geborenen Iwan, Sohn ihrer Nichte Anna, Gemahlin des Herzogs Anton Ulrich von Braunſchweig⸗Wolfen⸗ büttel; die Vormundſchaft für dieſen minderjährigen Iwan IV. erhielt der Günſtling der verſtorbenen Kaiſerin, der Herzog Biron von Curland.

Biron machte ſich bald durch ſeine Härte und ſeinen Stolz verhaßt; ſein Sturz wurde von dem hohen Adel beſchloſſen. Auch die Mutter des jungen Kaiſers, die Großfürſtin Anna, beneidete ihn um ſeine Macht als Regent, und ſchon zwanzig Tage nach Antritt ſeiner Regierung(im November 1740) ſtürzte ſie ihn mit Hülfe des Feldmarſchalls Männich (und ſchickte ihn nach Sibirien; mit dieſey⸗ Augen⸗ blicke übernahm ſie ſelbſt die Regentſc nnd faßte üfen zu kaſſen.

Am Hofe oder bielan en h e von dem⸗ ſelben, da man ihre möglichen Anſprüͤche auf die

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