Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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Nachahmen ſo handgreiflicher Dinge geht ihnen ab. Es iſt unbeſtreitbar: ſie haben einen äußerſt geringen oder viel⸗ mehr gar keinen Culturwerth, und die Theoretiker, welche von einer unbedingten Perfectibilität aller Menſchen träumen, werden auch bei dieſen Auſtraliern mit ihren aller Ethnolo⸗ gie Hohn ſprechenden Phantaſien bankerott.

Marcet widerlegt die Theoretiker, welche behaupten, daß in Auſtralien kein Kannibalismus vorhanden ſei.Ich weiß nicht, ſchreibt er,ob jene Leute überhaupt Auſtralien mit eigenen Augen angeſehen haben, oder in dem Theile von Queensland geweſen ſind, wo ich dieſe Zeilen auf's Papier werfe( im Burnett⸗Diſtricte). Wären ſie aber dort geweſen, ſo hätten ſie die Augen ſchließen und die Ohren verkleben müſſen, um nichts zu ſehen und zu hören. Der Kannibalismus exiſtirt überall in der Colonie Queensland, ſowohl in den Gegenden, wo ſchon weiße Leute wohnen, wie in den entlegenen Waldſtrecken. Ich habe perſönlich Be⸗ weiſe für die Thatſachen und weiß wohl, was ich behaupte. Eben jetzt vor zehn Tagen(10. März 1861) wurde kaum dreihundert Schritte weit von der Hütte entfernt, in welcher ich jetzt ſchreibe, in einem Lager der Eingeborenen ein fünfjähri⸗ ges Kind getödtet und aufgefreſſen. Zwei Monate vorher war mit einem andern Kinde daſſelbe geſchehen. Ich erzähle das nicht etwa nach Hörenſagen, ſondern ich ſah die Spuren des ſcheußlichen Mahles auf der Lagerſtätte, und zwei von mir befragte Eingeborene, mit welchen ich an demſelben Tage noch verkehrte, gaben zu, daß ſie mitgegeſſen hätten. Ich fragte in ihrer Sprache:Piccanini budgerri patta?, das heißt: Schmecken Kinder gut? Sie antworteten ſo⸗ gleich, ſchnalzten wohlgefällig mit der Zunge an den Gau⸗ men und ſprachen:Jo ai cobong budgerri! Ja, ſehr gut. Ich benutzte die günſtige Gelegenheit, um noch allerlei von dieſen Wilden zu erfahren, und ſie erzählten mir, daß nicht alles Fleiſch gegeſſen wurde, ſondern nur das Dickbein vom Schenkel bis zum Knie; das Beſte ſei die Hand, alles Ueb⸗ rige iſt für die Hunde. Menſchenfleiſch, ſagten ſie mir wei⸗ ter, munde roh weit beſſer als geröſtet. Auf meine Frage, wer denn vorzugsweiſe als Opfer zum Verzehren auserſehen werde, äußerten ſie, daß man am liebſten die halbſchlächtigen Kinder wähle, die zum Vater einen europäiſchen Schafhirten, zur Mutter eine Auſtralierin haben. Man läßt das Kind heranwachſen, wenn aber die Zeit gekommen iſt, ſchlägt die eigne Mutter daſſelbe mit einer Keule todt und verzehrt das erſte Stück. Man hat mich verſichert, daß das Verzehren von Menſchenfleiſch keineswegs ſelten vorkomme, aber die eu⸗ ropäiſchen Anſiedler erfahren nicht alle Fälle.

Aber der Kannibalismus iſt nicht etwa allein darauf beſchränkt; er blüht auch, wenn die Frucht Bugnia, eine mandelartige Kernfrucht, reif iſt, nämlich im Januar. Dann verſammeln ſich alle Angehörigen eines Stammes, um ſich an dieſen Früchten eine Güte zu thun, und mehrere Tage lang genießen ſie gar nichts Anderes, überfüllen ſich den Magen und werden ſo träg, daß ſie nicht auf die Jagd gehen mögen. Nebenher veranſtalten ſie ein Feſtmahl in folgender Weiſe. Die älteſte Frau der Horde wählt die bei⸗ den hübſcheſten und fleiſchigſten Mädchen aus; ſie ſind zum Opfer beſtimmt, man ſchlägt ſie aber todt, wenn ſie ſchlafen. Auch, die meiſten Kriegsgefangenen, gleichviel ob Schwarze oder Weiße, werden verzehrt.

Unſere Begriffe von gut oder böſe ſind dieſen Auſtra⸗ liern durchaus fremd. Sie kennen keine größere Freude, als einen Weißen zu beſtehlen oder zu ermorden, natürlich wenn ſie es ungeſtraft thun können. Ganz beſonders haben

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Novellen⸗Zeitung.

ſie es auf die europäiſchen Frauen abgeſehen, denn ſie be⸗ gnügen ſich nicht mit ihren Gins, d. h. ſchwarzen Weibern, ſondern tragen wie ſie ſich ausdrücken. Nach den ſchrecklichſten Mißhand⸗ lungen wird die Unglückliche getödtet. Wir haben leider noch oft ſolche Vorfälle zu beklagen.

Der wilde Auſtralier bindet ſich an nichts, nur allein ſein Wort hält er; bei dem, was er verſpricht, hat es auch ſein Bewenden. einmal betrogen worden iſt, wieder Glauben ſchenken, wird ihm auch keine Dienſtleiſtung verrichten; ebenſo vergißt er es nie, wenn jener ihm Wort gehalten; alsdann traut er ihm. Aber von Dankbarkeit und Erkenntlichkeit hat er keine Vor⸗ ſtellung; je mehr man ihm giebt, um ſo mehr fordert er, und jeder Eingeborene iſt in der Nähe der Stationen gefährlich,

weil er ſeine Habgier nicht bezähmen kann und Verbrechen

begeht, um ſie zu befriedigen.

So viel man weiß, leben die Angehörigen einer und derſelben Horde mit einander in gutem Einvernehmen. Sie ſchweifen, etwa fünfundzwanzig bis dreißig Köpfe ſtark, im Lande umher, und halten ſich am liebſten in der Nähe der Creeks auf. Jedes Paar lebt für ſich, und ledige Leute ſind ſelten. Durchgängig bewahrt die Frau dem Manne treue Anhänglichkeit, und das wird ihr auch nicht eben ſchwer, da ein Auſtralier ungefähr ebenſo iſt wie der andere.

Die auſtraliſchen Hochzeitgebräuche würden europäiſchen Damen nicht angenehm ſein. Der Bräutigam überfällt bei Nacht die Gonia, in welcher ſeine Geliebte ſchläft, walkt ſie und ihre Eltern mit Knittelſchlägen herzhaft durch und ſchleppt die ohnmächtige Braut hinweg. Sobald ſie ſich wieder er⸗ holt, iſt ſie des Mannes Frau und ihm ſehr ergeben und zu⸗ gethan. Der Mann ſeinerſeits hat manchen Strauß zu beſtehen; denn er muß ſein Eigenthumsrecht an die Frau gegen alle jungen Wilden der Horde, welche noch kein Weib haben, mit den Waffen vertheidigen, und dabei geht es nicht ſelten wild und hart genug her. 4

In Sitten und Gebräuchen findet man bei den ver⸗t ſchiedenen Horden allerlei Abweichungen; wild und barba riſch iſt freilich Alles. Aber der Todte wird überall unter lautem Klagegeheul betrauert. Das Schreien währt zwei Tage; die nächſten Angehörigen zerreißen oder zerſchnei⸗ den ſich das Fleiſch an Armen und Beinen mit ſcharfen Steinen dermaßen, daß das Blut in Strömen herabfließt.

Die Wilden in Queensland halten ſo große Stücke auf den Hund, daß ſie im Nothfalle junge Hunde von ihren Frauen ſäugen laſſen. Der Tod eines Hundes wird nicht minder betrauert, wie jener eines Häuptlings oder Freundes. Mit der oberſten Autorität verhält es ſich ganz eigenthüm⸗ lich; die höchſte Gewalt iſt nämlich bei dem älteſten Weibe der Horde. Dieſes hat Macht über Leben und Tod und giebt den Kriegern, welche gegen den Feind ausziehen, Befehle. In Queensland ſind alle Eingeborenen gefährlich. In Bezug auf Intelligenz ſtehen ſie, wie ſchon bemerkt, ungemein niedrig, ihre Habgier iſt nicht zu beſchreiben; ſie beſtehlen oder tödten ihre Wohlthäter gerade ſo wohl wie ihre Feinde. Es iſt mehrfach vorgekommen, daß die weißen Bewohner der Stationen, von welchen die Wilden mit Nahrung ver⸗ ſorgt und gut behandelt worden waren, überfallen und er⸗

mordet wurden. Zuerſt wurden die Männer getödtet, dann i erſt die Frauen, nach Mißhandlungen, gegen deren Schilde⸗ Einen Europäer, der Feuer⸗ ſer

rungen ſich die Feder ſträubt.

waffen trägt, greifen ſie nicht an; vor den letztern haben ſie

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