Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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daß unſere heutige Miſſion werde.

Aber in welcher Weiſe ſteht das Haus an den Dünen damit in Verbindung? fragte Rothenſee.

Nun, daſſelbe liegt ziemlich hoch über dem Spiegel der See. Wir nehmen dort unſer Haupt⸗ quartier und hiſſen eine Flagge auf. Der Befehls⸗ haber der Brigg iſt davon benachrichtigt und weiß, nach Inhalt der Depeſche, daß dies das Signal zu dem feſtgeſetzten Rendezvous iſt.

Vortrefflich! riefen Schill's beide Begleiter. Und bis die feſtgeſetzte Stunde herannaht, haben wir Muße, uns mit den Geheimniſſen dieſes Hauſes, über welches ſo viele Gerüchte im Umlauf ſind, be⸗ kannt zu machen.

Dort liegt es bereits vor uns, ſagte Werdau, auf ein kleines zweiſtöckiges Gebäude zeigend, das in

der Entfernung von etwa tauſend Schritt auf dem Plateau der Anhöhe, welche den See einfaßte, ſichtbar wurde.

Wie friedlich ſein Anſehen iſt! bemerkte Rothen⸗ ſee.Nur das gefällt mir nicht, daß die grünen Fenſterläden alle geſchloſſen ſind. Das ſtört ſein ſonſt harmloſes Ausſehen, es ſieht aus, als wenn irgend eine Bosheit dahinter lauerte.

Ei, ei, meine Herren, ſagte Schill,Sie ver⸗ geſſen, daß wir uns vor einem Geiſterſchloß befinden. Bevor wir uns Eingang verſchaffen, iſt es jedenfalls nothwendig, daß wir den richtigen Zauberſpruch finden, um den Bann zu löſen.

Mit dieſen Worten näherte er ſich der Thüre und ſchlug mit dem Schaft ſeiner Piſtole gegen dieſelbe.

War es mir doch, ſagte Rothenſee aufhorchend zu Werdau,als wenn ich noch ſoeben den Klang einer weiblichen Stimme hörte.

Mir kam es auch ſo vor, antwortete dieſer.

Vielleicht gilt es alſo, irgend eine verzauberte Prinzeſſin zu befreien, oder wir finden eine zweite Aſchenbrödel, die die Bosheit der Schweſtern dazu verurtheilt hat Erbſen zu leſen.

pünktlich ausgeführt

Indeſſen war Schill vergebens bemüht geweſen, durch wiederholte Schläge gegen die Thüre die Auf⸗ merkſamkeit der Bewohner auf ſich zu ziehen.

Ich fange wirklich an zu glauben, daß hier keine Menſchen wohnen, ſagte er.

Nun, es muß doch irgend ein Mittel geben, hinein zu gelangen, bemerkte Rothenſee.

Ja, und hinein müſſen wir, ergänzte der Erſtere.Von der Brigg erwartet man hier unſer Sig⸗ nal, und wenn daſſelbe nicht erfolgt, laufen wir Gefahr,

Novellen⸗Zeitung.

die drei Schiffe zu verlieren, deren Ladung wir 1 dringend bedürfen. Ich ſchlage alſo vor, ſagte Werdau,daß mir unter ſo bewandten Umſtänden auf dem kürzeſten Wege zum Ziele zu gelangen ſuchen. Faſſen Sie an, meine Herren, hier giebt uns der Zufall eine Angriffswaffe in die Hände, mit welcher man nöthi genfalls das Thor einer Feſtung ſprengen könnte.

Der junge Mann wies hierbei auf einen glatt gehauenen jungen Eichenſtamm, welcher nur einig Schritte von ihnen im Graſe lag. lin

Das iſt ein trefflicher Gedanke, rief Schill indem er mit Lebhaftigkeit auf den Vorſchlag einging, hi alſo angefaßt, meine Herren!.. So!.. Eins! Zwei! Drei!... Nun wollen wir doch ſehen, olſ, ga wir jetzt beſſer zum Ziele gelangen.

Die drei Freunde wollten eben den improviſirten in Mauerbrecher mit aller Kraft gegen die Thüre ſchleu⸗ dern, als dieſe plötzlich, einem verborgenen Druch nachgebend, aufſprang.

Das iſt in der That wunderbar, ſagte Rothen⸗ ſee;jetzt glaube ich beinahe an Zauberei.

Ich meine den Zauberer ſchon entdeckt zu haben, iſt rief Schill, auf eine Seitenthür zuſchreitend,wir wollen einmal dort den Patron ins Gebet nehmen, welcher unſere Anweſenheit kaum zu bemerken ſcheint.di

Mit dieſen Worten zeigte er auf einen Mann von einigen fünfzig Jahren, welcher an einem Tiſche in einem Lehnſeſſel ſaß und nicht Luſt zeigte, die mindeſte Notiz von ihnen zu nehmen, da er, ohne aufzublicken, fortfuhr in einem Buche zu leſen.

Das iſt ja ein ſonderbarer Kauz, ſagte Rothen⸗ ſee,halb Fiſch, halb Amphibie, denn wenn man ſein rothes aufgedunſenes Geſicht betrachtet, ſo ſollte man meinen, daß er ein Prieſter des Bacchus wäre, und wenn man wieder ſeinen ſchwarzen Rock, ſeine weißt Halsbinde und ſeinen dichten Backenbart ins Augelü faßt, ſo geräth man in Zweifel, ob man nicht irgend einen ehrbaren Haushofmeiſter oder wohl gar ſo einſi Stück Hauskaplan vor ſich hat.

Es iſt eigenthümlich, murmelte Werdau,wenn it

ich nicht wüßte, daß meine Phantaſie mich irre fühn, ſo würde ich wirklich glauben, dieſes Geſicht ſchon bei einer früheren Gelegenheit geſehen zu haben.

Inzwiſchen war Schill zu dem Manne, welcher ein ſo ſonderbares Benehmen an den Tag legtern herangetreten und ſagte:

Heda Freund, wollt Ihr wohl erlauben, daß wir Euch in Euren Betrachtungen etwas ſtören?

Stören? murmelte der Haushofmeiſter in ge⸗ brochenem Deutſch,o ja, ſtören mich alle Tag' durch die Geſchieß mit die Kanon.