Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
790
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790 Novellen

Eine Warnung, die jedenfalls gut gemeint zu ſein ſcheint, bemerkte Rothenſee.

Fliehet, ehe es zu ſpät iſt, ſagte diesmal Jemand ganz in der Nähe.

Wer biſt Du? fragte Schill geſpannt.

Eine, die es gut mit Euch meint.

So tritt näher, holder Schutzgeiſt.

Nur unter einer Bedingung.

Nenne ſie.

Ich verlange für meine Perſon vollſtändige Sicherheit auch mein freier Wille darf unter keinem Vorwand beſchränkt werden.

Zugeſtanden.

Auf Manneswort?

Zeitung.

Ah, derſelbe, welcher als Hausmeiſter ſo trefflich⸗ ſeine Rolle ſpielte? ſagte Schill lachend.

Freilich. Frau erſchrocken fort,da ſtehe ich und plaudere, wäh⸗ rend Ihrem Leben Gefahr droht. Eben dieſer Diener ein alter Sappeur, hat ſich heimlich fortgeſchlichen,

franzöſiſchen Poſten von Ihrer Gegenwart zu benach⸗ richtigen. Sie haben alſo keinen Augenblick zu ver lieren, meine Herren, wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen gefangen oder getödtet zu werden.

Sie haben Recht, Madame, entgegnete Schilp, und obgleich es ſonſt eben nicht meine Sache iſt, mich zurückzuziehen, ſo gebietet es diesmal doch die Klug⸗

Unter Garantie unſerer Ehre. Kaum hatte Schill dieſe Worte ausgeſprochen,

als ſich eine bisher verborgen gebliebene Tapeten⸗

thüre öffnete, und eine junge Dame, nach neueſter franzöſiſcher Mode friſirt und gekleidet, hereintrat.

Roſalie! rief Werdau, nachdem er einen Blick auf die überraſchende Erſcheinung geworfen hatte, welche aus der Tapetenthüre getreten war.

Mademoiſelle Schulze! fügte gleichzeitig Ro⸗

thenſee hinzu, welcher ſich augenblicklich der Scene im Theater zu Berlin und in der Spandauer Straße erinnerte.

Zu dienen, meine Herren, entgegnete die Schöne, indem ſie ſich mit einem unbefangenen Lächeln ver⸗ beugte,zu dienen, nur mit dem Unterſchied, daß Sie jetzt nicht mehr Mademoiſelle Schulze, ſondern Madame Lion vor ſich ſehen.

Ah, ſagte Schill zu ſeinen Gefährten,das iſt alſo die Dame, von der Sie mir ſo Vieles erzählt haben?

Ja, anwortete Roſalie,und wie Sie ſehen,

iſt mein Herz noch immer meinen Landsleuten zuge⸗ than, obgleich ich gegenwärtig die Frau eines franzö-

ſiſchen Capitains bin.

Wie? rief Werdau, Sie ſind verheirathet?

Ei freilich. Habe ich Ihnen nicht ſchon in Magdeburg geſagt, daß mein Lion ſterblich in mich verliebt war? Er iſt Capitain bei den Sappeurs und als Solcher verſteht er es, wie Sie wohl denken können, trefflich, Minen zu legen und Breeſchbatterien zu errichten. Nun kurz und gut, nachdem ich mich

tüchtig gewehrt hatte, mußte ich capituliren und

wurde ſeine Frau. Da er hierher zum Belagerungs⸗ corps verſetzt wurde und zugleich eiferſüchtig wie ein Türke iſt, ſo wollte er mich nicht in Magdeburg zurücklaſſen, ſondern nahm mich mit und richtete mir hier eine kleine niedliche Wohnung ein. Ein alter Diener bewacht mich wie ein Cerberus.

heit. Empfangen Sie übrigens unſern Dank für Ihre jedenfalls edele Handlungsweiſe.

Ei mein Gott, rief die ehemalige Mademoiſelle Schulze,wofür Dank? Ich liebe meinen Lion, aber ſoll ich mich deswegen abhalten laſſen, meinen Landsleuten einen Dienſt zu erweiſen? Und beſonders in dieſem Fall...

Die Augen der jungen Frau ſtreiften zu Werdau und Rothenſee hinüber, und ſie vermochte ein ſchel⸗ miſches Gelächter nicht zu unterdrücken.

Die beiden jungen Leute lachten ebenfalls.

Ja, ja, ſagte Werdau,ein paar Courmacher aus alter Zeit haben immer noch Anſprüche auf einige Theiluahme.

In dieſem Augenblick ließ ſich ein zweiter Kano⸗ nenſchuß von der See aus vernehmen.

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Unſer Engländer wird ungeduldig, ſagte Schill.Geſchwind, Werdau, laſſen Sie die Rakete ſteigen.

Unſer Bekannter verließ raſch das Haus, und im nächſten Augenblick ſtieg die Feuergarbe in die Luft.

Und nun fort! rief Schill.Haben Sie nochmals Dank für Ihre großmüthige Warnung, Madame.

Die drei Helden ſtürzten aus dem Hauſe.

Fenſter und winkte freundlich, dann zog ſie ſich zurück, die Fenſterläden ſchloſſen ſich, und das kleine Haus

Aber mein Gott, fuhr die junge

um einen nur eine Viertelſtunde von hier aufgeſtellten

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Einen Augenblick zeigte ſich noch Roſalie am

gewann wieder das Anſehen ſeiner früheren unheim⸗ t

lichen Stille.

Jetzt nach der Bucht, ſagte Schill.Hoffent⸗ lich finden wir den Befehlshaber der Brigg dort ſchon mit dem Boote. Der kühne Parteigänger ſchritt, die Piſtole in der Hand, den Abhang hinab, während ſeine beiden Gefährten bei der bereits hereinbrechen⸗ den Dunkelheit ſich ihm ſo nahe wie möglich zur Seite hielten.

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