Zweien,
eier ſchallen;
Muode; ſicht
de.
Gilh Geanob,
Uierte
Folge.
³
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Novellen-Zeitung.
Von Auerſtädt bis Berlin.
Hiſtoriſche Erzähl hlung von
Carl von Keſſel. (Fortſetzung.)
Dicht am Meere, und zwar am Ufer des Camp'⸗ ſchen Sees, welcher bei Fährkaten durch einen ſchma⸗ len Arm mit der Oſtſee verbunden wird, lag ein
einzelnes Gebäude, von dem man eigentlich nicht recht
wußte, was es enthielt.
Einige behaupteten, es ſei unbewohnt; Andere wollten wieder wiſſen, es hauſe darin ein alter mür⸗ riſcher Portier, den ſeine Herrſchaft dort zum Wächter beſtellt habe; endlich erzählte man ſich auch, es werde von der Frau eines ſchwediſchen Schiffscapitains be⸗ wohnt, der vor dem Ausbruch des Krieges in See gegangen ſei und Gattin und Tochter dort zurückge⸗ la ſſen habe. Leute, die mit ſtarker Phantaſie begabt waren, wollten ſogar wiſſen, es ſei in dem Hauſe cht recht geheuer, und hierin liege der Grund, wes⸗ balb es bisher von den beiden feindlichen Parteien unbeläſtigt geblieben ſei.
Auch zu den Ohren Schill's und ſeiner Gefähr⸗ ien waren die verſchiedenen Gerüchte gedrungen, welche ſich in Bezug auf dieſen Gegenſtand geltend machten, und ſchon mehrere Mal war zwiſchen ihnen die Rede geweſen, ſich auf einem ihrer Streifzüge zu überzeu⸗ gen, was denn eigentlich Wahres hinter allem dieſem Herede verborgen ſei.
1„Heute werden wir endlich das Geheimniß er⸗ fahren,“ ſagte Schill eines Tages zu Rothenſee und Werdau, als ſie, wie gewöhnlich, Lolberg verließen, um auf eigene Hand den kleinen Krieg zu führen,„Herr von Loucadou hat mich mit einer diplomatiſchen Miſſion beehrt.“
3„Mit einer diplomatiſchen Miſſion?“ riefen ſeine wüden Begleiter erſtaunt,„o weh, das iſt für Leute ſolimm, die nur gewohnt ſind, den Säbel zu führen, ud die mit der Feder nicht umzugehen wiſſen.“
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des Nachmittags
„Nun,“ lächelte der Führer,„ſo ganz ſicher iſt es gerade nicht, daß unſere Säbel dabei nichts zu thun bekommen. Es handelt ſich nämlich um die engliſche V Brigg, welche ſeit zwei Tagen vor unſerem Hafen kreuzt, ſich aber bei Anbruch der Nacht jedesmal auf die
offene See zurückgezogen hat.“
„Sollen wir die Brigg etwa nehmen?“ fragte lachend Werdau.„Ich glaube gehört zu haben, daß ſo Etwas einmal im ſiebenjährigen Kriege von preu⸗ biſchen Huſaren ausgeführt wurde.“
„Nun,“ antwortete Schill,„wenn man uns dazu aufforderte, ſo würden wir, denke ich, auch nicht Nein ſagen. Aber heute handelt es ſich blos um eine per⸗ ſönliche Zuſammenkunft mit dem Befehlshaber des
engliſchen Schiffes, und dieſelbe ſoll in der Bucht des Camp'ſchen See's ſtattfinden.“
„O,“ bemerkte Rothenſee,„nun begreife ich, weßhalb geſtern der alte, unerſchrockene Nettelbeck bei ſtürmiſchem Wetter ſo plötzlich mit einem Lootſen in See ſtach.“
„Es handelte ſich darum, den Ort des Rendezvous zu beſtimmen. Ein Boot kam dem ſeinigen auf halbem Wege entgegen, und dieſem übergab er eine darauf Bezug habende Depeſche.“
„So ſind alſo die Engländer doch vielleicht noch Willens, Truppen zu landen?“
„Nein, meine Freunde, das iſt eine Hoffnung, auf die wir verzichten müſſen. Aber die Brigg hat den Auftrag, drei mit Geſchütz, Munition und Montirungs⸗
ſtücken beladene Fahrzeuge in den Hafen zu bugſiren, und es handelt ſich darum, dem Capitain die Stunde zu bezeichnen, wo er mit Sicherheit einlaufen kann. Drei Signalſchüſſe ſollen hierzu das Zeichen geben.“
„Gott ſei Dank,“ rief Werdau,„ſo werden unſere Leute doch auch endlich einmal mit Uniformen verſehen werden.“
„Das Kleid macht zwar nicht den Mann,“ ent⸗ gegnete Schill,„und auch ohne Uniformen haben ſie gezeigt, daß ihnen das Herz auf dem rechten Fleck ſitzt, aber Freude wird es den braven Burſchen immer⸗ hin machen, und deßhalb liegt mir um ſo mehr daran,


